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Großrazzia: Justiz gelingt spektakulärer Schlag gegen Anlagebetrüger

Im wohl spektakulärsten Verfahren gegen organisierten Anlagebetrug in Deutschland hat die Staatsanwaltschaft München am Dienstag 48 Firmen- und Geschäftsräume durchsucht. Mehr als 30 Personen sollen gemeinschaftlich wertlose Aktien hochgejubelt und dann an arglose Anleger weiterverkauft haben. Drei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Ermittler mit Akten: Fahnder haben 48 Firmen- und Geschäftsräume durchsucht. Quelle: dpa
Ermittler mit Akten: Fahnder haben 48 Firmen- und Geschäftsräume durchsucht. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Die deutsche Justiz geht mit Macht gegen mutmaßliche Anlagebetrüger vor. Wie das Handelsblatt erfuhr, durchsuchten die Staatsanwaltschaft München und die Finanzaufsicht BaFin am Dienstag bundesweit und in Österreich fast 48 Firmen- und Privatgebäude von insgesamt 31 Verdächtigen. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft erklärte auf Anfrage, dass drei Personen festgenommen wurden.

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Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht des Insiderhandels und der Marktmanipulation. Die Verdächtigen sollen in mindestens 20 Fällen Aktien von meist wertlosen Unternehmen gekauft und anschließend gemeinschaftlich hochgetrieben haben. Über Kanäle wie Börsenbriefe oder Onlineforen wurden die Papiere einer breiten Anlegerschaft zum Kauf angeboten. In der Mehrheit der Fälle stürzten die Aktienkurse anschließend ab,viele der hochgejubelten Papiere dümpeln heute als Pennystocks vor sich hin.

Anders lief es im wohl spektakulärsten Fall möglicher Marktmanipulation. Im Sommer 2008 brach die Aktie des Internet-Zahlungsverkehrsspezialisten Wirecard ein, nachdem die Anlegerschutzorganisation SdK dem Unternehmen Fehlbilanzierung vorgeworfen hatte. Später stellte sich heraus, dass SdK-Vorstand Markus Straub und zumindest ein ehemaliges Mitglied mit Hebelpapieren auf einen Kursverfall der Wirecard-Aktie gesetzt hatten. Straub musste daraufhin von seinem Amt zurücktreten. Das Handelsblatt berichtete bereits damals über eine Art Netz von Aktionärsschützern, Börsenbriefautoren, Journalisten und Analysten, die gemeinsam riskante Geschäfte machten.

Um welche Aktien es sich bei den jetzt laufenden Ermittlungen dreht, ob sie auch im Zusammenhang mit dem Wirecard-Fall stehen und wer die Beschuldigten sind, wollten weder Staatsanwaltschaft noch BaFin auf Anfrage kommentieren.

Laut Angaben der Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen seit dem Jahr 2007, die Fälle liegen zum Teil schon länger zurück, stammen nach Handelsblatt-Informationen aber auch noch aus der Zeit danach. Den Durchsuchungen waren mehrere Strafanzeigen der BaFin vorausgegangen. Insiderhandel und Marktmanipulation können in Deutschland jeweils mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen geahndet werden.

  • 24.09.2010, 21:14 UhrAnonymer Benutzer: k.h.a.

    Drei Jahre später läßt sich doch kaum noch vernünftig anklagen, geschweige denn urteilen. Solche Dinge sind kaum zu verfolgen noch zu verhindern, es sei denn, man sorgte für Aufklärung und Transparenz bei den potentiellen Opfern. Dummheit wird bestraft. Wenn man daraus lernt, hat man Glück. An der börse geht`s schnell, in der Politik dauert es länger, bis die betrogenen bürger merken, wie ihnen das Fell über die Ohren gezogen wurde. Und wer hat je Politiker eingesperrt?

  • 24.09.2010, 13:21 UhrAnonymer Benutzer: Sandra Witscher

    Fatal an diesen betrügereien ist doch, dass damit der Aktienkultur in Deutschland endgültig der Todesstoß versetzt wird. Wenn ich nicht einmal mehr den so genannten Anlegerschützern vertrauen kann, wie kann ich mir als privater Anleger ein eigenes, unabhängiges bild von einem guten investment verschaffen. Da bleibt nur: gesunder Menschenverstand, sich selber informieren und ein gesundes Misstrauen allen Akteuren gegenüber. Denn ohne den Aktienmarkt wird es verdammt schwer im Alter den Lebensstandard zu halten.

  • 24.09.2010, 12:47 UhrAnonymer Benutzer: YoGr

    Sehr geehrter Herr Dr. Ostmann,

    es ist doch nicht Aufgabe des deutschen Rechtsstaats Anleger vor riskanten Fehlspekulationen in Argentinien, Ecuador, der Mongolei oder anderen entfernten Laendern zu schuetzen. Dies waere die Aufgabe ihres Vermoegens- oder bankberaters gewesen.im Hinblick auf die Historie in diesen Laender muss doch jedem verstaendigen Anleger klar sein, dass diese Anleihen im Risiko hoch einzuschaetzen sind. Grundsaetzlich werden hohe Renditen immer mit hohem Risiko erkauft. Niemand hat Geld zu verschenken. Sofern dem Anleger dieses Wissen fehlt, sollte er sich nicht selbst auf das internationale Parkett begeben, sondern sich zuvor beraten lassen und im schlimmsten Fall eine mangelhafte beratung zur Grundlage eines Schadensersatzprozesses machen. ich bin sehr zuversichtlich, dass der deutsche Rechtsstaat ihm dann bei der Durchsetzung seiner Ansprueche beistehen wird.

    Mit freundlichen Gruessen

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