Bulle + Bär

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Bulle und Bär: Die Ruhe vor dem Sturm am Anleihemarkt

Anleger sollten sich nicht von der Erholung am italienischen und spanischen Anleihemarkt täuschen lassen. Die Hoffnung auf die EZB hat nur kurze Beine, denn die Risiken bleiben hoch.

Italienische Fußballfans bangen um ihre Mannschaft. Der Markt für italienische Anleihen bleibt riskant. Quelle: dapd
Italienische Fußballfans bangen um ihre Mannschaft. Der Markt für italienische Anleihen bleibt riskant. Quelle: dapd

FrankfurtMit spanischen und italienischen Anleihen haben Investoren in den vergangenen fünf Wochen ordentlich verdient. Davon sollten sich Privatanleger, die Anleihen als sichere Anlage bis zur Fälligkeit halten wollen, aber nicht täuschen lassen. Die Risiken bei spanischen und italienischen Bonds sind zu hoch.

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Geschuldet ist die jüngste Rally der Anleihen der beiden Südländer der Europäischen Zentralbank (EZB). Als deren Präsident Mario Draghi vollmundig erklärte, die Notenbank werde alles tun, um den Euro zu retten, entfachte er neue Hoffnungen auf weitere Anleihekäufe der Notenbank. Weitere, ähnliche Gerüchte folgten. Hinzu kommen noch die Diskussionen, ob nicht auch der Rettungsschirm ESM Anleihen der Euro-Krisenländer kaufen könnte.

Die Anleihemärkte haben darauf prompt reagiert: Die Kurse steigen, und so fiel seither im Gegenzug die Rendite. Bei zehnjährigen spanischen Anleihen etwa sank sie um knapp einen Prozentpunkt auf 6,7 Prozent.

„Heißer Herbst“ für die Euro-Retter - Der Fahrplan in der Krise

  • Ende September/Anfang Oktober

    Die „Troika“ der internationalen Kreditgeber Griechenlands will ihren neuesten Bericht über die Fortschritte bei den Reformen veröffentlichen. Die Analyse der Experten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist Grundlage für die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Athen.

  • 8. Oktober

    Treffen der Euro-Finanzminister.

  • 18. und 19. Oktober

    EU-Gipfel in Brüssel. Dort könnten die Euro-Retter entscheiden, ob Athen weitere Kredite und möglicherweise mehr Zeit für sein Sparprogramm erhält oder ob der Geldhahn zugedreht wird. Im letzteren Fall droht Griechenland der Staatsbankrott mit anschließendem Euro-Austritt.

Hoffnungen auf die EZB lösen eine kurzfristige Positivspirale aus

Mit spanischen Anleihen aller Laufzeiten erwirtschafteten Anleger gemessen an Indizes der Bank of America Merrill Lynch in den vergangenen fünf Wochen einen Gesamtertrag aus Kursgewinnen und Zinseinnahmen von knapp acht Prozent, mit italienischen Anleihen ließen sich sechs Prozent verdienen. Diese Entwicklung könnte auch manchen Privatanleger zum Kauf verleiten. Doch Vorsicht: Die Wirtschaftslage der Staaten ist nach wie vor schlecht, und ob beide Länder in zehn Jahren ihre Anleihen komplett zurückzahlen, ist nicht sicher.

Beide Länder gehen zwar Reformen an, um die Staatsverschuldung zu senken. Doch das würgt die wirtschaftliche Entwicklung ab; Italien und Spanien stecken in der Rezession. Dazu kommt, dass Spanien wohl mindestens 60 Milliarden Euro aus den Euro-Rettungstöpfen für die Sanierung seiner maroden Banken braucht. Und einige spanische Regionen brauchen die Hilfe des Zentralstaats.

So viel kostet Europa

  • Rettungsfonds EFSM

    Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

  • 1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

    Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

  • Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

    Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

  • IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

    Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

  • Geplanter ESM

    Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

  • Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

    Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Die Spekulationen auf die EZB-Hilfen haben zwar eine kurzfristige Positivspirale ausgelöst - aber die Umsätze sind gering geblieben. Um die Kurse zu treiben, reicht es, dass relativ wenige Investoren auf den fahrenden Zug aufspringen. Sie kaufen die Anleihen, um kurzfristig weitere Kursgewinne einzustreichen. Das kann aber schnell wieder kippen.

  • 10.10.2012, 22:18 UhrFrankRw

    Richtig, ich erwarte auch, dass die Draghi-Versicherung in der Wirkung nur von kurzer Dauer sein wird, wenn nicht bald eine Rückkaufaktion geschieht. Viele spekulieren doch schon darauf und werden sich auf Kosten der Steuerzahler die Gewinne abholen. Das wird das einzige Ergebnis sein, das Hr. Draghi erreicht! Toll gemacht; und sogar ohne parlamentarische Kontrolle oder die einer gewählten Regierung. wo bleibt der Souverän? Abseits, wie immer wenn die Politik bei diesem Thema entscheidet.
    Dabei muss allen klar sein, dass der € so nicht zu retten sein wird, weil die Finanzkraft der "guten Länder" dafür nicht ausreichen wird und nur alle mit in den Pleite-Sog mitgerissen werden! Der € ist nur zu retten, wenn die Schuldnerländer austreten! Aber das werden sie nie tun, wären ja auch blöd da sie so ihre Schulden bequem verteilen können und nur zu einem geringen Teil selbst begleichen müssen.
    Wir Deutsche werden nicht den Mut haben auszutreten! Das traue ich unseren politikern nicht zu; sie werden uns brav zur Kasse bitten (€-Soli!) und uns wie Lämmer zur Schlachtbank führen! Leider! Weidmann ist meine einzige Hoffnung!!!

  • 03.09.2012, 03:36 Uhrtomtom

    Nur Schade, das dieser Gewinn an allen Personen die nicht Eigentümer von Exportfirmen sind, komplett vorbeigegangen ist. Und kommen Sie nicht mit sinkenden Arbeitslosenzahlen: Ein Job, von welchem man noch Unterstützung zum Sozialhilfeniveau bekommen muss ist keiner, es ist simple Sklaverei. (Sklaverei = Unterkunft und Nahrung zum erhalt. Die Schläge hat man sich gespart)

  • 03.09.2012, 01:29 UhrDeutscherMichel

    Deutschland kann und darf jederzeit aus der EU/Währungsunion, wenn von Vorteil, austreten.
    Also keine Panik, im Moment geht es Deutschland prächtig und es profitiert des Malheurs der anderen.
    Wenn die Zeit für den Austritt reif ist wird sich schon jemand finden der das tut, keine Sorge.
    Aber im Moment leben wir Deutsche wie die Marder im Speck und auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit über unseren Leistungsbilanzüberschuss exportieren (15 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit 17 Jahren)
    Was wollen wir noch mehr, die paar Milliarden die wir netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unsere Mitgliedschaft in der EU realisieren dürfen.
    Uns Deutsche geht es prächtig, genießen wir es einfach, egal wie es den anderen EU-Ländern geht und ob in Spanien die Jugendarbeitslosigkeit über 50% liegt. Wem juckt denn das? Dem Herr Weidmann bestimmt nicht und mir auch nicht!

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