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Treibhausgas-Zertifikate: Weltmarkt für CO2-Rechte

Der Handel mit Treibhausgas-Zertifikaten wird in den nächsten Jahren stark wachsen. Experten glauben, dass das vornehmlich auf das European Trading Scheme konzentrierte Geschäft globale Dimensionen erreichen wird. Weltweit werden neue Emissionshandels-Systeme entstehen, die miteinander verknüpft werden. Bei Prognosen über die künftige Größe des globalen Carbon-Marktets übertreffen sich die Experten gegenseitig.

INTERLAKEN. Die New York Mercantile Exchange (Nymex) traut dem Gesamtmarkt im Jahr 2020 ein Marktpotenzial von einer Billionen US-Dollar zu. Bart Chilton von der amerikanischen Derivate-Aufsichtsbehörde CFTC sprach sogar davon, dass während eines relativ kurzen Zeitraums ein Markt im Wert von zwei Billionen US-Dollar entstehen wird. "Ich fürchte, selbst diese Prognose ist noch zu niedrig. Wir sehen ein Potenzial von bis zu drei Billionen US-Dollar", sagte Patrick Birley, Vorstandschef der European Climate Exchange (ECX), auf einer von der Derivatevereinigung SFOA in Interlaken organisierten Konferenz. Zum Vergleich: Der Wert der gehandelten CO2-Finanzprodukte lag im vergangenen Jahr bei 64 Mrd. Dollar.

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Während viele Politiker meist nur große Reden zum Thema Klimaschutz schwingen, habe der Markt längst Lösungen gefunden, sagte Eric C. Bettelheim, Chairman von Sustainable Forestry Management. Weltweit würden zahlreiche Cap-and-Trade-Systeme bestehen. Dabei wird im Rahmen des Kyoto-Protokolls für jedes Land die Reduzierung des CO2-Ausstoßes festgelegt. Wer zu viel CO2 emittiert, muss entsprechende Rechte erwerben, wer weniger ausstößt, kann die Verschmutzungsrechte verkaufen. Über den Freiverkehrsmarkt oder über Börsen wie die ECX in London oder die EEX in Leipzig bildet sich so ein Preis.

Nachdem auch Neuseeland (für 2009) und Australien (für 2010) den Einstieg in ein dem European Trading Scheme (ETS) ähnliches System angekündigt haben, sehen Fachleute gute Chancen, dass ein neuer US-Präsident im kommenden Jahr klimapolitisch in die Offensive gehen wird. Amtsinhaber George W. Bush hatte sich geweigert, das im Jahr 2005 verabschiedete Kyoto-Protokoll der UN zu übernehmen. Er sah für die US-Wirtschaft Wettbewerbsnachteile, weil auch China und Indien nicht teilnehmen.

"In den USA dachten viele, all dies sei heiße Luft", sagte Bettelheim. Inzwischen habe sich jedoch ein Umdenken eingestellt, wie mehrere Initiativen von US-Bundesstaaten zeigen. Er wäre nicht überrascht, wenn in den USA in nur einem Jahr ein neues Emissionshandelsgesetz verabschiedet würde, sagte Börsenaufseher Chilton. Der Erfolg des ETS in Europa basiere vor allem auf dem Willen europäischer Politiker, sagte Patrick Birley in diesem Kontext.

Der ECX-Vorstandschef sieht als künftiges Bindeglied eines globalen Markes vor allem die sogenannten CO2-Emissionsgutschriften. Diese CER (Certified Emission Reductions) werden von der UN für Klimaschutzprojekte in den Entwicklungs- und Schwellenländern vergeben - etwa für Aufforstungsmaßnahmen, die den CO2-Ausstoß reduzieren. Staaten oder Unternehmen können diese CER auf die eigenen Verpflichtungen anrechnen und an den Börsen handeln.

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