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Aktien: Ein großartiges Jahr für Milliardäre

Größter Gewinner unter den 100 Superreichen ist Amancio Ortega. Der Gründer der Textilkette Inditex profitierte vom Höhenflug seiner Aktie. Doch an die beiden Reichsten kommen weder er noch Starinvestor Buffett heran.

Amancio Ortega: Der reichste Europäer kommt ausgerechnet aus Spanien. Während sein Land im Schuldensumpf zu versinken droht, konnte Amancio Ortega sein Vermögen im letzten Jahr deutlich steigern und Warren Buffett vom Treppchen unter den reichsten Menschen schubsen. Seine Haupteinnahmequelle ist das Unternehmen Inditex – das größte Textilunternehmen der Welt. Quelle: Reuters
Amancio Ortega: Der reichste Europäer kommt ausgerechnet aus Spanien. Während sein Land im Schuldensumpf zu versinken droht, konnte Amancio Ortega sein Vermögen im letzten Jahr deutlich steigern und Warren Buffett vom Treppchen unter den reichsten Menschen schubsen. Seine Haupteinnahmequelle ist das Unternehmen Inditex – das größte Textilunternehmen der Welt. Quelle: Reuters

New YorkDas Vermögen der 100 reichsten Milliardäre der Welt ist im Verlauf des Jahres 2012 weiter deutlich gewachsen. Insgesamt stieg deren Vermögen um 241 Milliarden Dollar. Das ergibt der täglich ermittelte Bloomberg Billionaires Index.

Zum Handelsschluss der Finanzmärkte am 31. Dezember betrug das Vermögen der 100 Superreichen 1.900 Milliarden Dollar. Von den 100 Milliardären, die auf der Liste zum Jahresende auftauchen, mussten nur 16 einen Rückgang hinnehmen. Ihr Vermögen schrumpfte 2012 auf Jahresbasis gegen den Trend.

Milliardäre: Wer ist Inditex-Gründer Armancio Ortega?

  • Drittreichster Mann

    Bloomberg schätzt das Vermögen von Armancio Ortega, dem Gründer der spanischen Modekette Inditex, Ende 2012 auf 57,5 Milliarden Dollar. Er ist damit drittreichster Mann der Welt und hat sogar den Anlageguru Warren Buffett überholt.

  • Aufstieg

    Ortega ist vom Laufburschen zum drittreichsten Mann der Welt aufgestiegen. Mit seinem Mehrheitsanteil an Inditex verdiente Ortega laut Bloomberg zuletzt mehr Geld als Warren Buffett mit seinen Investments.

  • Seine Aktie

    Die Inditex-Aktie hat 2012 rund 66 Prozent und 2011 rund 17 Prozent zugelegt. Damit ist die Aktie der Star des spanischen Börsenbarometers Ibex 35.

  • Seine Marken

    Der nach Umsatz weltgrößte Textileinzelhändler ist in Deutschland vor allem durch die Marken Zara oder Massimo Duti bekannt. Der Mix aus marktnaher Produktion - je zur Hälfte in Europa und Asien - erhöht die Liefergeschwindigkeit und lässt Inditex weniger unter Wechselkurs- oder Kostenschwankungen leiden als Konkurrenten.

  • Erfolgsrezept

    Das System von Inditex ist darauf ausgerichtet, extrem schnell und flexibel auf veränderte Kundenwünsche und Modetrends zu reagieren. Mittlerweile ist der Konzern in rund 5.700 Läden und 85 Ländern aktiv.

  • Wachstumstreiber

    Wachstumstreiber ist derzeit vor allem das Onlinegeschäft. Inditex startete im September 2010 mit Onlineverkäufen in Europa, ein Jahr später in den USA und vor zwei Monaten schließlich in China. "In den USA, in China, Japan und Deutschland befinden sich zusammengenommen weniger als zehn Prozent der gesamten Inditex-Läden, obwohl es sich um Märkte handelt, die wohl rund die Hälfte des globalen Modemarktes ausmachen", meinen die Analysten von UBS.

  • Krisenfest

    Selbst während der jüngsten Wirtschaftskrise steigerte Inditex seine Gewinne kontinuierlich und expandierte vor allem in den wachstumsstarken asiatischen und osteuropäischen Märkten. Ortegas Erfolgsgeheimnis liegt im System der vertikalen Integration: Inditex ist in allen Phasen des Geschäfts vom Design über die Herstellung und den Verkauf beteiligt.

  • Analystenlob

    "Inditex hat in Spanien sowohl die Verkäufe der Einzelhandelsbranche sowie die allgemeine Konsumentwicklung übertroffen", loben die Analysten der UBS mit Blick auf 2012.

  • Start

    Der Textilhändler startete vor fast 40 Jahren, als Ortega in der Straße Juan Flórez in der galizischen Hauptstadt A Coruña den ersten Zara-Laden eröffnete.

  • Börsengang

    Im Jahr 2001 brachte Ortega zunächst ein Viertel der Anteile an die Börse. Seitdem explodierte der Aktienwert.

  • Rückzug

    Seit 2011 zieht sich Ortega stärker aus der Führung zurück. Von einer Trennung kann aber keine Rede sein: Amancio Ortega besitzt 60 Prozent der Anteile und hat daher im Verwaltungsrat ein gewichtiges Wort mitzureden.

“Es war ein großartiges Jahr für die Milliardäre der Welt”, stellte Milliardär John Catsimatidis von der Red Apple Group Inc. laut einer E-Mail von den Bahamas fest, “und 2013 wird es weiter um Investmentchancen rund um den Globus gehen, und nicht zwangsläufig in den USA.”

Größter Gewinner unter den 100 Reichsten war Amancio Ortega, der Gründer der spanischen Textilkette Inditex SA. Das Vermögen des 76 Jahre alten Tycoons nahm um 22,2 Mrd. Dollar auf 57,5 Mrd. Dollar zu, wie aus den Angaben hervor ging. Die Aktien von Inditex legten 2012 um 66,7 Prozent zu.

Milliardäre im Bild Die reichsten Menschen des Planeten

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Es handele sich um ein außergewöhnliches Unternehmen, das sich sehr gut entwickele. Der Aktienkurs sei angesichts dessen durchaus gerechtfertigt, sagte Analyst Christodoulos Chaviaras von der Barclays Plc in London, der die Aktie seit rund einem Jahr als “Equal Weight” einstuft. Es bleibe nun die Frage, ob eine solche Leistung zu wiederholen sei. “Es wird jedenfalls schwerer werden”, sagte er, “denn viele der positiven Nachrichten sind bereits in den Kurs eingeflossen”.

Weltweit sind die Aktienkurse im abgelaufenen Jahr gestiegen. So gewann der globale MSCI World Index 13,2 Prozent und beendete das Jahr bei 1338,50 Punkten. Der US-Index Standard & Poor's 500 gewann 13,4 Prozent und schloss mit 1426,19 Punkten.

Forbes-Liste der Fantasie-Milliardäre

  • Top 5

    Platz 5: Tony Stark

    Als „Iron Man“ gehört der geniale Erfinder Tony Stark zu den cleversten der Verteidigungsbranche. James Bond wäre dankbar für einen wie ihn. Er entwirft locker nebenbei supergefährliche Waffen und Fahrzeuge, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Das Resultat: Rund 9,3 Milliarden Dollar auf der Bank.

  • Top 4

    Platz 4: Jed Clampett

    Während der Jagd verfehlt Hinterwälder Jed Clampett einen Hasen - findet jedoch eine Ölquelle auf seinem Grundstück. Ab sofort ist der schlichte, aber gutmütige Charakter ein reicher Mann. Er zieht mit seiner Familie nach Beverly Hills. Anfangs für einen Bettler gehalten umgarnen die schönen und reichen Clampett bald wegen seines Geldes. 9,8 Milliarden Dollar besitzt der Mann aus „The Beverly Hillbillies“.

  • Top 3

    3. Platz: Carlisle Cullen

    Okay, wenn jemand fast 400 Jahre Lebenszeit zur Verfügung hat, gibt es genügend Möglichkeiten ein Vermögen von mehr als 36 Milliarden Dollar anzuhäufen. Cullen ist Vampir in der „Twilight“-Saga und hat als bescheidener Arzt begonnen. Unglücklicherweise wurde er gebissen. Und so wurde aus ihm ein unsterblicher Investor mit entsprechend großem Erfolg.

  • Top 2

    Platz 2: Mac Moneysac (Flintheart Glomgold)

    Lange Zeit war Dagobert Duck die reichste Ente der Welt - bis er in einem Rennen um die Welt gegen seinen Erzfeind verlor und sein geliebtes Schwimmbad voll mit Geld in den Besitz von Mac Moneysac übergeht. Auch wenn Dagobert seinem Kontrahenten vorwirft, geschummelt zu haben, hat Moneysac die ewige Nummer zwei erreicht und ist nun mit 51,9 Milliarden Dollar die reichste Ente der Welt - zumindest bis Dagobert zurückschlägt.

  • Top 1

    1. Platz: Smaug

    Ehrliches Geldverdienen lohnt sich nicht. Das scheint auch das Fantasiewesen Smaug begriffen zu haben. Der Drache aus J. R. Tolkiens „Der kleine Hobbit“ machte sein schier unendliches Vermögen mit einem brutalen Raubzug gegen die ihm völlig unterlegenen Zwerge. Gleichzeitig lässt sich am Beispiel von Smaug erkennen, dass Reichtum allein niemals glücklich macht. Einsam und voller Angst vor Verlust beschützt der Drache seinen Schatz – und muss am Ende doch sterben. Mit einem Vermögen von 62 Milliarden Dollar ist Smaug allerdings noch reicher als Bill Gates.

In Europa erwies sich insbesondere die zweite Jahreshälfte als gute Börsenzeit. Seit dem 4. Juni ist der Stoxx Europe 600 um 19,6 Prozent gestiegen. Der Index leitete den Aufschwung ein nach der Ankündigung unbegrenzter Bondkäufe durch die EZB. Aber auch auf Jahressicht 2012 war das Plus von 14,4 Prozent das stärkste Wachstumsjahr seit 2009.

Wie der reichste Mann der Welt sein Vermögen mehrte

Telekommagnat Carlos Slim, der den mexikanischen Konzern America Movil SAB kontrolliert, blieb über den Verlauf des ganzen Jahres die reichste Person der Welt. Der 72-jährige vergrößerte sein Vermögen um 13,4 Milliarden Dollar oder 21,6 Prozent. Er ist damit in absoluter Summe der zweitstärkste Gewinner des Jahres.

Milliardäre: Wer ist Carlos Slim?

  • Reichster Mann

    Forbes taxiert sein Vermögen auf 69 Milliarden Dollar, Bloomberg schätzt es Ende 2012 auf 75 Milliarden Dollar.

  • Lebensstil

    Slim gilt nicht als extravagant. Er trägt Anzüge von der Stange, am liebsten aus seinen Kaufhäusern. Er soll nicht mal einen Computer haben. Lieber schreibt er in schwarze Notizbücher.

  • Grundsätze

    Zwei Grundsätze hat er von seinem Vater übernommen: "Geld, das das Unternehmen verlässt, verdunstet." Und: „Die Familie ist das Wichtigste.“

  • Holding

    Seine Holding nennt er auch "Carso". Das Wort ist gebildet aus den ersten Silben seines Vornamens und des Vornamens seiner verstorbenen Frau Soumaya. An die Spitze seiner Firmen setzt er am liebsten Verwandte oder Libanesen.

  • Investor

    Sein Geld steckt er am liebsten in Firmen, die er günstig erwirbt, aufmöbelt und sie dann in florierende Unternehmen verwandelt. "Er hat einen unvergleichlichen Riecher für Geschäfte und Schnäppchen", sagt Rogelio Ramirez de la O, Chef der Investmentberatungsgesellschaft Ecanal.

  • Fußballfan

    Über seine Holding "Carso" erwarb er 35 Prozent der Anteile am nordspanischen Fußballklub Real Oviedo und rettete den Traditionsverein damit vor dem Konkurs. Zwei Millionen Dollar ließ sich Slim die Kapitalspritze kosten. Er wolle den Klub von seinen "besonderen und schwierigen" Problemen befreien, ließ Slim erklären.

  • Wurzeln

    Der 72 Jahre alte Unternehmer hat libanesische Wurzeln.

  • Aufstieg

    Seit den neunziger Jahren hat er ein Firmenimperium aufgebaut, das auf einem Fernmeldemonopol fußt. Es gibt heute kaum eine Branche der mexikanischen Wirtschaft, in der er nicht Aktien hätte.

  • Geldmeister

    Die Mexikaner schlafen in Betten aus Slim-Kaufhäusern. Für das Internet nutzen sie seinen Provider. Sie gehen in den Restaurants seiner Ketten essen. CDs, Konzertkarten, Billigflieger, Krankenhäuser - immer verdient Slim. Selbst das Geld dafür kommt oft aus seinen Geldautomaten. Carlos Slim baut Häuser und Autobahnen, er schürft nach Silber und Kupfer. Er ist der Geldmeister von Mexiko. Ihm gehören große Teile des Landes.

Dabei konnten die Gewinne aus seinen Industrie- und Finanzunternehmen wie Grupo Carso SAB und Grupo Financiero Inbursa die Verluste bei America Movil mehr als ausgleichen. Der Aktienkurs des bei der Kundenzahl größten Mobilfunkbetreibers in Amerika sank um 5,8 Prozent auf 14,9 Peso.
Der US-Softwaremogul Bill Gates bleibt hinter Slim die zweitreichste Person. Der Abstand beträgt 12,5 Milliarden Dollar. Microsoft-Aktien waren lediglich 2,9 Prozent gestiegen, sie tragen aber auch nur zu 20 Prozent zum Vermögen ihres Gründers bei.

Bill Gates in Berlin Ein spendabler Milliardär zum Anfassen

Mit Viren kennt sich Bill Gates aus: Als Microsoft-Chef musste der Milliardär stets dafür sorgen, seine Software vor Virenangriffen zu schützen. Seit seinem Rückzug aus der Unternehmensleitung setzt der Unternehmer sein Vermögen zur Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten in der ganzen Welt ein. Hierfür hat Gates über 30 Milliarden Dollar in die Bill & Melinda Gates Stiftung gesteckt. Bei seinem Besuch in Berlin forderte Gates von Deutschland, die Entwicklungszusammenarbeit weiter auszubauen.

Bild: Reuters

Der mittlerweile 82 Jahre alte Warren Buffett hat seinen Titel als drittreichster Mann am 6. August an Ortega abgegeben. Der Chairman der Investmentholding Berkshire Hathaway machte im Jahresverlauf 5,1 Milliarden Dollar - obwohl er 22,3 Millionen Klasse-B-Aktien für einen guten Zweck im Juli spendierte.
Zugleich setzt sich Buffett für höhere Steuern für Hochverdiener ein. Bei Einkommen über einer Million Dollar solle die Mindestbesteuerung 30 Prozent betragen und ab zehn Millionen 35 Prozent, forderte er im November im Gespräch mit Charlie Rose bei Bloomberg. Die Besteuerung soll progressiv erfolgen. “Wenn jemand 15 oder 20 Millionen oder auch 200 Millionen verdient, und nur zehn Prozent Steuern bezahlt, dann sollte etwas getan werden”, sagte er.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

  • Aktien im Depot

    Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, weist zum Ende des Jahres 2013 einen Aktienbesitz im Marktwert von 117 Milliarden Dollar aus. Gekauft wurden die Papiere für 56,58 Milliarden Dollar. 15 Positionen weist Buffett einzeln aus. Diese Aktien kommen insgesamt Ende 2013 auf einen Börsenwert von knapp 100 Milliarden Dollar.

    Stand: 31.12.2013, Quelle: Aktionärsbrief von Warren Buffett, 1. März 2014

  • Coca Cola

    Anzahl der Aktien: 400 Millionen

    Beteiligung: 9,1 Prozent

    Marktwert: 16,5 Milliarden Dollar

  • Wells Fargo

    Anzahl der Aktien: 483 Millionen

    Beteiligung: 9,2 Prozent

    Marktwert: 21,95 Milliarden Dollar

  • International Business Mach

    Anzahl der Aktien: 68,1 Millionen

    Beteiligung: 6,3 Prozent

    Marktwert: 12,8 Milliarden Dollar

  • American Express

    Anzahl der Aktien: 151,6 Millionen

    Beteiligung: 14,2 Prozent

    Marktwert: 13,76 Milliarden Dollar

  • Procter & Gamble

    Anzahl der Aktien: 52,5 Millionen

    Beteiligung: 1,9 Prozent

    Marktwert: 4,27 Milliarden Dollar

  • Wal Mart

    Anzahl der Aktien: 56,8 Millionen

    Beteiligung: 1,8 Prozent

    Marktwert: 4,47 Milliarden Dollar

  • US Bancorp

    Anzahl der Aktien: 96,1 Millionen

    Beteiligung: 5,3 Prozent

    Marktwert: 3,9 Milliarden Dollar

  • Directv

    Anzahl der Aktien: 22,2 Millionen

    Beteiligung: 4,2 Prozent

    Marktwert: 1,5 Milliarden Dollar

Fünftreichster Milliardär ist laut der Bloomberg-Liste der IKEA-Gründer Ingvar Kamprad mit einem Vermögen von 42,9 Milliarden Dollar. Im Jahre 2012 wuchs sein Vermögen um 16,6 Milliarden Dollar.

Wachwechsel in Brasilien

Der Brasilianer Eike Batista war in diesem Jahr der größte Verlierer unter den globalen Top-Verdienern und verlor 10,1 Milliarden Dollar. Er fiel mit 12,4 Milliarden Dollar auf den 75. Platz zurück und muss damit einen Rückschlag hinnehmen. Noch vor einem Jahr hatte er angekündigt, bis 2015 die Spitzenposition anzustreben.

Was Sie noch nicht über Ikea wussten

  • Ein Manager packt aus

    Ikea: ein Erfolgsmodell, kinderfreundlich, emanzipiert, weltoffen und umweltbewusst. Johan Stenebo kratzte an diesem Bild. Da war von Intrigen, Bespitzelung, Rassismus im Konzern die Rede. Und Stenebo, ausgebildeter Betriebswirt, musste wissen, wovon er spricht. 20 Jahre lang hat er es immerhin bei Ikea gearbeitet. Einem Unternehmen, das er immer noch liebt; von dem er aber auch sagt, dass es auf Lügen aufgebaut ist.

  • Das Enthüllungsbuch

    Im November 2009 hat dieses Buch für großes Aufsehen gesorgt, nicht nur in Schweden. Johan Stenebo hat 20 Jahre für Ikea gearbeitet - und jetzt packt er aus. Das Buch ist mittlerweile auch auf Deutsch erschienen. Stenebo arbeitete sich hoch bis ins Top-Management von Ikea und wurde sogar persönlicher Assistent von Ikea-Gründer Ingmar Kamprad. Anfang 2009 verließ Stenebo das Unternehmen und begann, sein Enthüllungsbuch zu schreiben.

    Stenebo gab zu, dass er sich mit Peter Kamprad, dem als Kronprinzen gehandelten Sohn des Ikea-Gründers, überworfen habe. Außerdem sei das Buch doch gar keine Abrechnung: „Viele, die mein Buch gelesen haben, empfinden es als Liebeserklärung“, sagte Stenebo vor kurzem.

    Bibliographie Johan Stenebo, Die Wahrheit über Ikea Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2010, 286 Seiten

  • Der „Sektenführer“

    Und darin wird deutlich, dass das Image von Ingmar Kamprad nicht so ganz der Wahrheit entspricht. Doch viele der Anekdoten über ihn seien laut Stenebo frei erfunden. Dass er ein extrem bescheidener Mensch sei mit einem 30 Jahre alten Sofa. Dieser Geiz werde zwar ausgeschlachtet und übertrieben dargestellt, im Kern aber durchaus richtig. In Wirklichkeit führe Kamprad Ikea „wie eine Sekte“. Das Unternehmen sei nicht ohne Grund eines der „verschlossensten der Welt“.

  • Stasi-Methoden

    Bei Ikea würden „Stasi-Methoden“ gelten, schreibt Stenebo, worunter die Mitarbeiter enorm leiden. Sie würden bespitzelt, Frauen diskriminiert. Ausländer seien als „Neger“ beschimpft worden und hätten deutlich weniger Chancen gehabt, Karriere zu machen, als Schweden aus der nahen Umgebung.

  • Kinderarbeit

    Stenebo geht noch weiter: Ikea würde es mit dem Umweltschutz nur vordergründig Ernst meinen. Bei Lieferanten gehe es zu sehr um den Preis, eine intensive Prüfung der Produktionsmethoden gebe es allzu oft nicht. Die „Barnslig“-Teppiche sollen von pakistanischen Kindern geknüpft werden. Der Konzern selbst spricht bei all dem von den „Ansichten einer Privatperson“, auf die man nicht eingehen wolle. Für Stenebo hat es sich jedenfalls gelohnt. Er gibt inzwischen Seminare in Unternehmensführung und hält Vorträge.

  • Alkohol

    Kamprad wird immer wieder Alkoholsucht nachgesagt: Er soll laut Stenebo „regelmäßig geradezu geplante Perioden ohne Alkoholkonsum“ gehabt haben, sich dazwischen aber „sinnlos betrunken“ haben. Allerdings sei das sehr viel weniger aufgefallen, als man gerüchteweise hört. Der Autor selbst habe Kamprad „nie trinken sehen“. Auch Kamprads Entscheidungen seien nie vom Alkohol beeinflusst gewesen. Auch in einer anderen Hinsicht verteidigt Stenebo seinen Ex-Chef: „Neonazistische Sympathien“ habe Kamprad nicht, er sei „absolut kein Antisemit“. Andere Autoren behaupten dies immer wieder.

  • Sturheit

    Ein Beispiel für die Sturheit des Unternehmensgründers sei der Entscheidungsprozess gewesen, einen ein Homeshopping-Konzept einzuführen oder nicht. Viele Ikea-Manager hatten große Pläne, hohe Summen wurden für Vorstudien ausgegeben. Grundsätzlich gab es stets ein großes Vertrauen in die Entscheidungen Kamprads, schließlich hatte er meistens Recht behalten. Doch in diesem Fall wäre kein Manager seiner Auffassung gewesen, wie Stenebo schreibt. Und die aktuellen Zuwachsraten des Internethandels hätten schließlich auch bestätigt, dass es eine falsche Entscheidung war.

  • Erfolgsgeheimnis

    Doch warum ist Ikea wirklich so erfolgreich? Die Lektüre von Stenebos Buch lohnt sich, auch um diese Frage zu beantworten. Denn zwischen den Zeilen schwingt große Begeisterung mit, wenn er von den drei wesentlichen Erfolgsgeheimnissen spricht. Und „Geheimnis“ darf man in diesem Fall wörtlich nehmen, denn bisher waren viele dieser Punkte so detailliert nicht bekannt...

  • Wertschöpfungskette

    Das erste der drei Top-Geheimnisse ist die Wertschöpfungskette Ikeas. Stenebo beschreibt die im Detail. Vereinfacht gesagt schaffen es die Schweden, billiger und besser als die Konkurrenz zu sein, in dem sie vor allem den Rohstoff preisgünstig bekommen: Hunderttausende Hektar Holz schlägt Ikea Jahr für Jahr, doch trotz der massiven Rodungen ist das Konzept nachhaltig. Mit großem Geschick sicherte sich das Unternehmen rechtzeitig ausreichend Waldareale, um langfristig die steigende Nachfrage decken zu können. Dazu kam ein Konzept von Sägewerken und der dahintersteckenden Logistik. Ikea arbeitet sehr eng mit der Swedwood AB zusammen. Die gegenseitige Abhängigkeit schweißt die beiden Firmen zusammen.

  • Lieferanten

    1400 Firmen beliefern Ikea derzeit in über 70 Ländern: eine weltweit einzigartige Maschinerie, die sich um die sogenannte Preis-Mengen-Spirale dreht: „Beginne bei einem Lieferanten mit einem guten Volumen und drücke die angebotenen Preise für das Versprechen, ihm ein paar Jahre treu zu bleiben“, schreibt Stenebo. Jahr für Jahr würde dann die Menge erhöht, natürlich gegen üppige Preissenkungen. Die Spirale dreht sich, dank des Einkaufsgeschicks der Ikea-Manager. Auf lange Sicht schrumpfte die Zahl der Ikea-Lieferanten auf 1400 zusammen; zwischenzeitlich waren es mal sehr viel mehr.

  • China

    Nicht funktioniert hat dieses Konzept in China, zumindest nicht im Inland. Jahrelang habe sich Ikea auf Filialen in den Küstenregionen beschränkt. Nachteilig war für Ikea, dass Europäer die Einkaufsbüros geführt haben. Die Umzüge der Familien war teuer, so Stenebo. Zudem hat ein gewisser Anteil Einheimischer große Vorteile. Es gelang Ikea praktisch nicht, die richtigen Kooperationspartner in China zu finden. Ähnlich ist es auch Russland.

  • Sparen, wo es geht

    Die Arbeit der Entwickler beginnt stets mit der Idee für das Produkt, beispielsweise ein Coachtisch. Natürlich soll er billig sein. Die Entwickler müssen also preiswertes Material verwenden wie Kiefer oder Fichte. Zudem müssen sie an Material sparen, wo es geht, man es aber nicht sieht. Jetzt kommen Designer ins Spiel, denn einen fadenscheinigen Tisch will ja auch niemand. Parallel gibt es intensive Gespräche mit den Lieferanten. Das Schema ist bei Ikea stets dasselbe und endet beim Produktrat. Ingvar Kamprad hat dann das letzte Wort, auch beim Namen des Produkts, der eine große Rolle spielt.

  • Designklau?

    Die Kehrweite der Medaille: Ikea steht in dem Verdacht, beim Design sich allzu sehr von Konkurrenten inspirieren zu lassen. Stenebo schreibt dazu: „Während der 70er- und 80er-Jahre klaute das Unternehmen ungeniert.“ Dann aber bildete sich ein „schlechtes Gewissen“ und Ikea gab mehr Geld für gute Designer aus. Heute würde nur noch wenig gestohlen; zumindest nicht mehr, als in der Branche üblich ist.

  • Impulsware

    Ikeas Herzstück sind aber zweifelsohne die großen Einrichtungshäuser. Jedes hat vier Teile: Möbelausstellung, Markthalle, Kassenbereich und das Lager. Stenebo beschreibt das clevere System folgendermaßen: „Dass Ikea den Kunden an der Nase fasst und ihn bewusst so durch das Einrichtungshaus führt, dass er möglichst viel kauft.“ Die großen gelben Taschen bieten viel Platz für kleine, spontane Käufe. Diese „Impulsware“ geschickt zu positionen, ist bei Ikea eine Wissenschaft für sich.

  • Lager

    Volle Lager kosten Geld. Deshalb gibt es bei Ikea nur eine Periode im Jahr, in der es äußerst wichtig ist, dass alle Lager voll sind, nämlich den Herbst. Denn im August kommt der große Katalog heraus. Ikea verkauft 40 Prozent des Jahresvolumens von September bis Dezember. Wenn in dieser Phase die gefragtesten Produkte nicht auf Lager sind, ist das höchst ärgerlich für den Konzern.

  • Kartelle

    Ein Beispiel für preiswerte Produkte sind Energiesparlampen in der 90er-Jahren: Kartellbindungen hatten den Preis für eine Lampe auf 200 bis 250 Schwedische Kronen festgelegt. Eine gewöhnliche Glühbirne kostete damals fünf Kronen. Kamprad wollte aber, dass Ikea dennoch Energiesparlampen verkauft, um umweltfreundlich dazustehen. Also ließ er chinesische Lieferanten suchen, die das Patent umgehen konnten. Ikea verkaufte die Lampen zum Selbstkostenpreis. Das Ziel war nicht, etwas an ihnen zu verdienen, sondern das Image aufzupolieren. Ikea verlangte 20 Kronen, der Markt brach praktisch zusammen.

  • Schwenglisch

    Besonders ist bei Ikea die Sprache, eine Art „Schwenglisch“. „Diese Art des Pidgin Englisch ist der Standard für jeden, der Karriere bei Ikea machen will“, schreibt Stenebo. Damit ist eine stark vereinfachte Version des Englischen gemeint, mit einem geringen Vokabular. Der Zweck ist eine pragmatische Kommunikation im Alltag. Diese Sprache mag effektiv sein, hatte aber in England und den USA viele Nachteile.

Auch den Titel als reichster Brasilianer musste er abgeben, und zwar an den 73 Jahre alten Bankier Jorge Paulo Lemann. Dieser belegt mit seinem Vermögen von 18,8 Milliarden Dollar den weltweit 37. Platz in der Rangliste der 100 Topreichen.

Zweitreichste Person aus Brasilien ist laut dem Bloomberg-Ranking Dirce Camargo, die Matriarchin hinter dem Konzernkonglomerat Camargo Correa SA aus Sao Paulo. Die Gruppe ist tätig in der Zementherstellung und der Stromerzeugung und nicht zuletzt bei den Badeschuhen namens Havaianas. Ihr Vermögen beträgt 13,4 Milliarden Dollar.

Camargo ist eine von 54 Milliardären, die im Laufe des Jahres erstmals im Ranking von Bloomberg geführt werden.

Unter den anderen Neuzugängen findet sich auch Hamdi Ulukaya, der 40-jährige türkischstämmige Inhaber des Joghurtherstellers Chobani, der erfolgreichsten Joghurtmarke in den USA. Ebenfalls neu sind Nathan Kirsh aus Südafrika und Elaine Marshall, die mit ihrem 14,6 Prozent an Koch Industries die viertreichste Frau in Amerika ist. Ihr Vermögen beläuft sich auf 14,1 Milliarden Dollar.

Die Geschichte von Ikea

  • 1943 - Gründung

    Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

  • 1948 - Möbel im Sortiment

    Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

  • 1951 - Der erste Katalog

    Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

  • 1956 - Möbel zum Selbstbauen

    Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

  • 1958 - Das erste Einrichtungshaus

    Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

  • 1963 - Ikea expandiert ins Ausland

    Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

  • 1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

    Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

  • 1974 - Ikea kommt nach Deutschland

    Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

  • 1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

    Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

  • 1979/2 - Klippan feiert Premiere

    Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

  • 1984 - Ikea Family wird gegründet

    Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

  • 1985 - Ikea erreicht die USA

    Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

  • 1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

    Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

  • 1991 - Ikea nutzt die Wende

    Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

  • 1998 - Ikea expandiert nach China

    Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

  • 1999 - Anders löst Anders ab

    Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

  • 2000 - Ikea startet Online-hop

    Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

  • 2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

    Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

Der Bloomberg Billionaires Index stellt die reichsten Milliardäre der Welt auf Basis von Märkten und Wirtschaftsdaten dar und wird täglich um 17.30 Uhr New Yorker Zeit tagesaktuell ermittelt.