HB FRANKFURT. Mühsam aufwärts und immer wieder anfällig für Rückschläge - so lässt sich die Entwicklung des deutschen Leitindex in den zurückliegenden Wochen beschreiben. Und so könnte es weitergehen, glauben Aktienstrategen. Zwar überraschen einzelne Unternehmen immer wieder die Anleger und sorgen für Kursbewegungen, doch die stärksten Impulse sind von der Konjunkturseite zu erwarten.
Da offenbarte zuletzt der Freitag wieder die labile Stimmung. Am Donnerstag hatte der Dax die psychologische wichtige Marke von 6 000 Punkten durchbrochen. Am Freitag musste er darum kämpfen. US-Einzelhandelsdaten waren überraschend schwach ausgefallen; sie belasteten auch den deutschen Aktienmarkt. Rückenwind bekam der Leitindex indes von den Autowerten. Dieser Wechsel von positiven und negativen Meldungen lässt die Aktienkurse so häufig schwanken.
Analysten hoffen nun auf neue, gute Konjunkturdaten aus den USA in der kommenden Woche. Sie könnten dem Dax neuerlichen Auftrieb geben. Deutliche Hinweise auf einen wirtschaftlichen Aufschwung dürften die Sorgen über die Schuldenkrise europäischer Staaten zumindest zweitweise ausbremsen, sagt Aktienstratege Michael Köhler von der LBBW. Doch er warnt zugleich: "Die Anleger sind nervös und werden es auch bleiben." Es reiche eine Negativschlagzeile, und die Stimmung könne wieder kippen. Ganz schnell geht dies, wenn die Unsicherheit über die Staatshaushalte wieder einmal Überhand gewinnt.
Dahinter verbirgt sich nicht nur Angst. Die Finanzlage der öffentlichen Haushalte wirkt sich ganz konkret auf die Wirtschaftsentwicklung aus - auch ohne Pleiten, Pech und Pannen. Die Staaten müssen ihre Haushalte sanieren. "Da Regierungen ihr Einkommen nur aus Unternehmens- und Privatsteuern beziehen, wird es generell wahrscheinlich eine Kombination aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen geben müssen, um die Staatshaushaltsdefizite unter Kontrolle zu bringen", meint Cindy L. Sweeting, Portfolio-Managerin bei Franklin Templeton, "dies könnte Druck auf das Wirtschaftswachstum ausüben".
Die Wirtschaft insgesamt sendet derzeit widersprüchliche Signale - dies stellen jedenfalls die Marktspezialisten der Gesellschaft Dexia Asset Management in ihrem aktuellen Konjunktur- und Finanzmarktausblick für die Eurozone fest: "Ohne einen neuerlichen Vertrauensschock werden die Investitionen in Ausrüstungsgüter wieder langsam in Schwung kommen, während sich die Beschäftigung stabilisiert. Der Konsum wird jedoch wenig dynamisch bleiben."





