
Es war der größte Crash der Nachkriegszeit, und es war der erste Computer-Crash überhaupt an der Börse: Der Schwarze Montag am 19. Oktober 1987. Heute vor 25 Jahren brach der Dow Jones um fast 23 Prozent ein – so viel wie noch nie in der mehr als 100-jährigen Geschichte des US-Aktienmarkts. Knapp ein Viertel der Marktkapitalisierung oder 500 Milliarden Dollar lösten sich in nur sechseinhalb Stunden in Luft auf.
Die Börsianer gerieten in Panik, manche wollten nur noch abhauen. „Die Menschen quollen buchstäblich aus dem Gebäude der Börse heraus. Sie strömten auf die Straße, stolperten übereinander. Männer weinten und sagten: ‚Es ist weg, alles ist weg‘“, sagt Mike Earlywine. Er erlebte den Schwarzen Montag in New York als junger Angestellter bei Salomon Brothers, heute ist er 47 Jahre alt und für einen Hedge-Fonds tätig.
Was sich anhört wie eine Anekdote aus dem Geschichtsbuch, ist mehr als das: Der Crash von 1987 ist ein mahnendes Lehrstück. Es zeigt, was passiert, wenn der Mensch nichts mehr zu melden hat und die Maschinen übernehmen. Bei der Aufarbeitung des Crashs von 1987 kam heraus, dass Computer den rasanten Absturz beschleunigt hatten.
Am 23. April 2013 meldete der Twitter-Account der US-Nachrichtenagentur eine Explosion im Weißen Haus. Die Meldung war jedoch falsch – Hacker hatten das Nutzerkonto übernommen. Dennoch brach die Börse innerhalb von Sekunden um mehr als ein Prozent ein. Möglicher Grund: Computer werteten die Meldung als wahr und lösten Verkaufssignale aus.
4. Oktober 2012: Die Nasdaq und mehrere andere Börsen haben nach einem ungewöhnlichen Kurssprung von Kraft Foods einen Teil des Handels mit der Aktie annulliert. Grund für den plötzlichen Anstieg der Papiere von 45,55 auf 58,54 Dollar war nach Angaben der US-Technologiebörse der Fehler eines Börsenmaklers. Nähere Angaben machte sie nicht. „Die Systeme von Nasdaq haben normal funktioniert und der Prozess der Industrie zum Umgang mit solchen Angelegenheiten verlief wie geplant“, hieß es in einer Erklärung.
Durch einen Fehler hatte die Knight-Software enorm viele Orders platziert, die heftige Kursschwankungen auslösten. Dem Treiben konnte erst nach einer Dreiviertelstunde ein Ende gesetzt werden. In dieser Zeit hatte sich bereits 440 Millionen Dollar Verlust angehäuft, die das US-Brokerhaus fast zum Zusammenbruch brachte.
Die Erfolgsstory von Facebook bekam an der Börse einen starken Dämpfer. Nach gravierenden Pannen im Handelssystem der Technologiebörse Nasdaq in New York stürzte der Kurs des Börsenneulings rapide in die Tiefe. Beteiligte Firmen erlitten Millionen-Verluste. Die Schweizer Großbank UBS, die 290 Millionen Euro verlor, drohte sogar mit einer Klage gegen die Börse.
Die Erstnotiz der drittgrößten US-Börse BATS Global Markets im März 2012 endete mit einem Totalschaden. Die neuen BATS-Aktien sackten innerhalb weniger Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent. Schuld daran war eine neue Software. BATS musste die falschen Transaktionen zurücknehmen - und nahm dabei die eigenen Aktien gleich mit von der Börse
Die Aktien der Citigroup fielen im Juni 2010 nach Massenverkäufen durch elektronische Handelssysteme zeitweise um 17 Prozent. Doch da die Börsenaufsicht SEC nach dem „Flash Crash“ bereits zuvor beschlossen hatte, Aktien aus dem Index S&P 500 vom Handel auszusetzen, falls diese innerhalb von fünf Minuten mehr als zehn Prozent steigen oder fallen, stoppte das Sicherungssystem den Kursrutsch. Der Handel stand fünf Minuten lang still. Am Ende des Tages lag die Citigroup-Aktie sieben Prozent im Minus.
Der „Flash Crash“ wurde im Mai 2010 durch den Hochfrequenzhandel ausgelöst: Durch einen blitzartigen Kurseinbruch löste sich innerhalb weniger Minuten fast eine Billion Dollar Marktwert in Luft auf. Einige Aktien verloren in der Zeit rund die Hälfte ihres Wertes. Der sogenannte Hochfrequenzhandel, bei dem tausende Transaktionen binnen Millisekunden durch Computer ausgelöst werden, stand schon vorher in der Kritik.
Morgan Stanley musste im Februar 2007 für den Fehler eines Händlers 300.000 Dollar Strafe an die Börse New York zahlen. Der Banker wollte einen Order über 100.000 Wertpapiere abgeben, übersah aber automatischen Multiplikator von 1000. Dementsprechend hatte seine Order einen Wert von 10,8 Milliarden Dollar statt der gewünschten 10,8 Millionen Dollar. Erst nachdem Aktien im Wert von 875,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hatten, wurde der Fehler bemerkt. Die Bank hat die Handelsvorschriften am Desk seitdem deutlich verschärft.
Ein äußerst ungewöhnliches Missgeschick passierte einem Händler der Bank of America im September 2006. Er wartete auf die Anordnung seines Vorgesetzten, um einen fertig vorbereiteten Deal über 50 Millionen Dollar abzuschließen. Es fehlte nur noch der Druck auf die Enter-Taste. Während er wartete, warf ein Trainee einen Football durch den Raum und traf die Tastatur, inklusive der Enter-Taste.
Ein Händler von Bear Stearns verzählte sich im Oktober 2002 beim Verkauf von Aktien bei den Nullen und handelte sie für vier Milliarden Dollar anstelle von vier Millionen. Bevor der Vertipper auffiel, gingen bereits Wertpapiere im Wert von 600 Millionen Dollar an neue Besitzer. Dadurch sank der Leitindex Dow Jones um 2,3 Prozent.
Im Dezember 2001 begleitete UBS Warburg den Verkauf neuer Aktien des japanischen Unternehmens Dentsu. Ein Händler vertippte sich und verkaufte statt 16 Dentsu-Aktien zu 600.000 Yen 610.000 Aktien zu je 6 Yen. Innerhalb kürzester Zeit verkaufte die USB dadurch 61.915 Aktien, was etwa der Hälfte des Emissionsvolumens entspricht. Die UBS verlor durch die Panne 100 Millionen Dollar, weil sie die Aktien zum Marktpreis zurückkaufen musste.
Ein Händler der Investmentbank Lehman Brothers verkaufte 2001 aus Versehen hundertmal mehr Aktien als er wollte. Darunter waren auch Schwergewichte wie AstraZeneca und BP. Der Banker vernichtete damit zeitweise 30 Milliarden Pfund an Börsenwert.
Ein Aktienhändler der UBS gab im Januar 1999 zu viele Nullen in seinen Rechner ein und handelte damit innerhalb von nur zwei Minuten zehn Millionen Aktien des Pharmakonzerns Roche, obwohl nur sieben Millionen Stück existierten. Das Handelsvolumen überstieg die Marktkapitalisierung von Roche um knapp die Hälfte.
Am 19. Oktober 1987 bricht der Dow Jones um fast 23 Prozent auf 1728 Punkte ein, der größte prozentuale Tagesverlust in der Geschichte des Index. Der seinerzeit beliebte Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - hat den Absturz noch verschlimmert.
Das Problem ist dasselbe, damals wie heute: Wenn die Anleger die Nerven verlieren, wenn alle gleichzeitig verkaufen wollen, und diese Dynamik durch Computer verstärkt wird, dann sind die Handelssysteme der Börsenbetreiber schnell überfordert. Angesichts des superschnellen Computerhandels, der die Börsen heutzutage beherrscht, ist die Frage nach der Beherrschbarkeit der Systeme aktueller denn je.
„Jeder versuchte zur selben Zeit durch denselben Ausgang zu kommen, aber die Tür war nicht groß genug“, sagt Buzzy Geduld über den Crash von 1987. Er hatte damals 60 Aktienhändler unter seiner Aufsicht. Heute, als Chef der Investmentfirma Cougar Trading, hält er die Börsen nicht für sicherer: „Die Volumina, die wir bewegen, sind gigantisch. Aber an der Größe der Tür hat sich nichts geändert.“

Ja und, was will man uns mit dem Bericht jetzt sagen? Künstlich Angst und Panik erzeugen?
Dann macht man eben über Jahre mehrere 100%, und verliert vielleicht in dem 1 Jahr mal wieder 30% davon.
Qualitäts-Aktien gehören jedenfalls in jedes gut diversifizierte und strukturierte Portfolio. Es gibt nachweislich KEINE bessere Asset-Klasse zum langfristigen (15, 20 Jahre oder länger) Vermögensaufbau und zur Altersvorsorge als Aktien. In mageren Jahren ernährt man sich halt von der bzw. hat man ja immer noch die Dividende.

Öftere Börsenbeben sind das beste. Die Notenbanken sollten eigentlich niemals intervenieren. Desto öfters kleinere Beben gibt, desto weniger große Börsenkräche wird es geben. Jetzt ist wieder Zeit, dass die Kurze purzeln.

Was auch immer zwischen 1987 und 2012 geschehen oder auch nicht geschehen ist - eines ist sicher:
Einen solchen Verschnitt aus aufgebauschtem Börsen-Nonsens und halbherziger Recherche mit Reflexbedienung von Vorurteilen hätte es im handelsblatt von 1987 niemals - ich betone: niemals - gegeben.
Der Artikel wäre in dieser Form schlicht nicht erschienen.






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