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Falsch gewettet: Der gefallene Bond-König

Der Anleihenguru Bill Gross hat sich 2011 gehörig verspekuliert. Anleger zogen große Summen aus seinem Fonds ab. Sein Ruf, Krisen sicher zu umsegeln, ist damit beschädigt.

Pimco-Chef Bill Gross hat schon lange kein so schlechtes Jahr mehr erlebt wie 2011. Quelle: Bloomberg
Pimco-Chef Bill Gross hat schon lange kein so schlechtes Jahr mehr erlebt wie 2011. Quelle: Bloomberg

DüsseldorfDer Bond-König Bill Gross verliert zum ersten Mal seit mindestens 18 Jahren den Rückhalt seiner bisher treuen Gefolgschaft. 2011 verzeichnete der Total Return Fund seiner Investmentgesellschaft Pimco erstmals wieder Abflüsse - und das nicht zu knapp. Insgesamt fünf Milliarden US-Dollar zogen die Kunden ab. Allein im Dezember verkauften Kunden laut einer Morningstar-Analyse Anteile im Wert von 1,35 Milliarden Dollar. Der Fonds verwaltet etwa 240 Milliarden Dollar.

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Gross ist wegen einer großen Fehlentscheidung in Ungnade gefallen: Anfang 2011 hatte er gegen US-Staatsanleihen gewettet und deutlich daneben gelegen. Die zehnjährigen Treasuries rentierten damals bei etwa 3,3 Prozent. Die Schuldenkrise in den USA spitzte sich zu, und die Ratingagenturen drohten mit der Herabstufung. Gross stieg aus. Womit er nicht gerechnet hatte: Die Ratingagentur Standard & Poor's machte ihre Drohung zwar wahr, doch trotz schlechterer Bonitätsnote stieg der Kurs der US-Anleihen immer weiter. Der weltgrößte Anleihefonds hatte damit den Anschluss an die Konkurrenz verloren, denn die Treasuries brachten 2011 einen Ertrag von 9,8 Prozent ein, den Gross jedoch größtenteils verpasste.

Was die US-Schuldenkrise für die Märkte bedeutet

  • Sind die USA ein wackliger Schuldner?

    Im August 2011 stufte S&P die USA herab und entzog ihnen damit das Top-Rating. Die Zeit des unumstößlichen AAA-Ratings der USA ist damit vorbei. Grund waren mangelnde Aussichten auf einen Abbau der Rekordverschuldung von 15 Billionen Dollar. Eine weitere Herabstufung schlossen S&P nicht aus.

    Fitch droht ebenfalls mit einer Herabstufung bis 2013, sollte keine neue Strategie zum Schuldenabbau folgen. Das AAA-Rating sei nicht im Einklang mit dem hohen Schuldenberg.

  • Warum haben die USA nicht längst ein noch schlechteres Rating?

    Die USA sind mit dem Dollar flexibel in der Zins- und Geldpolitik und können Geld drucken, um Dollar-Schulden zu bedienen. Als größte Volkswirtschaft der Welt tragen sie fast ein Viertel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und flexibel. Zudem zahlt die Regierung, bei einer Inflation von drei Prozent und Renditen unter drei Prozent für Anleihen mit Laufzeiten von weniger als zehn Jahren, real aktuell keine Zinsen. "Das steht in krassem Gegensatz, zu der Situation in vielen Euro-Ländern", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank.

  • Wann werden die USA weiter herabgestuft?

    Der Verlust des AAA-Ratings war vor einigen Monaten noch die "Billion-Dollar-Frage". Jetzt rätseln Analysten darüber, wann noch eine Stufe weiter abwärts geht. S&P haben eine weitere Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen, sollte das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen werden. Behält die US-Regierung den jetzigen uneinigen Kurs bei der Schuldenbekämpfung bei, so werde Fitch spätestens 2013 den USA das Top-Rating entziehen.

  • Warum sind US-Staatsanleihen kaum unter Druck gekommen?

    Weil die Ratings nicht (mehr) das non plus ultra für die Marktteilnehmer bilden. Die Warnungen der Ratingagenturen rücken zwar die problematische US-Verschuldung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, bedeuten für professionelle Anleiheinvestoren "aber nichts, was wir nicht schon ohnehin wussten", sagt William O'Donnel von der Royal Bank of Scotland. Frankreichs Wirtschaftsminister Baroin meinte, man dürfe die Herabstufung nicht überbewerten. Ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter Japans erklärte ebenfalls, dass er weiterhin Vertrauen in die Anleihen der USA habe.

  • Drohen US-Staatsanleihen längerfristig Probleme?

    Ja, wenn die Probleme nicht gelöst werden und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit weiter senken. Der Ruf der US-Anleihen als weltweiter risikoloser Maßstab für andere Zinspapiere werde dann weiter abbröckeln. "Wenn die USA ihre langfristige Verschuldung nicht in den Griff bekommen, droht ein Vertrauensverlust der Investoren", warnt Thomas Meißner von der DZ Bank. Diese Gefahr gebe es vor allem deshalb, weil die USA fast zur Hälfte im Ausland verschuldet seien und ausländische Investoren schneller nervös würden als einheimische.

  • Profitieren Bundesanleihen vom Verlust des "AAA"-Ratings der USA?

    „Ja“ sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei der Unicredit, „sie dürften die größten Gewinner sein, unter anderem, weil die Inflation in den USA spürbar anziehen wird.“ Voraussetzung dafür sei allerdings noch, dass Deutschland seine Spitzenbonität behält, was zurzeit der Fall ist.

  • Wie sind die Aussichten für den Dollar?

    Bislang hat die US-Währung wenig reagiert. "Der Dollar profitiert seit mindestens drei Jahren stetig von Krisenszenarien, egal wo die Ursachen der Probleme liegen", erklärt Ralf Umlauf, Analyst bei der Helaba. Das liege vor allem daran, dass in Krisenszenarien viele US-Investoren ihre Anlagen in ausländischen Währungen verkaufen, und das stärke den Dollar.

    Gegenüber dem Euro hat der Dollar keinen Wert einbüßen müssen, weil im Rahmen der Schuldenkrise der Euro-Länder der Euro zunehmend unter Druck geraten ist. Im August, dem Monat der Herabstufung der USA, ging es nämlich für den Euro stark abwärts.

Der Pimco Total Return kam 2011 auf einen Ertrag von 4,2 Prozent. Mehr als zwei Drittel der Konkurrenzfonds waren besser, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht. Gerade erst hatte Bill Gross viele Lorbeeren geerntet, als er die US-Immobilienkrise der Jahre 2008 und 2009 vorhersah und seinen Fonds vor den schlimmsten Auswirkungen der Marktturbulenzen bewahrte. 2009 avancierte der Total Return Fund dann zum größten Investmentfonds aller Zeiten, nachdem er innerhalb eines Jahres 50 Milliarden Dollar eingesammelt hatte. In den fünf Jahren davor hat der Fonds im Schnitt einen Jahresertrag von 8,1 Prozent eingefahren und damit 97 Prozent der Konkurrenz abgehängt.

Gross entschuldigte sich im vergangenen Oktober bei seinen enttäuschten Anlegern in einem Schreiben mit dem Titel "Mea Culpa". Jetzt schaut er nach vorne - und kauft für seinen Fonds verstärkt Wertpapiere, die mit Hypotheken besichert sind (mortgage-backed securities). Experten zufolge spekuliere er darauf, dass die US-Notenbank Fed den amerikanischen Häusermarkt noch mehr stützen wird und auch diese Papiere in großer Zahl aufkauft.

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  • 04.01.2012, 22:24 Uhrdeltaone

    Achja, und +4,2% bei +9,8% in einem Jahr ist ja auch kein Beinbruch. Schwachsinn, diesem Mann Versagen vorzuwerfen. Und bei 3/240 Abtrünigen sieht das die Mehrzahl seiner Anleger wohl auch so.

  • 04.01.2012, 22:15 Uhrdeltaone

    Bill setzte gegen die Notenpresse QE²³, da reichen auch 240.000.000.000 temporär nicht. Er macht sein Ding schon, ein Blick auf die Performance ab 2013 macht denke ich Freude!
    "Märkte können viel länger irrational sein, als man selber liquide ist."

  • 04.01.2012, 20:31 UhrAnonymer Benutzer: Freygeist

    So funktionieren die Medien:
    Zuerst wurde er hochgejubelt,
    nun kommen die kritischen Anmerkungen
    und morgen wird man seine Kreuzigung fordern.

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