
FRANKFURT. Seit langem gewinnt der automatisierte Handel an Bedeutung. Bei diesem Algo-Trading werden Börsenaufträge mit genau definierten Handlungsvorschriften (Algorithmen) elektronisch an Börsen geleitet und dort blitzschnell ausgeführt.
Der "Blitzhandel" - in der Fachsprache als "high-frequency trading" bezeichnet - ist eine spezielle Art des Algo-Trading. Hierbei treffen Computer Anlageentscheidungen auf Basis von elektronisch erhaltenen Marktinformationen innerhalb von Sekunden-Bruchteilen, also in einer Geschwindigkeit, die das menschliche Gehirn überfordert. In den USA entfällt auf solche spezialisierten Marktakteure bereits rund 60 Prozent des gesamten Aktienhandels.
Auch die Deutsche Börse wird von dieser Art des Handels dominiert. Beim deutschen Börsenbetreiber entfallen lediglich zwei Prozent des Umsatzes auf private Anleger.
Bei der rasenden Geschwindigkeit geht es inzwischen längst nicht mehr nur um Mikrosekunden, sondern um Nanosekunden, also um ein Milliardstel einer Sekunde. Wenn es - wie zuletzt an der Wall Street - zu Marktturbulenzen kommt, wird der Ruf nach Kontrollen laut. In den USA wird der Blitzhandel bereits seit längerem kritisch beäugt. Die beiden Aufsichtsbehörden SEC und CFTC fordern, dass sich solche auf Geschwindigkeit spezialisierten Finanzhäuser im Zusammenhang mit ihren Blitzhandels-Aktivitäten identifizieren und ihre Aktivitäten auch offen legen müssen.
Problematisch wird es, wenn zahlreiche dieser Akteure nach ähnlichen Modellen handeln. Bei bestimmten Marktkonstellationen könnte dann ein gefährlicher Dominoeffekt auftreten. In Frage steht bei Kritikern auch der ökonomische Nutzen dieser Handelsart. Richtig ist allerdings, dass Algo-Trader die Märkte liquider machen und daher eine wichtige Aufgabe von Börsen erfüllen, nämlich die faire Preisfindung von Wertpapieren. Ungeachtet dessen denken Politiker und Aufsichtsbehörden über Kontrollen und Beschränkungen nach.
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) weist auf eine Umfrage hin, in der die Befragten die Furcht äußerten, der computergesteuerte Handel könne die Finanzmarktstabilität negativ oder sogar sehr negativ beeinflussen. "Die Befragten halten eine entsprechende Regulierung für erforderlich", sagt ZEW-Wissenschaftler Michael Grünewald. Während über eine strengere Regulierung von Derivaten und die Ausgestaltung von Bonussystemen zur Verbesserung der Finanzmarktstabilität heiß diskutiert werde, spiele das Algo-Trading in der öffentlichen Diskussion bisher kaum eine Rolle. Dies verwundere angesichts der Bedeutung dieser Handelsart.





