
HB NEW YORK. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge sind Hacker im vergangenen Jahr gleich mehrfach in das Computernetzwerk der Technologiebörse Nasdaq eingedrungen. US-Ermittler versuchten nun herauszufinden, wer die Eindringlinge waren und welche Motive sie gehabt hätten, schreibt die Zeitung auf ihrer Internetseite.
Das System, welches die Börsengeschäfte ausführt, sei dabei nicht betroffen gewesen, zitiert das "Wall Street Journal" einen Gewährsmann. Es sehe so aus, als hätten sich die Hacker lediglich umgesehen, berichtete eine mit den Ermittlungen vertraute Person dem Blatt.
Als Motive für den Angriff werden laut "Wall Street Journal" von den Ermittlern neben dem Diebstahl von Informationen über Handelsgeheimnisse auch der Versuch einer Schädigung des Handelssystems mit der damit verbundenen Bedrohung der nationalen Sicherheit in Betracht gezogen. Der Geheimdienst Secret Service habe bereits im vergangenen Jahr mit Nachforschungen begonnen, hieß es. Auch das Weiße Haus sei über die Vorfälle informiert worden.
Bislang hätten die Ermittler noch keine konkreten Hinweise auf die Identität oder das Ursprungsland der Attacke, hieß es in dem Bericht. Es gebe Hinweise darauf, dass der Angriff aus Russland erfolgt sei. Allerdings sei es durchaus möglich, dass die Hacker ihren Angriff aus einer ganz anderen Weltgegend durchgeführt und die russischen Rechner diesen nur weitergeleitet hätten.
Bereits 1999 brach eine Hackergruppe in das Computersystem der New Yorker Börse ein. Die Gruppe erlangte damals Zugriff zu den Systemen des American Stock Exchange und des Nasdaq. Die Hacker hinterließen eine spöttische Nachricht und behaupteten, sie hätten kurzzeitig sogar ein eigenes E-Mail-Konto einrichten können, was bedeutet hätte, dass die Hacker tief ins System eingedrungen waren. Damals habe es keine Hinweise auf eine Manipulation der Finanzdaten gegeben, teilte die Börse mit.
Für großes Aufsehen hatte vor einigen Monaten auch die Cyber-Attacke mit dem Virus „Stuxnet“ auf den Iran gesorgt, die Medienberichten zufolge dem iranischen Atomprogramm galt. 2007 wurde Estland mit einer Cyber-Attacke angegriffen, die die Banken des Landes schwer traf und für die Russland verantwortlich gemacht wurde.
Die Verteidigung gegen Attacken aus dem Netz beschäftigt auch die Bundesregierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert ein internationales Abkommen gegen die zunehmenden Cyber-Attacken. Wenn es nicht zu einer solchen Vereinbarung komme, drohe ein neues Wettrüsten zur Verteidigung gegen Attacken im Internet, warnte Merkel am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. „Wir werden viel Geld damit vergeuden, ohne dass man eine Armee sieht, wie es im Kalten Krieg war“, sagte sie. Am Nachmittag wollte ein eigenes Diskussionsforum der Sicherheitskonferenz über das Thema Cyberwar und die Bedrohung durch Internet-Attacken beraten.




