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Spekulanten: Das Geschäft mit dem Börsenabsturz

Niemand mag die Spekulanten, die von Aktiencrash und Schuldenkrise profitieren. Doch Verbote bringen nichts. Im Gegenteil: Die Wetten auf fallende Aktienkurse sind gut für die Märkte. So arbeiten die Spekulanten.

von Heike Riemer, Martin Gerth, Angela Hennersdorf, Heike Schwerdtfeger und Yvonne Esterházy Quelle: Wirtschaftswoche Online
Die Anzeigetafel des Deutschen Aktien-Index DAX. Quelle: dapd
Die Anzeigetafel des Deutschen Aktien-Index DAX. Quelle: dapd

Düsseldorf, London, New York, FrankfurtJames Chanos, so scheint es, macht mit allem Geld, was fällt. Er verdiente am Niedergang des Energiehändlers Enron vor zehn Jahren, profitierte vom Absturz des US-Immobilienmarkts 2007, der letztlich die Finanzkrise auslöste, und hat jetzt China ins Visier genommen: Alles aufgeblasen, sagt er – und wettet munter auf den Absturz von Chinas Immobilienwirtschaft.

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Chanos, 53, dunkle Hornbrille, graue Haare, rundlich, Typ Harvard-Professor, ist Shortseller. Mit seinem sechs Milliarden Dollar schweren Hedgefonds Kynikos Associates setzt er bevorzugt auf fallende Kurse von Aktien, die er sich nur geliehen hat: Leerverkauf oder „Shorten“ nennt sich das. Und funktioniert nicht nur mit Aktien, sondern auch mit Staatsanleihen.

Spekulanten wie Chanos würden mit ihren Wetten Unternehmen, Banken und am Ende auch Staaten in den Ruin treiben, sagen Politiker. „Unsere Entschlossenheit, diese Phänomene zu bekämpfen, ist ungebrochen, unerschöpflich und umfassend“, tönte etwa Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach dem Gipfel mit Angela Merkel in der vergangenen Woche. Als die Aktien französischer Banken abstürzten, verhängten Paris und mehrere andere europäische Regierungen ein Leerverkaufsverbot. Die Kurse beruhigten sich. Die aller anderen Aktien, für die es keine neuen Regeln gab, allerdings auch.

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Leerverkäufer, sagt Chanos, sind nützlich. Sie bemerken früher als andere, wenn bei Finanzpapieren etwas faul ist. So schützen sie Investoren davor, Papiere zu teuer zu kaufen. Das Feindbild des kapitalistischen Aasgeiers bekommt bei ihm eine ganz andere Färbung. Was aber sind Shortseller nun wirklich, skrupellose Gierhälse oder nützliche Gesundheitspolizei? Sind sie so gefährlich, wie Manager, Banker und Politiker sagen? Oder führen Verbote von Leerverkäufen ins Leere, sind womöglich sogar schädlich und lenken von anderen, viel gefährlicheren Phänomenen ab?

Für die Politik, die die Schuldenkrise nicht in den Griff bekommt, ist klar: Spekulanten sind schuld am Kursverfall von Staatsanleihen und Aktien. Wirtschaftsminister Philipp Rösler verlangt, „dass hochspekulative Finanzgeschäfte nicht nur in Europa, sondern auch auf der Ebene der G7-Staaten verboten werden“. SPD-Chef Sigmar Gabriel stößt ins gleiche Horn.

  • 30.08.2011, 23:50 UhrMJM1605

    Was Sie da sagen ist völlig logisch. Aber die meisten Menschen können eben nicht über ihren eigenen Bauchnabel hinweg denken. Wie auch die meisten bei gutverzinsten Geldanlagen nicht fragen was der Fond denn mit seinem Geld macht um fähig zu sein solche Zinsen zu zahlen.

  • 30.08.2011, 22:30 Uhrheracliusb

    Ich hätte noch eine Verständnisfrage: Warum verleiht jemand Aktien an einen Shortseller, damit dieser den Börsenkurs drücken kann? Nach der Ausleihzeit bekommt der Verleiher Aktien zurück, die deutlich niedriger notieren als zuvor, und die Verleihgebühr bringt keine großen Beträge ein. Ist es für den Verleiher denn nicht nachteilig, wenn sein Aktienbestand nachher weniger wert ist?

  • 30.08.2011, 18:05 Uhrjneugebauer

    Klar, wenn es anderen Börsenplätzen gelingt die Liquidität aufzufangen, dann passiert erst mal nix. Aber man weiß ja nicht wie sich das Angebot von IB in Zukunft ändert. Du gehst davon aus, dass die Politik den Kapitalverkehr nicht einschränkt und alles so belässt wie heute. Das ist unwahrscheinlich. Wenn die Politik aktiv wird, dann wird sie richtig durchgreifen, oder zumindest zeitverzögert nachbessern.

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