Börse Inside

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Comeback von Florian Homm: „Selbst ein reformierter Pitbull ist immer noch einer“

Er hat Borussia Dortmund gerettet, angeblich eine Kugel im Körper und wird seit fünf Jahren von der SEC gejagt: Florian Homm. Nun will der Ex-Finanzhai mit einem Buch beweisen, dass er geläutert ist.

Begehrter Gesprächspartner: Die Beteiligung am Fußballclub Borussia Dortmund sorgte für Publicity. Quelle: ap
Begehrter Gesprächspartner: Die Beteiligung am Fußballclub Borussia Dortmund sorgte für Publicity. Quelle: ap

DüsseldorfEin kalter Herbsttag im Jahr 2005. Ein mehr als zwei Meter großer Mann pflügt durch die Westfalenhalle Dortmund. Die Aktionäre der Borussia weichen zur Seite, die meisten von ihnen bodenständige Menschen, die gar nicht wissen, was ein Hedge-Fonds ist. Sie schauen im wahrsten Sinne des Wortes ehrfurchtsvoll zu ihm hoch – mit Betonung auf „Furcht“. Es ist der Tag, an dem Florian Homm deutschlandweit bekannt wird – als Retter des Traditionsvereins. Der Hedge-Fonds-Manager, Prototyp der Heuschrecke, der das Geld gibt, das die Schwarz-Gelben so dringend brauchen.

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Die Medienvertreter scharen sich um ihn wie die Motten um das Licht. Kaum jemand im Saal hat den Hünen vorher schon mal gesehen - sei es in real oder im Fernsehen. Bis heute zeigen die TV-Sender die Bilder dieses Tages, wenn sie über Homm berichten, weil es keine anderen gibt. Im Laufe der Hauptversammlung spricht Homm zu den Aktionären. Er sagt, er wolle dem BvB dienen, dem Club langfristig treu sein.

Homm: Die besten Zitate

  • Das Buch

    Florian Homm ist unter die Buchautoren gegangen. In seiner Autobiografie "Kopf Geld Jagd" rechnet er mit Feinden ab und erklärt, was er selbst falsch gemacht hat. Es erscheint im November.

    Bibliografie:
    Florian Homm
    Kopf Geld Jagd
    Finanzbuch Verlag, München 2012
    363 Seiten, 19,99 Euro

  • Ungewöhnlicher Einstieg

    Die Lektüre des Buches startet mit dem höchst ungewöhnlichen Hinweis: "Wichtiger Hinweis: Der Verlag und alle an diesem Buch beteiligten Personen wissen nicht, wo sich Florian Homm aufhält. Wir verfügen über keinerlei Adressen oder Telefonnummern noch kennen wir seinen Aufenthaltsort. Wir bitten deshalb, von Nachfragen an den Verlag abzusehen."

  • Die Widmung

    "Für meine Tochter Isabella und meinen Sohn Conrad."

  • Über die Ex-Frau

    "An erster Stelle möchte ich meiner Exfrau danken, die nicht nur meine Verrücktheit und Unbeständigkeit zwei Jahrzehnte lang ertrug, sondern auch unsere beiden Kinder fast im Alleingang großzog. Ihre Güte und Weisheit war eine Inspiration, ein positiveres und wahrhaftigeres Leben zu führen. Ich vergebe ihr das Jahr in der Scheidungshölle, in dem sie mich weitaus mehr terrorisierte als meine ärgsten Feinde in der Unternehmenswelt."

  • Über Journalisten

    "In verschiedenen Artikeln wurde ein monströs-eindimensionales Bild von mir geschaffen, und half dabei, eine weltweite Menschenjagd zu starten, die jedes Menschenrecht verletzte und den formalen Rechtsweg in Amerika und Europa behinderte. Liebe Journalisten, Eure Pfuschereien haben mich angeregt, die Sache richtigzustellen, was hoffentlich wiederum auch andere Kollegen veranlassen wird, ihrer investigativen Arbeit künftig professioneller nachzugehen. Ich habe für Sie gebetet. Ich hoffe aufrichtig, dass Sie Ihre boshafte Energie in Zukunft auf christlichere Weise kanalisieren können."

  • Über Homms Motive

    "Anders als manch andere Lebensgeschichte ist dieses Buch weder der Versuch einer Selbstrechtfertigung noch steht dahinter die Absicht, ein paar lumpige Dollars zu verdienen. Ich bin zwar ohne jeden Zweifel selbstbesessen,
    dennoch versuche ich, nicht den Selbstgerechten zu mimen. Insgesamt gebe ich zweifellos das Bild eines abgefeimten, habgierigen Spekulanten ab."

  • Über seine Vorbildfunktion

    "Es wird dringend davon abgeraten, irgendeine der in diesem Buch beschriebenen Handlungen nachzuahmen."

  • Über sein Vermögen

    "Das Manager Magazin hatte mein Nettovermögen auf rund eine halbe Milliarde Dollar beziffert. Damit lag es gar nicht so falsch. Ich besaß Schlösser, Paläste, Landgüter, Luxusapartments und reiste mit Privatjets, einer Jacht mit vier Schlafzimmern, einem Schnellboot, einem Rolls-Royce-Cabriolet und einem individuell ausgestatteten, aufgemotzten Mercedes-Cabriolet der S-Klasse. Ich besaß eine herausragende Gemäldesammlung alter Meister."

  • Über Feiern und Warmduscher

    "Im Jahr 2006 wurde ACMH im Rahmen des Hedge Fund Review European Awards mit der Auszeichnung »Best Hedge Fund Group« und »Best Fund« geehrt. Treu meinen Prinzipien nahm ich an dieser Festivität nicht teil – nur Warmduscher verschwenden wertvolle Zeit mit Feiern. Unternehmen fürchten mich. Ich hatte sogar die multiple Sklerose besiegt. Ich war ein Wolf unter Schafen."

  • Über seine größten Fehler

    "Ich hatte meine Seele erbärmlich verkommen lassen. Ich hatte mich dem Mammon unterworfen. Ich war primitiv und liebte das Vulgäre. Ich war geblendet von Reichtümern, Macht und egoistischen Vergnügungen. Ich spürte Gottes Verachtung. Ich wusste, dass ich vollkommen falsch handelte, und suchte unbewusst die Selbstzerstörung. Mein Autopilot steuerte auf den Hades zu. Ich war schwach und ließ mich treiben. Nichts konnte meine Abwärtsspirale aufhalten. Mein Schicksal war besiegelt."

  • Über Aktien-Leerverkäufe

    "Ich hatte mit dem Aktienleerverkauf und der Plünderung von Unternehmen viel Geld verdient. Man muss ziemlich unsensibel und aggressiv sein, um auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein."

  • Über Geld und Glück

    "Fast drei Jahrzehnte lang glaubte ich, Geld bedeute Glück. Begriffsstutzige Menschen wie ich müssen erst ihre Familie und ihr Vermögen verlieren, um zu begreifen, dass es keinerlei Verbindung zwischen Geld und Glück gibt."

  • Über seine Zukunft

    "Ich habe seit meiner Zeit als junger Erwachsener mehrere wohltätige Einrichtungen unterstützt und die Liberia Renaissance Foundation gegründet, die nicht nur effektiv ist, sondern unter meiner Führung auch eine sehr schlanke Organisation war. Ich habe zuvor ein multinationales Unternehmen geführt. Ich habe Entwicklungsökonomie in Harvard studiert und drei Jahrzehnte lang in Entwicklungsländer investiert. Ich weiß, wie man mit Ärzten, Pharmazeuten und Forschern zusammenarbeitet. Ich habe zahllose Fusionen und Partnerschaften strukturiert und abschließend begleitet.

    Ich bin keine eindimensionale Luxushure. Ich kann mich an extreme und widrige Bedingungen anpassen, mit Konflikten umgehen und Herausforderungen meistern.

  • Was gegen diese Zukunft sprechen könnte

    "Ich würde dieses Vorhaben wirklich gerne realisieren. Ich habe noch gut 25 produktive Jahre vor mir. Hoffentlich wird in naher Zukunft kein internationaler Haftbefehl gegen mich erlassen; hoffentlich bekomme ich keine Kugel in
    den Kopf, werde entführt oder verrotte in irgendeinem Gefängnis. Das würde die Entwicklung dieser karitativen Initiative schwer behindern. Auch sollte ich möglichst nicht in jahrelange Gerichtsverfahren verwickelt sein, die mich
    für Monate von der Arbeit abhalten."

Wenige Minuten nach seiner Rede zieht er sich mit zwei Getreuen zurück auf den Flur. Sie rauchen Zigarre, das Markenzeichen Homms. Dutzende Fotografen und Kamerateams haben nur darauf gewartet und sind nun dabei, wie sich der frühere Profi-Basketballer die Havanna genüsslich in den Mund steckt und die Rauchfahnen an die Decke der Westfalenhalle schweben. Als wäre es der Zauberer Gandalf persönlich, der vor ihnen steht.

Seit diesem Auftritt hat sich viel verändert – bei Borussia Dortmund und bei Florian Homm. Der Fußballclub ist zweimal Deutscher Meister geworden. Der in Oberursel geborene Ex-Börsenspekulant ist seit fünf Jahren auf der Flucht. Sein Stern sank 2007 so schnell, wie er am Finanzhimmel auftauchte. Seitdem fühlen sich Anleger von ihm verraten und nicht zuletzt die US-Börsenaufsicht SEC hat eine Reihe von Fragen an ihn. Vieles deutet darauf hin, dass Homm ein Betrüger ist, auch wenn er es abstreitet.

Florian Homm & Co. Was aus den Dotcom-Blendern wurde

  • Florian Homm & Co.: Was aus den Dotcom-Blendern wurde
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  • Florian Homm & Co.: Was aus den Dotcom-Blendern wurde
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In diesen Jahren entstand so manche Legende über Homm. Wie er in Venezuela bei einem Raubüberfall angeschossen wurde, weil er seine Geldbörse nicht herausrücken wollte. Nur knapp ist er mit dem Leben davon gekommen. Eine der beiden Kugeln, die ihn erwischten, steckt noch heute in seinem Körper. Sie steckt zu nah an der Aorta, um sie zu entfernen.

Diese Geschichte hat er selbst bestätigt, viele andere sind wohl erfunden. Das und so manch anderer Grund haben Homm dazu bewogen, sein Bild von ihm in der Öffentlichkeit geradezurücken und sich wie in der Westfalenhalle 2005 mal wieder groß von den Medien produzieren zu lassen. In diesen Tagen erscheint seine Autobiografie „Kopf Geld Jagd“. Es ist sicher kein Zufall, dass er gerade jetzt wieder mit Journalisten spricht. In fast allen großen Zeitungen erscheinen große Interviews mit ihm. Es ist eine Kampagne, die Homm und der Verlag kontrollieren wollen bis ins Letzte.

  • 10.11.2012, 09:59 Uhrsuperlex

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • 09.11.2012, 11:15 UhrNorbert

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • 08.11.2012, 14:33 Uhrblackstone

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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