
Handelsblatt: Herr Faber, die EZB hat mit dem neuen Tender wieder Milliarden ins Bankensystem gepumpt. Wird das gegen die Schuldenkrise helfen?
Marc Faber: Nein, es verschiebt die Probleme nur in die Zukunft. Ich habe mich immer gegen diese Politik des Gelddruckens gewehrt. Die Notenbanken in vielen Ländern verwässern nur das Geld, es verliert an Kaufkraft. Inflation ist nicht zu vermeiden.
Für Ihre Verhältnisse ist die Antwort zurückhaltend.
Ich sage schon seit längerem: Leute wie der US-Notenbankchef Ben Bernanke und Präsident Barack Obama sind Akademiker und Clowns. Sie haben mit ihren Ausgabenprogrammen und der Niedrigzinspolitik die Kreditblase erst geschaffen. So sind die Politiker mitverantwortlich für die Krise. Und genau die präsentieren sich jetzt als Retter.
Erreicht das Geld der Notenbanken sein Ziel nicht?
Es sollte in der Realwirtschaft ankommen. Aber das tut es nicht. Am Ende werden die ehrlichen Sparer und die Besitzer von Anleihen die Zeche zahlen. Inflation entwertet ihre Vermögensbestände.
Und was wird aus dem Finanzsystem?
Es ist im Verhältnis zur Realwirtschaft zu groß geworden. Als ich Anfang der 70er-Jahre zu arbeiten begann, haben die Investmentbanker noch mit ihrem Vermögen gehaftet. Heute spekulieren die Banker mit anderer Leute Geld – risikolos. Eine Deutsche Bank beispielsweise ist heute ein Hedge-Fonds ohne Verlustrisiko. Warum? Weil die Bank im Zweifel vom Staat gerettet wird. Wir brauchen wieder ein Trennbankensystem.
Was Faber, Malik und Fitzsimmons sagen, ist zwar reichlich übertrieben, geht aber in die richtige Richtung. Dampfplauderer wie Flossbach und von Storch beherrschen die Makroökonomie nicht.
Die Väter Europas wie De Gaulle, Jean-Baptiste Robert Schuman und Adenauer müssen sich im Grabe umdrehen, wenn sie sehen, was aus ihren Idealen geworden ist. Südstaaten haben sich zu Piratennestern entwickelt, die die europäische Solidarität zum skrupellosen Ausschlachten benutzen um dann unter Pochen auf die nationale Souveränität die Beute verschwinden zu lassen. Mit Frechheit und der Nazikeule wird zurückgeschlagen. Europa und seine Politiker sind eine wehrlose Beute der finanziellen Hütchenspieler geworden. Die Leute, die früher das Fallen der Schlagbäume feierten würden am liebsten Mauern zum eigenen Schutz errichten. Warum geifen die Macher nicht ein, wenn Europa nachhaltig in Stücke zerschlagen wird, zuerst mental, dann real?
Cook your own crisis - Rezept zur Eurokrise
1. Lebe über Deine Verhältniße
2. Politik: verteile Geld, um wiedergewählt zu werden. Beschönige Zahlen
3. Mache Schulden
4. Politik: sobald Du siehst, daß Finanzen aus dem Ruder laufen, versprich Besserung. Lüge und betrüge
5. Mache weitere Schulden
6. Enteigne Deine Gläuber und verkaufe die Enteigung als „freiwilliger Schuldenschnitt“
7. Mache neue Schulden
8. Lasse die EZB Geld drucken, bis ihr das Papier ausgeht
9. Unterstütze dadurch marode Banken, die in südländische Obligationen investieren
10. Inflationiere Aktienmärkte
11. Mache auf Optimismus und Erkläre das Ende der Krise (Monti)
12. Erhöhe die Garantien (Merkel)
13. Mache weitere Schulden
14. Inflationiere Rohstoffmärkte (Stichwort Ölpreis)
15. Zinsen steigen (Wachstum oder Inflation) – mache weitere Schulden
16. Kreiere weitere „Asset Bubbles“ und Staatsschulden Bubbles
17. Drucke weiterhin Geld und mache weitere Schulden
18. Inflationiere das gesamte System und beschuldige die anderen
19. Politik: Sozialisiere die Schulden
20. Politik: Enteigne die, die etwas besitzen (Sparer und Rentner) oder ziehe in den Krieg
21. Drücke den „Reset Button“ und fange nochmals von vorne an





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