Allerdings schaut Buffett nicht nur auf die Zahlen, zumindest nicht mehr. Seine Strategie hat sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Waren es anfangs ausschließlich die Angaben in den Unternehmensbilanzen, die den Investor interessierten, prüft er mittlerweile genau, wer an der Spitze des Managements eines Unternehmens steht. Früher sagte Buffett, dass man sich Firmen suchen müsse, die jeder Idiot leiten könne. Denn genau das würde früher oder später passieren. Heute schaut er bei Unternehmen, die aus seiner Sicht interessant sind, genau darauf, dass eben kein Idiot das Sagen hat.
"Konzentrieren Sie Ihre Investments auf herausragende Unternehmen, die von einem starken Management geleitet werden."
"Beschränken Sie sich auf Unternehmen, die Sie wirklich verstehen können. Zehn bis 20 sind in Ordnung, ab 20 ist Ärger vorprogrammiert."
"Suchen Sie sich unter Ihren guten Unternehmen die besten aus und stecken Sie den größten Teil Ihrer Investments in diese."
Denken Sie langfristig: mindestens fünf bis zehn Jahre."
"Volatilität kommt vor. Bleiben Sie dran."
Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.
Ein Chef muss nicht nur fachlich perfekt sein, auch der Charakter muss stimmen. Man müsse ihn mögen, sagt Buffett. Der Investor aus Omaha stellt hohe Anforderungen. Das dürfte auch erklären, warum seit Jahren spekuliert wird, wer ihm nachfolgen wird, wenn der mittlerweile 81-Jährige sich irgendwann von der Spitze bei Berkshire Hathaway, seiner Investmentfirma, zurückzieht.
Natürlich sieht die Strategie in Wahrheit etwas komplizierter aus, als hier beschrieben. So leicht ist es nicht, das perfekte Unternehmen, die perfekte Aktie zu finden. Ein paar Kennzahlen kommen noch hinzu; und fast noch wichtiger: die Disziplin, die Regeln durchzuhalten, auch wenn es mal nicht so rund läuft. Geduld ist eine Tugend. „Kaufe Aktien günstig“, sagt Buffett – „und verkaufe nie.“
Wer wissen will, wie die Buffett’sche Anlagestrategie im Detail funktioniert, wird bei Hagstrom fündig. Als Beispiele dienen meist Buffetts Investments in Gillette, Coca-Cola und die Washington Post.
Schade ist, dass die Fallbeispiele etwas alt sind. Die meisten liegen mehr als zehn Jahre zurück. Es sind Standard-Beispiele, die in sämtlichen Büchern über Buffett beschrieben wurden. In einer vollständig überarbeiteten Ausgabe wäre sehr viel interessanter gewesen zu erfahren, wie Buffett sich in den letzten Jahren, der Zeit der großen Finanzkrise, positioniert hat. Sein Einstieg bei Goldman Sachs etwa. Oder bei der angeschlagenen Bank of America.
In den USA haben Kritiker dem Autor zudem vorgeworfen, er habe das Buch nur geschrieben, um sich interessant zu machen; sozusagen als Marketing-Maßnahme, damit die Leute in Hagstrom einen Schüler von Buffett sehen – und dem Portfoliomanager Robert G. Hagstrom bereitwillig Geld anvertrauen. Andere kritisieren, Hagstrom habe Buffett nie selbst getroffen, während er das Buch schrieb, stattdessen nur aus den Jahresberichten von Berkshire Hathaway zitiert. Die Vorwürfe muten kleinlich an – verglichen mit dem großen kommerziellen Erfolg, den das Buch in den USA hatte.
Unter dem Strich bleibt: Hagstrom hat Buffetts Anlagestrategie sehr systematisch zusammengefasst. Davon dürfen sich nun auch die deutschen Leser überzeugen – auch hierzulande hat der legendäre Investor jede Menge Fans.
Übrigens: Eines hat Buffett nicht ganz geschafft. Seine erste Million soll er erst Anfang der 1960er-Jahre gemacht haben, also kurz nach seinem 30. Geburtstag.
Zum Weiterlesen:
Robert G. Hagstrom
Warren Buffett. Sein Weg, seine Methode, seine Strategie
Börsenbuch Verlag, Kulmbach 2011
317 Seiten
Buffett hat selbst gesagt er wird mit 35 Millionär, nicht mit 30 wie hier beschrieben.
Nachzulesen ist dies in dem von Alice Schroeder verfassten Werk "Das Leben ist wie ein Schneeball". Alice Schroeder traf Buffett im Gegensatz zu Hagstrom persönlich und besprach solche Details mit ihm.
Geben Ihnen vollkommen recht. Die Zeiten des Herrn Buffet sind lange vorbei. Das sieht man am Aktienkurs seines Berkshire H., seit 10 Jahre nichts passiert außer einer hohen Schwankung.
Was nützt mir alles Wissen, wie es vor über 10 Jahren gültig war.
Wann imm man der Fratze des raffgierigen Kapitals eine Maske aufsetzen will bedient sich der Obama des Orakels of Omaha.





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