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BP-Aktie: Kaufen auf Teufel komm raus

Die Katastrophe im Golf von Mexiko ist auch für die Anleger von BP ein Desaster. Mehr als 50 Prozent hat die Aktie des Ölkonzerns seit Ausbruch der Ölpest verloren. Trotzdem trommeln Analysten unbeirrt zum Kauf von BP-Aktien, denn negative Urteile passen nicht ins System. Was hinter dem grenzenlosen Optimismus der Bankanalysten steckt.

Händler schauen auf die Kurse, während BP-Chef Tony Hayward spricht. Quelle: Reuters
Händler schauen auf die Kurse, während BP-Chef Tony Hayward spricht. Quelle: Reuters

DÜSSELDORF. "Sehr geehrte Privatinvestoren, in den vergangenen Tagen habe ich massiv BP-Aktien gekauft. Mein durchschnittlicher Einstiegskurs liegt nun bei 4,69 Euro. Der aktuelle Kurs liegt zwölf Prozent darunter. Dennoch schlafe ich ruhig. Weder meldet sich mein Gewissen, noch habe ich größere Angst, dass ich mein Geld nicht wieder sehe."

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Mit diesen Sätzen begann der Wormser Finanzprofessor Max Otte vergangene Woche eine Kolumne, die auf verschiedenen deutschen Internetportalen veröffentlicht wurde. Otte hat es als "Crashprophet" in den vergangenen Jahren zu einiger Prominenz gebracht. Er warnte schon frühzeitig - und gegen die herrschende Meinung - vor einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Sein Buch "Der Crash kommt" avancierte in der Finanzkrise zum Bestseller, in Talkshows ist er seither Stammgast.

Nun trommelt der umtriebige Professor zum Kauf von BP-Aktien - jenen Aktien, die seit dem 20. April, als im Golf von Mexiko die Ölplattform Deepwater Horizon explodierte, eine für einen Konzern dieser Größe einen fast beispiellosen Einbruch erlitten hat. Ende vergangener Woche war eine BP-Aktie an der Londoner Börse nur noch 304 britische Pence wert. Mitte April hatte der Kurs noch ein Jahreshoch bei 658 Pence markiert. Der Börsenwert von BP ist von mehr als 130 auf gut 57 Mrd. Pfund (etwa 69,5 Mrd. Euro) zusammengeschmolzen.

Wer glaubt, Otte vertrete mit seinem Optimismus angesichts dieser verheerenden Bilanz und drohender Schadensersatzpflichten in Milliardenhöhe auch diesmal eine Mindermeinung, irrt jedoch. Während dem britischen Ölkonzern die Wut aus Politik und Bevölkerung heftig ins Gesicht schlägt und Anleger in Scharen aus der Aktie fliehen, halten viele Finanzmarktprofis dem Unternehmen und Vorstandschef Tony Hayward die Treue.

Bis heute lesen sich die meisten Analystenberichte eher wohlwollend: BP sei ein starker Konzern mit mächtiger Finanzkraft, den auch immense Schadensersatzzahlungen nicht in Bedrängnis bringen könnten, heißt es immer wieder. Der rasante Kurssturz sei vor diesem Hintergrund übertrieben.

So argumentieren die Analysten aber jetzt bereits seit zwei Monaten. "Obwohl einige Analysten die BP Aktie derzeit vorsichtiger bewerten, ist es schon überraschend, dass andere sie während des Kurssturzes heraufgestuft und zum Kauf empfohlen haben", sagt Wolfgang Bessler, Finanzprofessor an der Universität Gießen. Er untersucht seit Jahren die Rolle von Analysten und die Qualität ihrer Arbeit.

  • 16.07.2010, 11:25 UhrAnonymer Benutzer: cride

    @bernhard St.
    Mir scheint es, dass Sie das buch "Der Crash kommt" nicht genau gelesen haben.
    Prof. Otte hat vor einer Krise gewarnt und verschiedene Szenarien dargestellt, wie der Verlauf dieser Krise sein kann. Unter anderem hat er dabei eine immobilienkrise kommend von den USA als Anstifter erörtert.
    Darüber hinaus hat er den Zusammenbruch von GM hervorgesagt (aber für schlimmer gehalten als es aufgrund von Staatshilfen letztendlich war) und einen Zusammenbruch des Euros vorhergesagt (so falsch lag er da auch nicht). Weiterhin hat er auch ein Deflationsszenario und Hyperinflationsszenario aufgezeigt.
    Nur ein relativ kleiner Teil des buches handelte davon, wie man sich finanziell am besten auf die Krise vorbereitet. Hierbei hat er vor allem Sachwerte empfohlen, auch konservative Aktien - soweit haben Sie recht. Aber diese Firmenanteile hat er nur mit vorbehalt dem Leser nahegelegt. Um ein Vielfaches mehr hat er Goldbarren und Goldmünzen empfohlen und hat damit relativ frühzeitig die Goldhausse erkannt.

    ich bin übrigens kein Anhänger von Otte, kenne ihn nur von seinem buch, welches ich im Sommer 2007, also dann als die immobilienblase ihre ersten Zeichen zeigten, gelesen habe. Er hatte in vielen Punkten rechtbehalten, u.U. kommen im Laufe der Zeit noch ein paar Punkte hinzu (ich persönlich schätze nicht mehr zu dieser Krise, bestimmt zur nächsten Größeren)
    bei vielen Punkte hatte Max Otte auch unrecht, aber dennoch ist die Voraussicht auf diese Krise und die Darstellung ihres Verlaufs im buch beachtenswert, womit er aus dem Pulk der Analysten hervorsticht.

    Und so wie es aussieht hat er auch bei bP recht. Habe ohne zu wissen, dass Otte oder sonstwer diese Aktien empfiehlt, auch Aktien von bP gezeichnet, die mir momentan sehr viel Spaß machen. im Falle von bP haben die Analysten ausnahmsweise wirklich richtig gelegen. Darauf verwette ich mein Vermögen.

  • 16.07.2010, 10:54 UhrAnonymer Benutzer: norbert

    Die Gier siegt mal wieder über die Vernunft. Statt bP für sein beschissenes Verhalten zu boykottieren, ist den Aktienkäufern alle Moral abhanden kekommen.
    Nur, wenn sie mit der gleichen Unmoral behandelt werden, dann ist das Geschrei groß.

  • 16.07.2010, 10:33 UhrAnonymer Benutzer: Shimon K.

    Der Grund warum sich die Analysen hier dennoch als belastbar herausstellen könnten, ist ein bislang noch nicht genannter: das Schicksal von british Petroleum ist ein transatlantisches Politikum. Die USA werden es sich genau überlegen, ihrem wichtigsten Europäischem Verbündeten den sicheren Zugang zu Öl und Gas zu nehmen, indem sie bP als einen Teil der Kronjuwelen durch Schadenersatzforderungen zugrunde gehen lassen. in zumindest zwei internationalen Konflikten sind die USA dringend auf die briten angewiesen. Realistisch ist aus meiner Sicht folgendes Szenario: der 20 bill.- Fund wird tatsächlich zur beseitigung der offensichtlichsten Schäden verwendet. Weitergehende Ansprüche werden in jahrelangen Verfahren vor den US-Courts versanden.

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