Andere verweisen dagegen auf die singuläre Bankenkrise und die Schwierigkeiten ganzer Branchen - etwa des Autosektors. Den Unternehmen stünden noch harte Zeiten ins Haus, und die Börse habe sich von der Realität inzwischen weit entfernt, sagte ein Marktanalyst in Frankfurt. Die Bewertungsniveaus seien im Verhältnis zu den Gewinnerwartungen inzwischen sehr ambitioniert. Negativ sei auch, dass der Höhenflug der vergangenen Wochen von einem hohen Anteil spekulativ orientierter Geschäfte getragen gewesen sei. Er könne sich vorstellen, dass der Dax in den nächsten zwei bis drei Monaten unter 4 500 Punkte fällt, so der Analyst.
Als "übertrieben" bezeichnen auch die Experten der Landesbank Berlin die aktuellen Kurszuschläge. "Sollte dem Hoffnungs-Ballon, den der Markt derzeit in Bezug auf Konjunktur und Finanzkrise steigen lässt, das Helium ausgehen, könnte er schnell wieder zu Boden sinken und somit die Aktienkurse mit nach unten ziehen", schreiben sie in einer Studie.
Realwirtschaft erholt sich langsamer
Die Fondsmanager der Deka zählen zumindest zu den vorsichtigen Marktbeobachtern. Sie sehen in nächster Zeit kaum Aufwärtspotenzial für den Aktienmarkt. Allerdings rechnen sie auch nicht mit einem massiven Einbruch. "Wir werden schon eine gewisse Konsolidierung sehen, ganz einfach, weil sich die Realwirtschaft nicht in diesem Tempo erholen können wird, wie es der Aktienmarkt andeutet", prognostiziert Joachim Schallmayer, Manager des 1,09 Milliarden schweren EuroStocks-Fonds der Deka. "Wir haben einen Großteil der Aufwärtsbewegung gesehen." Nach den deutlichen Kursgewinnen sei der Markt auch nicht mehr so günstig bewertet wie noch zu Jahresbeginn.
Schallmayer hat den Anteil an Finanzwerten in seinem Portfolio reduziert und im vergangenen Monat eher konjunkturunabhängige, sogenannte defensive Werte hinzugekauft, wie er erklärt. Aufgestockt habe er bei Telekomwerten und bei Aktien aus dem Nahrungsmittelbereich. Banken seien nicht mehr so günstig bewertet, böten vereinzelt aber immer noch Chancen. "Ich glaube, dass jetzt eine sehr große Differenzierung einsetzen wird zwischen den Banken, die wirklich ganz große strukturelle Probleme haben, und den Banken, die noch relativ gut durchgekommen sind und die durchaus für den Shareholder langfristig einen attraktiven Return abliefern können."
Trotz positiver Konjunktursignale glaubt auch Arnim E. Kogge vom Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger, dass die Luft " langsam sehr dünn" werde. "Die starken Kursanstiege der Aktienmärkte hinterlassen einen schalen Geschmack", schreibt Kogge in der aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart". Während die Börse das Ende der Krise feiere, steckten viele Unternehmen noch mittendrin. Kogge verweist auf Maschinenbau, Stahl- und Autoindustrie sowie die Chemie. Die Unternehmen müssten mit extrem starken Auftragsrückgängen und entsprechend niedriger Auslastung fertig werden.
"Bei all diesen Branchen ist noch nicht einmal ein Ende des Abschwungs zu sehen", stellt Kogge fest. Sollte indes die Börse zu Recht positive Wirtschaftsdaten auf Sicht von sechs Monaten vorwegnehmen, könne der Dax durchaus auf 5 250 Punkte klettern. Dann sei "eine neue Euphoriewelle" denkbar, die bis zu 5 500 Punkten geht. "Sollte dieses Szenario eintreten, dürfte sich dies im Zeitraum Juni abspielen, danach ist mit stärkeren Kursrückgängen zu rechnen", prognostiziert der Beobachter.





