Börse Inside

„Der Euro ist die falsche Währung“

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Wie es mit dem Euro weitergeht

Was würde das Aus der Griechen kosten?

Die Schätzungen liegen irgendwo zwischen 70 und 100 Milliarden Euro,  die uns das direkt kostet. Das ändert nichts daran, dass die Alternative wäre, auf Jahrzehnte weiterzubezahlen. Dann werden die Kosten auf Dauer nicht weniger. Es war von Anfang an klar, dass das Geld, das man für Garantien bereitgestellt hat, verloren ist. Man hat nur versucht, damit Zeit zu erkaufen. Ein oder anderthalb Jahre hat man dadurch überbrückt  – dafür sind 100 Milliarden ein hoher Preis. Aus meiner Sicht grenzt das an Veruntreuung von Steuergeld.

 

Wie sieht es mit den anderen Wackelkandidaten aus? Können sich Spanien oder Portugal noch im Euro halten?

Für die meisten Länder ist der Euro die falsche Währung. Das ist nicht mal allein ihre Schuld. Wir werfen allen um uns herum vor, sie wären korrupt, unfähig und böswillig. Das ist unglaublich arrogant. Dabei waren Spanien oder Portugal ja nicht in katastrophalem Zustand, bevor sie den Euro hatten. Aber jetzt sind sie es, weil sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Währung abzuwerten und an die Leistungsfähigkeit anzupassen.

Wem können Sie trauen, wem nicht? Die Tipps von Dirk Müller

  • Die Politik

    Dirk Müller: „Dass sich die Politiker gerne mal die Hucke voll lügen, dürfte hinlänglich bekannt sein. [...] Ich darf daran erinnern, dass der damalige Finanzminister Steinbrück noch im Sommer 2008 eine deutsche Rezession für vollkommen ausgeschlossen hielt und diesbezügliche Meinungen als 'typisch deutsche Schwarzmalerei' abtat? Wohl dem, der seine Investitionen nicht darauf gebaut hat...“

  • Die Wirtschaftsweisen

    Dirk Müller: „Die Wirtschaftsweisen müssen es doch wissen, sollte man meinen. Immerhin beraten sie die Regierung. [...] Weit gefehlt. Unsere führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben noch im Herbst 2008 eine Rezession für Deutschland und die USA für unwahrscheinlich erklärt. Wir wissen heute, dass die Rezession in den USA offiziell vom Dezember 2007 bis Juni 2009 dauerte. Das bedeutet: Unsere führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erkennen eine Rezession noch nicht einmal dann, wenn sie bereits seit einem halben Jahr tobt.“

  • Finanzmedien

    Dirk Müller: „Ja, es macht Sinn, sie zu lesen, aber bleiben Sie kritisch. Glauben Sie nichts, was nicht mit Ihrer Wahrnehmung der Dinge übereinstimmt, und hinterfragen Sie alles. Stellen Sie sich vor allem die Frage: Von wem kommt diese Information und wem nützt sie.“

  • Börsenbriefe

    Dirk Müller: „Es gibt einige gute, fundierte und seriöse Börsenbriefe, aber die Mehrzahl ist reine Geldmacherei. Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn Sie kostenlose Börsenbriefe im Briefkasten oder im Maileingang finden. Was glauben Sie, warum sich der Herausgeber diese Mühe macht? Er sucht Dumme.“

  • Bankberater

    Dirk Müller: „Der Bankverkäufer ist keineswegs der neutrale Notar, oder gar ihr guter Freund, der nur Ihr Wohl vor Augen hat. [...] Warum das so ist, erkennen wir, wenn wir uns mit seinem Arbeitgeber, der Bank, beschäftigen. Welche Aufgabe hat diese Bank? Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Gewinn zu erwirtschaften. Gewinn für ihre Eigentümer und Aktionäre. Sie hat weder die Aufgabe, Gutes für die Gesellschaft zu tun, noch ist sie eine neutrale und staatlich finanzierte Beratungsgesellschaft für Leute, die keinen Plan von Finanzen haben. [...] Begegnen Sie ihm [dem Bankverkäufer] genauso, wie sie einem Autoverkäufer begegnen würden. Freundlich, informiert und in dem Bewusstsein, dass der nette Kerle, der Ihnen einen Kaffee anbietet, Ihnen im nächsten Moment verkauft, was vom Hof muss.“

  • Der beste Ratgeber

    „... sind Sie selbst und Ihr Bauchgefühl. Kaufen Sie nichts, was Sie nicht wirklich verstanden haben. Hinterfragen Sie stets alles, und vertrauen Sie auf Ihre Lebenserfahrung und Ihren gesunden Menschenverstand, dann sind Sie besser dran als mit allen Expertentipps.“

  • Literatur

    Dirk Müller, „Cashkurs: So machen Sie das Beste aus Ihrem Geld: Aktien, Versicherungen, Immobilien“, erschienen am 12. September 2011 bei Droemer.

Wie geht es mit dem Euro weiter?

Wir müssen uns endlich entscheiden: Entweder wir schaffen etwas, was in Richtung ‚Vereinigte Staaten von Europa‘ geht. Dazu würde nicht nur eine gemeinsame Finanz- und Steuerpolitik gehören. Wir müssten die politische Einheit schaffen, für die der Euro einst gedacht war. Das wäre ein mutiger Schritt nach vorne. Und nur dann ließe sich der Euro halten. Variante zwei: Wir gehen einen Schritt zurück auf den Stand der Europäischen Union. Dann wären wir weiter Nachbarn, wir wären Freunde, wir würden miteinander arbeiten, aber jeder wäre für sich verantwortlich und hätte seine eigene Währung. Für einen Weg muss man sich entscheiden. Beide sind schmerzhaft, beide sind mit großen Anstrengungen verbunden. Aber das Durchwurschteln zwischendurch kann nicht funktionieren.

 

Und was ist die wahrscheinlichste Variante?

Ich bin ein überzeugter Europäer. Ich würde mich riesig freuen, wenn wir die Vereinigten Staaten von Europa auf die Beine stellen könnten; zum Beispiel in Form eines föderalen Systems wie wir es in Deutschland kennen, nur eine Ebene höher. Ein solches Vereinigtes Europa muss aber im Gegensatz zum jetzigen bürokratischen Monstrum ein demokratisch gewähltes und von seiner Bevölkerung legitimiertes Europa sein. Auf dem Weg dahin liegen leider so große Brocken, dass sich das kaum umsetzen lässt.

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  • 25.06.2012, 14:07 Uhrkonsti

    Beruht die Schuldenkrise nicht auf einem Systemfehler?
    Denn die Staatengemeinschaft leiht den Banken doch Geld für extrem wenig Zinsen, die es dann wieder für unterschiedlich hohe Zinsen an die einzelnen Staaten verleihen.
    Jemand sagte mal, es gäbe zuviel Geld in der Welt; die Banken wüssten nicht mehr wohin damit. Darum könnten sie spekulieren oder es zum Teil in "sicheren" Ländern wie Deutschland anlegen, in denen sie nicht mal mehr Zinsen dafür bekommen.
    Warum kann eine Staatengemeinschaft nicht ihren Mitgliedern Geld zu moderaten Zinssätzen leihen? Und die Banken nehmen das Geld ihrer Sparer (geringe Guthabenszinsen) und verleihen es den Unternehmen (zu den üblichen hohen Zinsen) ???

  • 24.06.2012, 22:41 UhrBernd

    Reflektionen zum Propheten:
    Anscheinend hat dem Herrn sein Wissen über Börsen, Wirtschaft und Finanzen noch nicht zu ausreichend Gewinn verholfen, dass er mit reißerisch aufgemachtem abgedroschenem Geschwätz sein Brot verdienen muss und dazu noch das HB für Werbung zu seinen Gunsten brauch, um seine Bücher an den Mann zu bringen.
    Seine Weisheiten zur "aktuellen Lage" speziell zu Beginn seiner Predigerlaufbahn scheinen mir kaum besser als die des Affen beim Börsenspiel.
    Vielleicht hat er auch, wie viele andere, in eine gewisse Richtung spekuliert...

  • 22.06.2012, 17:40 Uhroberkrainer

    ich glaub das ist zu kurz gedacht. europa ist grundsätzlich ein markt und eine region, da kann man griechenland nicht mehr rausnehmen. eher sollte man die daumenschrauben anziehen und die ezb salden regelmäßig durch wertpapiere ausgleichen und mit den schuldnerländern bilateral ein kreditabkommen schließen (gegen restru-vereinbarungen). fällig bei nichteinhaltung. tendenziell den euro durch private geldpolitik flankieren oder ersetzen, korbwährung auf grundlage privater währungen mit euro als standard / korb-einheit.

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