
FRANKFURT. Eines lässt sich seit dem Zusammenbruch der Dotcom-Blase mit Sicherheit sagen: Die Börsenwelt ist seither weit weniger bunt als zuvor. Speziell der Neue Markt, das im Jahr 1997 gegründete Nachwuchssegment der Deutschen Börse, brachte zum Höhepunkt in den Jahren 1999 und 2000 Geschichten hervor, an die man sich auch heute noch gerne erinnert.
Zweifellos eines der Highlights spielte sich am 22. Juli 1999 in der Frankfurter Festhalle ab. Dort, wo in den nächsten Wochen Eros Ramazotti oder Rihanna aufspielen, hatten damals Thomas und Florian Haffa ein ausverkauftes Haus. Vor allem Thomas Haffa, der Schulabbrecher aus dem oberbayerischen Pfaffenhofen, zog die Massen vom Teenager bis zum Rentner an. Als Chef des Medienunternehmens EM.TV war er Symbol für den großen Wohlstand, der Tausende hier in der Halle zumindest auf dem Papier zu Millionären machte. Denn wer zwei Jahre vorher beim Börsengang für 6 000 Euro Aktien geordert hatte, der hatte da die siebenstellige Summe erreicht. 16 600 Prozent betrug das Plus. Kein Wunder, dass selbst Eltern ihren Jüngsten damals dem vermeintlichen Heilsbringer vor der Bühne entgegen reckten, nur damit er ihnen einmal über das Haupt streichen möge. EM.TV hieß nach dramatischen Kursverfall anschließend EM Sport Media AG und heute Constantin Medien.
Fällt EM.TV unter den Begriff Glücksritter, so passt zu Comroad eher die Bezeichnung Raubritter. Die überwiegende Mehrzahl der Aufträge, die das Münchener Verkehrstechnik-Unternehmen regelmäßig aus Fernost gemeldet hat, waren schlicht erfunden. Ein Gericht hat Bodo Schnabel, den Chef des Ganzen, im Jahr 2002 zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Eines hatten Schnabel und die Haffa-Brüder dann doch gemeinsam: den Hang zu schnellen Autos. Beide sind in die Formel eins eingestiegen. Die Haffas hatten sich im Jahr 2000 in einer spektakulären Aktion für mehr als drei Milliarden Euro die Hälfte der Vermarktungsrechte gesichert. Comroad war einer der Top-Sponsoren beim Schweizer Rennstall Sauber. T-Shirts von damals, auf denen auf einem Ärmel der Comroad-Schriftzug prangt und auf dem anderen der von Credit Suisse, haben heute Sammlerwert.
Die große Bühne, Glamour, Stars und Sternchen - für all das stand der Neue Markt. Der Kölner Filmrechte-Vermarkter Splendid Media machte es beispielsweise nicht unter Hollywood-Diva Catherine Zeta-Jones. Mit ihr verkündete er eine exklusive Kooperation. Die damals hochschwangere Schauspielerin sorgte - umringt von einem Rudel Bodyguards - für einen Medienrummel, wie er heute bei vielen Dax-Konzernen unüblich ist.
Eher Sternchen als Star war Daniel David respektive Rudolf Zawrel. Unter dem Künstlernamen Daniel David versuchte er es in den 70ern und 80ern als Schlagersänger. 1980 trat er sogar in Ilja Richters "Disco" auf. Weit stärker in Erinnerung ist er unter seinem wirklichen Namen Rudolf Zawrel und als Chef des Internet- und Telekomanbieters Gigabell. Dem Frankfurter Unternehmen blieb es vorbehalten, kaum ein halbes Jahr nach Platzen der Dotcom-Blase das erste zu sein, das Insolvenz anmelden musste. Dutzende weitere folgten.




