Börse Inside

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Schuldenkrise: „Deutschland muss aus dem Euro austreten“

exklusivDer Euro steht auf der Kippe. Wird die Währungsunion weiter bestehen? Nein, meint Jens Ehrhardt. Allerdings rät der Vermögensverwalter nicht Griechenland zum Austritt aus dem Euro, sondern Deutschland. Ein Gastbeitrag.

„Die einzige sinnvolle Lösung lautet: Deutschland muss aus der Euro-Zone austreten. Der Rest-Euro würde stark abwerten. Auf dieser Basis hätten die Mittelmeerländer wieder eine Chance, wettbewerbsfähig zu werden.”Jens Ehrhardt, Gründer und Chef der Vermögensverwaltung DJE Kapital Quelle: Falk Heller/Argum für Handelsblatt
„Die einzige sinnvolle Lösung lautet: Deutschland muss aus der Euro-Zone austreten. Der Rest-Euro würde stark abwerten. Auf dieser Basis hätten die Mittelmeerländer wieder eine Chance, wettbewerbsfähig zu werden.”Jens Ehrhardt, Gründer und Chef der Vermögensverwaltung DJE Kapital Quelle: Falk Heller/Argum für Handelsblatt

Der Euro wird in seiner heutigen Form nicht überleben. Dazu sind die einzelnen Mitgliedsstaaten in wirtschaftlicher Hinsicht zu unterschiedlich.

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Solange die Mittelmeerländer gemeinsam mit Deutschland im Euro sind, haben sie keine Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit – etwa durch eine Abwertung der Währung – zu verbessern. Fehlende Leistungsfähigkeit sowie mangelnde Fähigkeit zur Schuldenrückzahlung werden durch die starre Konstellation der Euro-Zone sogar noch wachsen.

Immer höhere Arbeitslosenzahlen in den Mittelmeerländern werden auf die Dauer zu politischen Extremen führen, die dann nicht nur von der wirtschaftlichen, sondern auch von der politischen Seite einen Austritt erzwingen werden.

Die Politiker wären gut beraten, nicht zu lange mit den nötigen Anpassungsprozessen zu warten, da diese umso schmerzlicher werden, je länger man wartet. Andernfalls wird sich das Kohl‘sche Argument „Der Euro sichert Frieden in Europa“ ins Gegenteil umkehren.

Stimmen zur Griechenland-Wahl

  • Guido Westerwelle, Außenminister

    „Die Reformen müssen jetzt ohne Abstriche weitergeführt werden. Die Vereinbarungen stehen nicht zu Disposition. Europa kann nicht nur an zu wenig, sondern auch an zu viel Solidarität scheitern.“

  • Mario Monti, italienischer Staatspräsident

    „Der Sieg der konservativen Neuen Demokratie ist für die Zukunft Europas und der Eurozone gut. Jetzt müsse aber schnell eine Regierung gebildet werden.“

  • Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

    „Der Euro wird überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen. Aber vermutlich wird Griechenland der Währungsunion in fünf Jahren nicht mehr angehören. Die verbliebene Währungsunion wird zu einer Transfer- und Haftungsunion mutiert sein. Wirtschaftlich schwache Länder, die sich mehrheitlich Reformen verweigern, werden auf Kosten wirtschaftlich stärkerer Länder leben.“

  • Jürgen Pfister, Chefsvolkswirt der BayernLB

    „Griechenland muss nach den bisherigen Troika-Plänen weitere Haushaltskürzungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro beschließen. Angesichts dieser Einschnitte ist allerdings nicht gewährleistet, dass der von der Troika vorgezeichnete Weg erfolgreich fortgesetzt werden kann. Mit dem Wahlsieg der Reformbefürworter ist somit zunächst Zeit gewonnen. Eine erneute Umschuldung der Staatsschuld und/oder ein Austritt aus der Währungsunion sind wohl nur durch anhaltende, umfangreiche Transferzahlungen zu verhindern.“

  • Heino Ruland, Ruland Research

    „Dieses Wahlergebnis ist das Worst-Case-Szenario. Denn dadurch wird ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nur hinausgezögert. Langfristig wird der Euro zu einer Schwach-Währung, weil es Transfer-Zahlungen geben wird. Für die Aktien wäre dies positiv, denn bei einer Abwertung des Euro steigt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.“

  • Jürgen Kurz, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

    „Griechenland wird im Euro bleiben. Zum einen wäre ein Ausstieg der Griechen nicht nur für Griechenland eine ökonomische Katastrophe. Zum anderen wäre ein Ausstieg deutlich teurer als der Verbleib der Griechen im Euro. Ich gehe davon aus, dass der Euro aus der aktuellen Krise gestärkt hervorgehen wird. Voraussetzung ist allerdings, dass die Geburtsfehler der Währung endlich beseitigt werden. Hierzu gehört der Aufbau einer gemeinschaftlichen Wirtschafts- und vor allem Finanzpolitik.“

  • Michael Reuss, Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen

    Griechenland hat im Euro keine Chance zu gesunden. Griechenland braucht ein Ventil um wieder wettbewerbsfähig zu werden und das kann in dem Fall, weil der „Point of no return“ bereits überschritten ist, nur noch eine abwertende Währung sein. Aus unserer Sicht wird Griechenland in den nächsten 12 Monaten aus dem Euro ausscheiden. Den Euro wird es in fünf Jahren noch geben, weil er politisch gewollt ist. Er wird aber ein anderes Gesicht haben. Der Euro wird weniger Teilnehmer haben und tendenziell etwas schwächer sein.

  • Anita Paluch, Gekko Global Markets

    Da sich Griechenland nun einem Verbleib in der Euro-Zone verschrieben hat, atmen die Märkte durch, da das Untergangsszenario abgewendet wurde. So sehr der Wahlausgang auch die Furcht vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gedämpft hat, so zurückhaltend ist der Optimismus. Griechenland ist noch nicht über den Berg. Darüber hinaus gibt es neben Griechenland auch noch andere Faktoren, wie die steigenden Finanzierungskosten in Italien und Spanien.

  • Roger Peeters, Close Brothers Seydler

    „In den vergangenen Wochen ist Angela Merkel mehr und mehr zum Feindbild geworden, aber ihr Verlangen nach einer soliden Haushaltspolitik kommt der nächsten Generation in ganz Europa zugute. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass das Wirtschaftswachstum in Südeuropa in Schwung kommt. Mit dem Wahlergebnis in Griechenland ist eine konstruktive Debatte möglich. Die Märkte dürften optimistisch in die neue Woche starten.“

  • Manfred J.M Neumann, Ökonom und Währungsexperte

    „Dass Griechenland im Euro bleibt ist unrealistisch. Ein wirtschaftlicher Aufstieg ist ohne eine Abwertung um etwa 30 Prozent nicht denkbar. Den Euro wird es auch in zwanzig Jahren noch geben. Allerdings lässt sich nicht von der Hand weisen, dass das eine oder andere südeuropäische Land ebenfalls den Euro verlassen wird. Das würde den Euro nicht schwächen und wäre auch nicht als Scheitern Europas zu werten. Es würde zu realistischeren und damit stabileren Währungsrelationen in Europa führen.“

  • Alfred Roelli, Chefanlagestratege Pictet

    Das Risiko, dass Griechenland den Euro verlässt, bleibt hoch. Die Chance, dass Griechenland in der Euro-Zone verbleibt, schätzen wir etwas höher ein als jene eines Austritts. Den Euro wird es auch in fünf Jahren noch geben. Dies allerdings nur, wenn stärker zentralisiert wird und die Überwachung der Mitglieder intensiviert wird. Wir sind weiterhin der Meinung, dass eine vernünftig aufgesetzte Eurobond-Struktur Teil der Lösung sein wird. Leider wird die Diskussion der Euro-Bonds dogmatisch und ideologisch geführt.

Die im Ausland geforderte Vergemeinschaftung der Schulden – zum Beispiel via Euro-Bonds – kommt nicht infrage. Dadurch würde Deutschland in Schuldensumpf hineingezogen. Nicht nur die Kosten für die Refinanzierung würden dadurch steigen. Auch die Konjunktur würde sich verschlechtern. Je mehr Zins- und Verschuldungsgleichheit in Europa herrscht, desto schlechter die deutsche Binnenkonjunktur inklusive Immobilienmarkt. Der Export dürfte sich ohnehin weltwirtschaftsbedingt abflachen.

Auch ein ständiges Gelddrucken durch die Europäische Zentralbank ist keine Alternative, die von der Mehrheit der heutigen Euro-Länder akzeptiert werden kann.

Die einzige sinnvolle Lösung lautet: Deutschland muss aus der Euro-Zone austreten. Der Rest-Euro würde stark abwerten. Auf dieser Basis hätten die Mittelmeerländer wieder eine Chance, wettbewerbsfähig zu werden. Ähnlich wie China oder die Schweiz könnte man die deutsche Aufwertung begrenzen und dabei wertvolle Währungsreserven bilden.

Der Autor ist einer der prominentesten deutschen Vermögensverwalter. Als Gründer und Vorstandschef der DJE Kapital AG wacht der Münchener über ein Vermögen von rund zehn Milliarden Euro.

153 Kommentare

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  • 04.09.2012, 13:51 UhrKoscho

    Danke Herr Ehrhardt. So muß und kann es gehen. Alternativlos. Wir können nur unseren europäischen Nachbarn helfen, wenn wir selbst nicht untergehen. Zielgerichtete Solidarität. Die Völker werden uns verstehen. Und was die Nichtgewählten machen? Die Menschen in der EU brauchen alle Hilfe, um sich von der selbst ernannten Elite verabschieden zu können. Wir brauchen einen gerechten Richterspruch aus Karlsruhe, evtl. eine vorgezogene Neuwahl und evtl. einen Marshallplan, um unseren östlichen Partnern aus ihrer nicht selbst verschuldeten Not zu helfen - sie wurden nach Kommunismus und Bolschewismus Hals über kopf in den Casino-Kapitalismus katapuliert. Die EU und "alle Menschen werden Brüder" können in Frieden leben, und auch die Industrie, der Mittelstand und die Handwerksbetriebe. Ja, ich träume weiter und hoffe, dass die Mehrheit nicht einfach nur "abgebrüht ist" ist.

  • 23.08.2012, 12:25 UhrBouraghini

    ...und viele hatten es eigentlich gewusst, dass das in Hose gehen musste. Ein vereinigtes Europa. Hätten die Politer einfach nur die Grenzen aufgehoben, Zölle eingestellt....wozu dieses dämliche Europe "Jedrisse"? Aber nein, es mußte eine einheitliche Währung her. Der, meiner Meinung nach (da ich viel in Europa unterwegs bin), einzige Vorteil (Ausnahmen, unsere Inseläffchen....naja, die gönnen sich ja auch noch die Monarchie), die Dänen ect....
    Früher hatte man sich gefreut, wenn man für 100 DM soundsoviel mehr Peseten, wie im Vergleich zum Vorjahr bekommen hat. Wen hat es gestört? Niemanden.
    Das, und ich habe mit dem Bankensektor oder der Betriebswirtschaft nichts zu tun, war für mich die erste Frage....wie soll das funktionieren. Traue keiner Bilanz die du nicht selbst gefälscht hast....und dann die Italiener. Ich hätte schwören können, dass die zuerst den Fingern gehoben hätten....tja, falsch gelegen.
    Sorge bereitet mir nur, was mit den ca. 27000 Schmarotzern in Brüssel, Luxenburg und wo sie sich auch immer gerade rumtreiben, und kräftig Spesen generieren (oder Titel kaufen), passieren wird, wenn wir aus der EU austreten. Müssen wir die zum Teil zurücknehmen?
    Statt andere permanent retten zu müssen, könnten wir uns ein bisschen mehr auf den heimischen Markt konzentrieren, und eingesparte Gelder dort intelligent investieren.....und keiner von den Brüssler Flachzangen, schreibt uns vor, wer und wieviel subventioniert wird.....nein, ich bin auch kein Bauer, egal. Ich bin froh, dass der Krümmungswinkel der Banane mittlerweile festlegt wurde.
    Ach ja, hätte ich fast vergessen, Länder die durch egal welch´gearteten Irrsinn pleite gegangen sind, können und werden keine "deutschen Produkte" kaufen.

    Mit freundlichen Grüßen

  • 21.08.2012, 12:25 UhrBaier

    Austritt ist die vernünftigste Lösung. Und dann kann uns niemand vorwerfen, wir würden den anderen Staaten durch unsere (angebliche) Sparpolitik schaden.

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