
HB FRANKFURT. Der Euro ist am Montag zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren gefallen. Zuletzt wurden 1,2282 Dollar gezahlt. An den Finanzmärkten wird befürchtet, dass die Hilfen nicht ausreichen, die angeschlagenen Südeuropäer, allen voran Griechenland, langfristig zu stützen. Ein Problem sind auch die notwendigen Sparmaßnahmen selbst: Die könnten nämlich die konjunkturelle Erholung in der Eurozone abwürgen.
Für Experten steht fest: Mit dem Euro geht es weiter nach unten. Die Zweifel an der Fähigkeit des hochverschuldeten Griechenlands, den rigiden Sparkurs durchzusetzen, und die Folgen der Griechenland-Krise für den Zusammenhalt der Eurozone dürften Händler und Investoren an den Finanzmärkten weiter in Atem halten. „Jede Meldung wird derzeit gegen den Euro interpretiert“, sagt Rainer Sartorius von der Bank HSBC Trinkaus. Er sieht den Euro „auf einem starken Abwärtstrend.“
Mehrere Banken senkten ihre Jahresend-Prognosen für den Euro bereits. Die Belastungen der Euro-Länder aus dem vor einer Woche geschnürten Rettungspaket sowie ein möglicher Dämpfer für das Wachstum der Weltwirtschaft stehen für die Experten nun im Vordergrund. Unicredit sieht den Euro Ende 2010 zum Beispiel nur noch bei 1,20 US-Dollar je Euro. Es gebe keine Gegenanzeichen zu einem deutlich schwächeren Euro-Dollar-Kurs, meint Michael Rottmann, Unicredit-Devisenexperte. Mittelfristig könne der Euro sogar unter 1,18 Dollar sacken.
Die DZ-Bank-Strategen sehen den Euro auch gegenüber dem Schweizer Franken, Pfund und Yen „in der Defensive“. Einige Devisenstrategen halten es sogar für „realistisch“, dass bis zum Jahresende Euro und Dollar auf Parität stehen, wie Neil Mellor von der Bank of New York Mellon dem Nachrichtendienst Bloomberg sagte.
Zum Wochenausklang verstärkte vor allem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Sorgen über den Erfolg der Sparmaßnahmen in Europa und schickte den Euro und die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt. In einem Fernsehinterview äußerte der Chef des größten deutschen Finanzinstituts Zweifel daran, dass Griechenland ausreichend Kraft habe, um seine Schulden zu senken. Am Freitag sackte der Euro zum US-Dollar auf ein neues 19-Monats-Tief bei 1,2360 Dollar. Seit dem Jahresbeginn hat der Euro zum Dollar nun knapp 15 Prozent verloren.
An den Finanzmärkte kochten zudem Sorgen um den Zustand der spanischen Wirtschaft hoch. Auslöser war die Aussage von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, dass das Land die für 2011 angepeilte Wachstumsrate von 1,8 Prozent nicht erreichen werde.
Am Freitag verloren Aktien weltweit deutlich. In Frankfurt rutschte der Standardwerteindex Dax um mehr als drei Prozent auf 6056 Punkte, der europäische Euro-Stoxx 50-Index verlor sogar über vier Prozent. Die US-Börsen ließen Federn, weil die New Yorker Anleger angesichts der Zahlungsprobleme am anderen Ende des Atlantiks um die weltweite Konjunkturerholung fürchteten. Der Standardwerteindex Dow Jones ging um 1,5 Prozent niedriger bei 10620 Punkten aus der Woche. Gute Staatsanleihen waren dagegen extrem gefragt als sicherer Ort für Anlagekapital. Entsprechend sank die Rendite deutscher zehnjähriger Bundesanleihen auf 2,85 Prozent.
Vorerst werden die Schwankungen an den Aktienmärkten erhalten bleiben – trotz überwiegend positiver Quartalsberichte, wie die DZ-Bank-Strategen meinen. Die Schuldenkrise überlagere derzeit alles. Staatsanleihen solider Qualität dürften daher auch gefragt bleiben.
Mit Spannung schauen auch Anleger ab Montag nach Brüssel, wo sich die Euro-Finanzminister treffen, um Details zum Rettungsschirm über 750 Mrd. Euro zu besprechen. Morgen beraten sich dann die Finanzminister der gesamte EU. Ansonsten dürften in dieser Woche Konjunkturzahlen stärker in den Blick rücken, da die Bilanzsaison ausläuft. Ob die Schuldenkrise die Unternehmen beunruhigt, könnten Stimmungsindikatoren wie ZEW- und Ifo-Index zeigen. Der ZEW-Indikator wird etwas niedriger erwartet, den Ifo-Index dagegen leicht höher. Auch die USA veröffentlichen Konjunkturzahlen.
@ steuerzahler xy
ihre Vorschläge sind hervorragend!!! Absolute Zustimmung. in kürzester Zeit wäre Deutschland finanziell gesundet auch durch Nebenwirkungen des Abbaus des beamtenapparates!!!!
Überlegenswert wäre auch die komplette Abschaffung der förderalen Strukturen.
Deshalb gibt es keinen Volksentscheid. Und deshalb soll an bildung gespart werden. Nur gebildete Menschen haben solche guten Vorschläge wie Sie!!!
@ Steuerzahler xy
"... Pensionsleistungen (die Mittel werden aus den Rentenkassen einfach abgezweigt)"
ich hoffe doch das ist nicht wahr????
Über Rentenkürzungen wird stets diskutiert, Rente ab 67 ist ja beschlossen.
Und obwohl die beamtenpensionen weit größere Lücken in den Haushalt reisen, habe ich noch nichts von Pension mit 67 gehört. All dies trotz der viel höheren Lebenserwartung der beamten (warum wohl?) .
Ohne eine echte politische Union wird Europa nicht überleben. Das „Prinzip der Eigenverantwortung der Mitglieder der Eurozone“ ist die Lebenslüge konservativer Politiker in Deutschland. Europa braucht vielmehr eine demokratische Regierung, die die interessen aller bürger gegen die Dummheit und Einzelinteressen nationaler Regierungen verteidigt. Man hat den Nationalismus, aus welchem Grund immer, vielleicht um die "Mauer in den Köpfen" abzubauen erwacht. Jetzt ist Frau Merkel darin gefangen. Zauberlehrling, „Die ich rief, die Geister, / Werd’ ich nun nicht los.“ Nur die Kommentare hier lesen!





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