Börse Inside

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Die Offenbarung der Banker: „Der Kick der Macht“

Der Dramatiker Andres Veiel sprach für sein neustes Theaterstück mit 25 Bankern. Es entstand ein Protokoll über Zynismus, Gier und Eitelkeit. Im Interview erzählt er über illegale Deals und das Versagen der Politik.

Autor und Regisseur Andres Veiel hat aus Interviews mit 25 Bankern das Theaterstück „Das Himbeerreich“ destilliert. Quelle: PR
Autor und Regisseur Andres Veiel hat aus Interviews mit 25 Bankern das Theaterstück „Das Himbeerreich“ destilliert. Quelle: PR

Herr Veiel, sind Banker schlechtere Menschen als andere?
Es geht mir nicht um eine nach oben offene Skala der Schlechtigkeit. Ich möchte Strukturen und Verantwortlichkeiten deutlich machen.

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In Ihrem Theaterstück “Das Himbeerreich“, das aktuell an zwei Bühnen aufgeführt wird, erscheinen Investmentbanker als gierige, deformierte Spieler, die wenig aus der Finanzkrise gelernt haben.
Das ist die These, die seit Jahren kolportiert wird. Man muss genauer hinsehen. Die Gier ist nur ein Motiv für ihr Handeln. Wer mit Gehalt und Boni mehrere Millionen Euro verdient, denkt nicht nur ans Geld. Niemand braucht eine dritte Yacht.

Das Himbeerreich

  • Der Regisseur

    Andres Veiel ist am 16. Oktober 1959 in Stuttgart geboren. Sein neues Werk „Das Himbeerreich“ nimmt sich die Finanzindustrie zur Brust. Veiel interviewte 25 Investmentbanker, um sich ein Bild über den „Alltag“ in der Finanzindustrie zu machen. Herausgekommen ist ein Theaterstück, das hinter die hohen gläsernen Fassaden der Banktürme schaut. Veiel ist unter anderem wegen dem Kinofilm "Black Box BRD" bekanntgeworden. Der Film kontrastiert die Biographien von Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Alfred Herrhausen und RAF-Terrorist Wolfgang Grams.

  • Das Stück

    Die Besetzung
    Dr. Brigitte Manzinger - Susanne-Marie Wrage (Investmentbankerin und Personalchefin)
    Gottfried W. Kastein - Ulrich Matthes (Investmentbanker)
    Dr. Dr. hc Walter K. von Hirschstein - Joachim Bißmeier (Investmentbanker)
    Bertram Ansberger - Manfred Andrae (Investmentbanker)
    Niki Modersohn - Sebastian Kowski (Investmentbanker)
    Hans Helmut Hinz - Jürgen Huth (Chauffeur)

    Die folgenden Zitate unterliegen dem Copyright. Urheber ist Andres Veiel.

Was treibt diese Menschen an?
Es geht um den Kick der Macht, viel Geld bewegen zu können. Je nach Aufgabenbereich können das dann mal hunderttausend Euro sein, mal eine halbe Milliarde. Es geht um ein körperliches Glücksgefühl, im Flow zu sein. Neben diesem emotionalen Element brauchen sie aber auch einen nüchternen Blick. Sie müssen unter großem Stress die Ruhe bewahren, weil kleine Fehler in den Abgrund führen können.

Welche Rolle spielt der Status?
Für viele zählt auch der Kundenkontakt. Was mache ich abends? Komme ich mit prominenten Kunden in einen Nachtclub, in den ich sonst nicht hineinkomme? Viele Banker entwickeln da eine empathische Intelligenz.

Personalerin Dr. Brigitte Manzinger

  • Gier kann sinnstiftend sein

    Frau Manzinger: „Gier ist mehr als Habgier und Raffsucht. Denken Sie an Begriffe wie Begierde, Begehrlichkeit, Neugierde. Gier kann durchaus sinnstiftend und anregend sein.“

    Die folgenden Zitate unterliegen dem Copyright des Fischer Verlags, Frankfurt/Main. Urheber ist Andres Veiel.

    (Frau Manzinger ist eine fiktive Figur)

  • Damals gab's gar keine Frauen

    Frau Manzinger: „Hab als Broker angefangen, damals gab’s da gar keine Frauen, heute übrigens auch nicht.“

  • Da ist viel Bauchgefühl dabei

    Frau Manzinger: Der Job ist Karate (...) mit 250 Millionen in ein Optionsgeschäft rein. (...) Das hat etwas sehr Körperliches, hab’ immer ein Kribbeln im Kopf gehabt, da ist viel Bauchgefühl dabei, wenn das aufgeht, sind Sie mit sich und der Welt im Reinen, das ist beflügelnd, weil es einen leichter macht – wie ein Torpedo, der gezündet wird… man verdrängt mit dem Unterboden des Brettes das Wasser, hebt ab… mit einer noch nie erlebten Schubkraft… Flow, Glück pur…

  • Als Frau müssen sie fuckable sein

    Frau Manzinger: „Sie wollen mit dem Kunden auch das nächste Geschäft machen, die Preise sind überall fast gleich, da müssen Sie was anderes bieten, die eigentlichen Deals werden nicht im Büro gemacht, sondern nachts auf der Piste, Entertaining ist alles, das heißt, als Frau müssen Sie fuckable sein, sie müssen beim Kunden Phantasien auslösen. Sie haben mit Männern zu tun, die gerade fürchterlich viel Geld verdient haben und die meinen, wenn da eine Frau ist, die kann ich jetzt auch noch haben.“

  • Entscheidungen in Bereichen treffen, die niemand durchdringt

    Frau Manzinger: „Wir müssen permanent Entscheidungen treffen in einem Bereich, den niemand wirklich durchdringt, vielleicht ein, zwei Mitarbeiter, die wissen, was in einem Produkt wirklich drin ist. Die spezialisieren sich auf Inhalt und wie man die Ware für den Kunden verpackt. Ich bin immer voraus, weil ich keine Zeit mit Details verschwende.

  • Wir machen Risiken klakulierbar

    Frau Manzinger: „Heute muss man nicht mehr rotweinschwenkend in Hinterzimmern sitzen, wie das alte Bild vom Bankier, der sagt: So wird es gemacht, ohne dafür eine rationale Begründung zu liefern. Wir schätzen Risiken ein, machen sie kalkulierbar, und dann wetten wir auf das von uns prognostizierte Ergebnis: Strukturierte Produkte sind strukturierte Wetten.“

  • Unsere Mitarbeiter haben zyklische Einbrüche

    Frau Manzinger: „Das Geschäft hat zyklische Einbrüche, und unsere Mitarbeiter haben das naturbedingt auch. Damit lassen wir sie nicht alleine. Unsere Personaler arbeiten mit Coaches…“

  • Das geht nicht mit Sparbüchern

    Frau Manzinger: „Wir segeln extrem hart am Wind und gehen hohe Risiken ein. Das geht nicht mit Sparbüchern und ein paar Firmenkrediten.“

  • Tiefste Provinz

    Frau Manzinger: „Wenn wir uns zurückziehen, und Goldman und Morgan Stanley machen weiter, dann heißt es: Was haben Sie sich denn dabei gedacht? Die verdienen Geld en masse, was machen wir denn hier? Tiefste Provinz.“

  • Es war Notwehr

    Frau Manzinger: „Es war, wenn Sie so wollen, Notwehr. Wir mussten das tun, sonst gäbe es uns heute nicht mehr, Andernfalls stünde an unseren Filialen City-Bank oder Deutsche Goldman…“

Was ist das Wesen des Bankers?
Es gibt nicht den Banker an sich. Individuen und Partialinteressen sind sehr unterschiedlich. Ein Vorstand möchte etwa einen guten Job machen, sein größtes Interesse ist die Entwicklung der Bank. Viele Banker haben die Finanzkrise vorausgesehen. Angestellte aus dem Privat- oder Firmenkundengeschäft kritisieren, dass unlautere Deals im Investmentbanking den Ruf des eigenen Hauses auf lange Sicht ruiniert haben. Etwa mit Wetten gegen die eigenen Kunden.

  • 27.02.2013, 14:38 UhrMark

    Das gibt ein oberflächliches Theaterstück.
    Wer falsche Fragen stellt - bekommt falsche Antworten.
    Die Politik sowie die Bankster sind hochgradig korrupt und verlogen....
    Und hinter diesen menschenähnlichen Subjekten sieht es noch viel viel schlimmer aus....

  • 27.02.2013, 14:41 UhrFreundHein

    Das hier im "Feullieton" Autoren mit nur geringer Ahnung der deutschen Sprache Texte einstellen dürfen ist bekannt, aber immer wieder peinlich:
    "Copyright vom Fischer-Verlag"
    ist da nur eine der eklhaftesten Blüten...
    Fertig lese ich dieses Testimonium Papertatis nur gegen erhebliches Schmerzensgeld!

  • 27.02.2013, 15:06 UhrEurich

    Es ist noch nicht ganz begriffen worden, dass unsere Wirtschaftsordnung nicht mehr auf dem Eigentum, sondern auf dem Kredit beruht; ohne Kredit gibt es nichts zu gewinnen. Es gibt aber keine Regel für ein Recht auf Kredit, insbesondere keinen Kreditkündigungsschutz für Gewerbetreibende, wenn es "regnet".

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