
HB FRANKFURT. Angst ging um zum Wochenschluss an der Börse. Die Marktteilnehmer blicken auf die immense Verschuldung in Portugal, Griechenland und Spanien wie die Kaninchen auf die Schlange. Manche fürchten das Schlimmste. "Ähnlich wie kürzlich die Finanzmarktkrise könnte sich auch diese Krise zu einem Flächenbrand entwickeln - mit Auswirkungen auf andere Länder, auf Bankensysteme und letztendlich erneut auf die Konjunktur", warnen die Devisenmarktanalysten der Commerzbank. "Doch im Gegensatz zur Bankenrettung letztes Mal gibt es jetzt unter Umständen keine Institution, die stark genug wäre, einzuspringen."
Rund drei Prozent hat der Dax in der abgelaufenen Woche verloren, und es sieht zunächst nicht so aus, als würde sich die Stimmung kommende Woche rasant bessern. Unsicherheit dürfte die nächsten Tage das Geschehen bestimmen, meinen Beobachter. Andere Konjunkturdaten und sogar Unternehmensbilanzen würden in den Hintergrund gedrängt, heißt es auf dem Parkett übereinstimmend. "Die Risikoaversion nimmt zu", betont NordLB-Aktienstratege Tobias Basse.
Er warnt allerdings vor Panikmache. Man dürfe nicht außer acht lassen, dass die Probleme der in die Schlagzeilen geratenen Euro-Staaten einigen Investoren nur als Argument für Gewinnmitnahmen dienten. Andere Beobachter wiegeln ebenfalls ab. "Bei nüchterner Betrachtung der Fakten wird deutlich, dass Griechenlands ?Ouzo-Krise? eine vergleichsweise geringe Bedeutung für die globale Wirtschaft hat", meint Helmut Knestel, Fondsmanager des Finanzdienstleisters Gecam.
Am Markt werden indes neben den Haushaltskrisen noch weitere Probleme ausgemacht. Besorgte Beobachter weisen auf immense Kapitalströme hin, die um den Globus wabern. Analyst Michael Hartnett von Bank of America/Merrill Lynch warnt, die lockere Geldpolitik der Zentralbanken könne eine Spekulationsblase nähren. Der Experte zieht Parallelen zur Asienkrise von 1998. Auch damals hätten die Notenbanker Liquidität in die Finanzmärkte gepumpt und damit die Internet- oder "Dot-Com"-Blase mitverursacht.
Diese und andere Befürchtungen haben zumindest eines bereits ausgelöst: ein Stimmungstief, das den Anlegern den Mut genommen hat. NordLB-Experte Basse glaubt nicht, dass diejenigen, die die Rally des vergangenen Jahres verpasst haben, bald wieder in den Markt einsteigen. "Viele Unterinvestierte werden abwarten, ob der Markt noch weiter runtergeht."
"Die Aktienmärkte befinden sich weiter auf Konsolidierungskurs", meint auch Daniel Schär von der Weberbank. Der mittelfristige Aufwärtstrend sei gebrochen. Weder in Europa noch in Amerika hätten die Märkte neue Stärke gewonnen. An konkreten Fakten kann es seiner Meinung nach nicht liegen: "Die Berichtssaison zum vierten Quartal 2009 ist positiv gestartet, und die Mehrzahl der Unternehmen konnte bisher gute Zahlen melden." Das Problem: "Ein Großteil davon ist bereits durch die Aktieninvestoren antizipiert worden." Schär geht davon aus, dass das eingetrübte Stimmungsumfeld weitere Kursrückgänge bewirkt. "In den kommenden Wochen rechnen wir mit einer Fortsetzung dieser Bewegung."




