Börse Inside

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Fredmund Malik im Interview: „Es droht eine teuflische Abwärtsspirale“

Fredmund Malik ist ein bekannter Ökonom und Buchautor. Im Interview erklärt der Österreicher, worin er die Ursachen der Krise sieht und warum sie so gefährlich ist. Seine düstere Prognose: den Börsen droht der Absturz.

Es gibt Schwarzseher und solche, die auch skeptische Prognosen noch übertreffen. In diese Riege gehört Fredmund Malik. Er ist Wirtschaftswissenschaftler und Leiter des "Malik Management Zentrums" in Sankt Gallen. Quelle: PR / Malik Management Zentrum St.Gallen
Es gibt Schwarzseher und solche, die auch skeptische Prognosen noch übertreffen. In diese Riege gehört Fredmund Malik. Er ist Wirtschaftswissenschaftler und Leiter des "Malik Management Zentrums" in Sankt Gallen. Quelle: PR / Malik Management Zentrum St.Gallen

Wir stecken immer noch in der Finanzkrise. Wo erkennen Sie als Unternehmensberater die Ursachen?

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Es ist Überschuldung und wirtschaftliche Fehlsteuerung als Folge falscher Unternehmensführung und radikal falscher Strategien. Dieses falsche Management wird seit Jahrzehnten in den Business Schools gelehrt und hat sich wie eine Seuche verbreitet. Es ist auch verantwortlich dafür, dass immer mehr intelligente Köpfe nicht mehr in die Realwirtschaft gingen, sondern in die Finanzwirtschaft. Unter anderem geht es auch um wirtschaftszerstörende Bonussysteme, die falsche Anreize setzen. Dadurch ist in den Unternehmen viel Bitterkeit, Verachtung und Agonie entstanden, was die Unternehmensspitzen gar nicht wahrnehmen. Es sind breite Gräben in die Unternehmenskultur gerissen worden. Und das in einer Zeit, in der die Firmen das ganze Vertrauen brauchen würden.


Wo liegt der Keim des Ganzen?


Im Shareholder-Value-Denken. Eine Buchveröffentlichung machte es 1986 populär. Aber der Shareholder Value ist überhaupt kein Maß für die reale wirtschaftliche Leistung und für das Topmanagement systematisch irreführend. Der vermeintliche Wirtschaftsboom am Ende des letzten Jahrtausends war kreditgestützt. Notenbanken haben mit ihrer Niedrigzinspolitik eine völlig falsche Politik betrieben. Das Denken in finanziellen Dimensionen gewann die Oberhand, auch in der Unternehmensführung. Zynisch gesagt: Der Mensch ist degradiert worden zum Barwert seiner Lebensversicherung, minus Beerdigungskosten. So kamen wir in der Realität zu falschen Anreizsystemen, die von Schulen und vor allem auch von den meisten Unternehmensberatern verbreitet wurden.


Warum war das in der Praxis so attraktiv?


Shareholder Value bedeutet: Wir wollen den Aktionär reich machen. Aber das darf nicht Zweck eines Unternehmens sein, obwohl es auch ein Resultat sein kann. Ein Unternehmen anhand von Finanz-Kennziffern zu beurteilen, ist verführerisch, weil es so einfach scheint. Es ist viel einfacher, als beispielsweise über Innovationen und Strategien zu sprechen – was aber entscheidend ist. Finanz-Kennziffern helfen kaum, weil sie nur eine kurzfristige Realität widerspiegeln. Ich sage sogar: Je besser die operativen Zahlen, um so gefährlicher ist das Unternehmen positioniert. Mit dem falschen Denken hat beispielweise der frühere Daimler-Chef Jürgen Schrempp durch den Kauf von Chrysler zweistellige Milliardenbeträge versenkt. Gegenbeispiele sind Ferdinand Piech von VW oder Helmut Maucher von Nestle.

Flossbach und von Storch im Interview „Die Entschuldung geht nur über Inflation“

Das Vermögen vieler Anleger ist in Gefahr, warnen die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Kurt von Storch. Warum das Geld bald weniger wert ist, was aus dem Euro wird und wie Anleger ihren Besitz sichern können.


Was kann man gegen die Überschuldung tun?


Vordringlich braucht es die innovativen Methoden für ein neues Funktionieren von Organisation und Management. Vorübergehend sollte man auch die meisten Wirtschaftsfakultäten der Unis und Business-Schools schließen und für einen Neustart fragen: Warum habt ihr Wissenschaftler das geduldet und nicht hinterfragt? Wir haben in einer Periode der systematischen Bewusstseinsverschmutzung gelebt. Die Welt wurde gemacht von Personen, die sich und den Globus nur über die Geld-Dimension wahrnehmen, alle Dinge nur in Geld bewerten. Eine Facette dabei ist, dass wir das Börsengeschehen zum verführerischen Infotainment entwickelt haben. Das hat zusätzlichen Schaden angerichtet. Viele Menschen sind vor allem über die Pensionsfonds und andere Vehikel noch am Ende der großen Hausse zur Jahrtausendwende in Aktien eingestiegen und leiden jetzt unter den Verlusten, die aber erst in ihren Anfängen stehen.

  • 26.02.2012, 13:50 UhrProfit

    Der größte Widerspruch: "Fred Malik ist ein anerkannter Ökonom" und der Inhalt des Interviews. Malik sagt ganz richtig: Es gibt sehr viele "Ökonomen" und "Analysten", die nichts anderes sind als Entertainer. Malik gehört dazu. Der Mann hat noch nie etwas gescheites von sich gegeben. Seine Bücher sind die Ausgeburt an Trivialität. Das Interview die Ausgeburt an Schwachsinn.

  • 26.02.2012, 14:04 UhrCrisisMaven

    Ja, der Malik ist, nachdem er sich ueber Unternehmenskybernetik in St. Gallen habilitiert hat, etwas auf die "Esoterik"-Schiene geraten. Und dass er Buecher schreibt, die gerne gekauft werden, statt solcher, an denen er nichts verdient - ich sehe es ihm nach. Denn es wuerde ohnehin keinen Unterschied machen. Das Szenario jedoch ist so, wie er es beschreibt, leider abzusehen (und seinem Klarblick als Kybernetiker geschuldet). Was er noch vergessen hat zu erwaehnen (oder die Interviewer vielleicht lieber herausgekuerzt haben ...): es wird Krieg geben. Der Erste Weltkrieg war Folge u.a. des einsetzenden Protektionismus. Der Zweite einerseits Folge des Ersten und andererseits wiederum Folge neuerlichen Protektionismus. Man darf nicht vergessen: eine Fabrik, die in Insolvenz geraet, wird ggf. umgebaut, ein Teil muss bilanziell abgeschrieben werden, den Rest kann man anderweitig neu nutzen. Das ganze Militaer-Zeugs dagegen hat nur einen Sinn, wenn man es noch verfeuert, bevor es rostet ...

  • 26.02.2012, 14:25 UhrEinMensch

    Man kann nur hoffen, dass er nicht recht behält, aber wenn nur ein Teil seiner Befürchtungen, die nicht unbedingt unwarscheinlich sind, eintreten wird...dann "Gute Nacht"

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