Anfang der 80er-Jahre begann der Autor seine Ausbildung bei der Vermögensverwaltung Legg Mason. Von Buffett hatte er noch nie gehört, doch das sollte sich schnell ändern. Sein Erweckungserlebnis hatte Hagstrom während der nächtlichen Lektüre eines Jahresberichts von Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, verfasst von Warren Buffett persönlich. „Als ich die Lektüre des Berichts (...) fortsetzte, begann sich die gesamte Welt der Geldanlage, die mir immer noch irgendwie mysteriös erschien, zu öffnen“, schreibt Hagstrom. „In jener Nacht enthüllte mir Warren Buffett in einem Offenbarungserlebnis die innere Natur der Geldanlage.“
Buffett war zu dem Zeitpunkt bereits eine Bekanntheit. Für Aufsehen hatte sein Einstieg bei der Washington Post gesorgt. In den 80er-Jahren sollte der vielleicht größter Coup folgen: die Beteiligung an der Coca Cola Company. Buffett gab dafür gut eine Milliarde Dollar aus. Heute sind die Anteile rund 14 Milliarden wert.
Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.
Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdientes Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.
Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.
Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.
Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre wärt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.
Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommens- wie auch der Kapitelertragssteuer.
Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.
Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.
Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren ein Profit von 20 Millionen Dollar ein.
Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re.
Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine Besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.
Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.
Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.
Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.
Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.
Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.
Die ersten Kapitel in Hagstroms Buch handeln davon, wie Buffett reich wurde, die nächsten davon, warum er reich wurde. Das ist der für Anleger spannende Teil.
Denn am Ende läuft doch alles auf die Frage hinaus: Kaufe ich eine Aktie oder lasse ich es bleiben? Wobei Buffett sagen würde, dass er keine Aktien kauft, sondern ein Unternehmen. Buffett sagt: „Es ist schlecht, wenn man abends zu Bett geht und dabei an den Preis einer Aktie denkt. Wir denken an den Wert und an die Ergebnisse von Unternehmen.“ Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied; er trennt den Spekulanten vom Anleger.
Buffett sucht immer nach dem inneren Wert von Unternehmen. Was eine Aktie an der Börse kostet, ist ihm erst einmal egal. Er schaut sich Unternehmen an, deren Geschäftsmodell er einschätzen kann. Wenn das Unternehmen beständige Erträge abliefert und dies aller Wahrscheinlichkeit in Zukunft so bleibt, dann lässt sich der wahre Wert einigermaßen zuverlässig hochrechnen.
Zunächst berechnet Buffett den gesamten Gewinn, der über die Lebensdauer eines Unternehmens wahrscheinlich anfallen wird und zinst diese Summe mit einem passenden Diskontierungssatz ab. Wichtig: Buffett nimmt für seine Berechnungen nicht den Gewinn her, den das Unternehmen als solchen ausweist, sondern das, was er „Owner Earnings“ nennt – den Netto-Cashflow, bereinigt um die Kapitalaufwendungen.
"Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demographischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten."
"An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus."
"Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen , treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen."
"Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden."
"Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene 'Konten' zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren."
Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.
Hat Buffett den Wert ermittelt, vergleicht er ihn mit dem Preis, den die Firma an der Börse kostet. Wäre die Börse restlos rational, dann dürfte es keinen Unterschied zwischen Wert und Preis geben. In Wahrheit gibt es sehr wohl einen – und Buffett ist damit reich geworden. Stellt der Investor fest, dass ein Unternehmen am Markt unter Wert gehandelt wird, dann greift er zu. Er hofft darauf, dass sich der Preis über die Jahre dem Wert annähert. Bei Buffett hat das oft genug funktioniert. „Der Preis ist das, was man bezahlt. Der Wert ist das, was man dafür bekommt“, sagt er.
Buffett hat selbst gesagt er wird mit 35 Millionär, nicht mit 30 wie hier beschrieben.
Nachzulesen ist dies in dem von Alice Schroeder verfassten Werk "Das Leben ist wie ein Schneeball". Alice Schroeder traf Buffett im Gegensatz zu Hagstrom persönlich und besprach solche Details mit ihm.
Geben Ihnen vollkommen recht. Die Zeiten des Herrn Buffet sind lange vorbei. Das sieht man am Aktienkurs seines Berkshire H., seit 10 Jahre nichts passiert außer einer hohen Schwankung.
Was nützt mir alles Wissen, wie es vor über 10 Jahren gültig war.
Wann imm man der Fratze des raffgierigen Kapitals eine Maske aufsetzen will bedient sich der Obama des Orakels of Omaha.





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