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Berauschte Börsianer: Keine Chance für koksende Aktienhändler

Die italienische Regierung will Aktienhändler künftig einem Drogentest unterziehen. Denn berauschte Händler hätten Mitschuld an Börsenturbulenzen. Beispiele zeigen: An der These könnte etwas dran sein.

Italienische Regierung will berauschten Aktienhändlern Einhalt gebieten. Quelle: dpa/picture alliance
Italienische Regierung will berauschten Aktienhändlern Einhalt gebieten. Quelle: dpa/picture alliance

DüsseldorfBetrunken kommt Steven P. von einem feucht-fröhlichen Abend nach Hause. Doch anstatt sich ins Bett zu legen, setzt sich der Händler an seinen Laptop. Ein verhängnisvoller Fehler. Steven P. arbeitet beim großen Londoner Ölbroker PVM und klinkt sich in dieser Nacht in den Terminmarkt ein. Er schließt eine Wette auf sieben Millionen Barrel Öl im Wert 520 Millionen Dollar ab. Innerhalb einer Stunde schießt der Ölpreis um 2,5 Dollar nach oben. Mit 73,5 Dollar erreicht der Preis ein Achtmonatshoch.

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Nach getaner Arbeit legt sich Steven P. erstmal aufs Ohr. Als er wieder aufwacht, ist sein Arbeitgeber knapp zehn Millionen Dollar ärmer. Der Fall hat sich wirklich so zugetragen, in der Nacht zum 30. Juni 2009.

Immer wieder sorgen berauschte Börsianer für Skandale. Deshalb fordert ein Mitarbeiter des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi nun einen Drogentest für Aktienhändler. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte Carlo Giovanardi, dass einige Italiener ihre Ersparnisse womöglich Menschen anvertraut hätten, die aufgrund von Drogenmissbrauch „nicht dazu in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen.“

Giovanardi ist für die Familien- und Drogenpräventionspolitik der italienischen Regierung zuständig. Der 60-Jährige sagte, US-Studien hätten nahe gelegt, dass auch für die jüngsten Unruhen am Aktienmarkt Leute verantwortlich sein könnten, „die den Bezug zur Realität“ verloren hätten, weil sie Drogen genommen hätten.

Börsenhandel

Aus der Luft gegriffen sind diese Vermutungen nicht. Auch der Öffentlichkeit ist längst bekannt, dass Berufsgruppen wie Aktienhändler und Investmentbanker anfällig sind für Drogenkonsum und Alkoholexzesse. Extrem lange Arbeitszeiten, Zeitdruck und die enorme Konkurrenz treiben viele an ihre Grenzen. Mit Kokain, Aufputschmitteln und Trinkgelangen versuchen sie den Anforderungen standzuhalten.

Sein ausgelassener Abend wurde auch Steven P. zum Verhängnis. Der Händler des Ölbroker PVM erhielt Berufsverbot und eine Geldstrafe in Höhe von 72.000 Pfund. Das beschloss die britische Finanzaufsicht, nachdem sie festgestellt hatte, dass der Händler „keine verlässliche Person sei“.

Der ehemalige Angestellte der Dresdner Kleinwort, Gerraint Anderson, erteilte sich selbst ein Berufsverbot, weil er aus dem Alltag der Investmentbanker aussteigen wollte. In seinem Buch „City Boy“ beschreibt er seinen ehemaligen Alltag. Die Geldbranche ist für den Autor eine Welt geprägt von Habgier, Drogen und Sex. Er beschreibt den Druck im täglichen Geschäft und die Ventile, über die er und seine Kollegen die Luft rauslassen konnten. Häufig hat Anderson selbst unter Drogeneinfluss Geld verzockt. Auch das gibt er in "City Boy" ohne Umschweife zu.

Diese Insiderkenntnisse bestätigen den italienischen Regierungsmitarbeiter Giovanardi. Er hat aber nicht nur Aktienhändler im Visier. Laut Bloomberg hatte er 2010 bereits freiwillige Drogentests für Parlamentarier gefordert.

  • 11.10.2011, 17:48 UhrAnonymer Benutzer: Hans-Peter

    Es gibt ja auch koksende Piloten/innen und Bundestagsabgeordnete.
    Machen wir bei denen dann auch einen Drogentest?

  • 11.10.2011, 17:01 UhrAnonymer Benutzer: HerrKaiser

    Vielleicht erinnert sich jemand an die Geschichte von einem ITALIENISCHEN Fernsehsender der alle Abgeordneten beim Schminken vor den Interviews heimlich auf Drogen getestet hat. Die Ergebnisse waren so überraschend, dass sie gleich geheimgehalten wurden.

    Fazit: Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.

  • 11.10.2011, 16:36 UhrAnonymer Benutzer: Schneemann

    Och Leute, nicht dass ihr jetzt denk, dass sich alle an der Börse regelmäßig mit Schnee abdichten... Die meisten Menschen mit Börsenzulassung machen das nicht, haben Kinder und Ehepartner und führen ein ziemlich solides Leben.

    Denen, die das aber machen sei gesagt, dass die ständigen Ausreden wegen des Stresses nerven. Andere haben auch voll den Stress und saugen sich nicht mit diesem Kinderkram voll.

    Im Übrigen sind Umsätze an der Börse volkswirtschaftlich neutral. Ob sich ein Händler verzockt, spielt allenfalls für den Arbeitgeber eine Rolle und sowas wird es immer in einigen sehr seltenen Fällen geben, ob mit oder ohne Schnee.

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