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Zinskosten explodieren: Anleger bereiten sich in Italien auf das Schlimmste vor

Berlusconi geht, die Probleme bleiben. Am Bondmarkt kennt die Rendite italienischer Anleihen kein Halten mehr. Profiteur der Krise ist Deutschland, weil Bundesanleihen in puncto Sicherheit das Maß aller Dinge sind.

Frankfurt / LondonDie Rücktritssankündigung von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die Investoren am Anleihemarkt nicht beruhigt. Im Gegenteil: Die Kurse fallen weiter, die Renditen italienischer Staatsanleihen gehen entsprechend in die Höhe. Am Nachmittag warfen zehnjährige Anleihen 7,22 Prozent ab und übersprangen damit erstmals die Marke von sieben Prozent Rendite. Zum Höchststand am Mittag lagen die Anleihen noch bei 7,5 Prozent. Allein im Vergleich zum Vortag betrug der Anstieg 70 Basispunkte bzw. zehn Prozent. Die Rendite zweijähriger Zinspapiere stieg noch stärker an und übertraf die langfristiger Anlagen. Diese Konstellation, die als inverse Zinskurve bezeichnet wird, gilt als Hinweis darauf, dass Investoren einen baldigen Zahlungsausfall fürchten.

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Viele Experten halten eine Refinanzierung über den Kapitalmarkt für Italien auf diesem Niveau für langfristig nicht darstellbar. Dies gilt erst recht, da Italien mit einem ausstehenden Bond-Volumen von 1,6 Billionen Euro ein absolutes Schwergewicht am Anleihemarkt ist. Da regelmäßig Anleihen auslaufen und durch neue abgelöst werden, steigen die Refinanzierungskosten Italiens drastisch an. Angesichts eines chronisch schwachen Wirtschaftswachstums und einer Staatsschuldenquote von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts droht die Last das Land zu erdrücken.

Begehrte Bundesanleihen Wer sich günstig verschuldet - und wer hohe Zinsen zahlt

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Verstärkt wurde die Talfahrt italienischer Anleihen am Mittwoch dadurch, dass Investoren nun höhere Sicherheiten bieten müssen, wenn sie die Zinspapiere für Kredite beleihen wollen. Das Londoner Clearinghaus LCH, das solche besicherte Darlehen zwischen den Banken abwickelt, erklärte am Morgen, italienische Bonds ab Donnerstag nur noch mit höheren Preisabschlägen als Sicherheit für Wertpapier-Transaktionen zu akzeptieren. Die Einlagen, die Kunden für Transaktionen italienischer Staatsanleihen vorhalten müssen, sollen um 3,5 bis fünf Prozentpunkte steigen. Auch die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 23.000 auf 543.000 Euro, wie LCH mitteilte.

Sorgen wie die Italiens sind Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fremd. Zumindest mit Blick auf die Refinanzierungskosten Deutschlands am Anleihemarkt gab es in diesen Jahr schon mehrfach Grund zum Jubeln: Deutsche Anleihen gelten in puncto Sicherheit als das Beste, was man im Euro-Raum bekommen kann. "Investoren, die Sicherheit wollen, sind mit Blick auf mögliche Risiken sehr intolerant", meint Richard Woolnough von der Fondsgesellschaft M&G Investment. Deshalb seien Bundesanleihen stärker denn je bei Anlegern gefragt.

Kreditversicherungen Welchen Staaten die Investoren misstrauen

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Die Investoren begnügen sich mit immer weniger Zinsen, und Deutschland finanziert sich so günstig wie noch nie: In dieser Woche wurden für Sechsmonatspapiere gerade einmal Zinskosten von 0,08 Prozent fällig, im September stockte der Bund eine zehnjährige Anleihe mit einer Mini-Rendite von 1,8 Prozent und eine fünfjährige Anleihe zu 1,2 Prozent auf. Anleger nehmen dabei sogar negative Realrenditen in Kauf, denn schließlich lag die Inflationsrate zuletzt bei 2,5 Prozent.

Sorgenkind Italien

Für alle anderen Länder ist es dagegen teurer geworden, sich über Anleihen zu refinanzieren - in Griechenland, Irland und Portugal ist es schon lange unmöglich. Die Renditeaufschläge im Vergleich zu zehnjährigen Bundesanleihen reichen von 1,3 Prozentpunkten für Frankreich bis zu 23,5 Prozentpunkten für Griechenland. Die größte Sorge der Investoren ist dabei derzeit, dass auch Italien Kredithilfen beantragen muss. Anleger verlangen für zehnjährige italienische Anleihen inzwischen 5,6 Prozentpunkte mehr Rendite als für die deutschen Bundesanleihen. Angesichts des steilen Anstiegs der Risikoprämien könnten sich einige große Spieler gezwungen sehen, weitere Bestände auf den Markt zu werfen, meint Stuart Frost vom Londoner Vermögensverwalter RWC. Investoren seien dagegen Mangelware.

  • 09.11.2011, 23:07 UhrAnonymer Benutzer: Regulator

    Frankreich und Deutschland diskutieren Verkleinerung der Euo-Zone.

    (Reuters) German and French officials have discussed plans for a radical overhaul of the Europian Union that would involve setting up a more integrated and potentially smaller euro-zone, EU sources say.

  • 09.11.2011, 21:36 UhrAnonymer Benutzer: ad_infinitum

    "Verhülle dich mit Masken und mit Schminken,
    auch blinzle wie gestörten Augenlichts,
    laß nie erblicken, wie dein Sein, dein Sinken
    sich abhebt von dem Rund des Angesichts"

    GB

  • 09.11.2011, 21:32 UhrLeonidas2000

    Machiavelli, ich denke, Sie haben Recht: "Wer Überschuss sagt sagt auch zwangsläufig Defizit, irgendwo muss mathematisch dieses Geld fehlen.
    Das ist das Problem, nicht Berlusconi oder Papandreou. Und dass keiner mir jetzt damit kommt dass die Deutsche fleißig sind und die Südländer faul." Man kann diese Kriese nur gemeinsam lösen. Gemeinsam bedeutet alle Bürgerrinnen und Bürger in der EU. Bisher hat die Mehrheit der Bevölkerung nicht verstanden. Übrigens, (fast) alle Normalbürger, auch die Deutsche werden bald erfahren, dass es kein Gewinner gibt, der Lebensstandard wird sinken, egal, ob Griechenland und Co. mit dem Sparen schafft oder nicht, und alle Länder bekommen ihre alte Währung zurück.

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