FRANKFURT. Seltsame Börse wieder mal: Gestern überraschten die Zahlen von Alcoa positiv, davor die zur deutschen Industrieproduktion. Und zwar so sehr, dass mancher Volkswirt die Rezession bereits hinter uns sieht. Am Montag waren die Auftragseingänge neunmal stärker gestiegen, als es Analysten vorhergesagt hatten. Und vergangene Woche fielen Einkaufsmanagerindizes derart hoch und Lagerbestände derart niedrig aus, dass schon eine moderate Erholung für ordentlich Schub sorgen würde.
Und was machen viele Börsianer? Sie grämen sich noch immer über der Frage, ob der steile Aufstieg im zweiten Quartal nicht doch übertrieben ausgefallen ist. Dabei ist dieser Denkansatz schon falsch. Der unterstellt nämlich, das die Börse jeden Tag aus der Vielzahl der kleinen und großen Nachrichten eine Positiv-Negativ-Liste machen würde, nach deren Ergebnis der Dax dann exakt um jenen Ausschlag nach oben oder unten rutscht.
Tatsache ist, dass es aus der so lange darbenden Industrie nun endlich die Nachrichten gibt, die man sich so lange gewünscht hat. Dumm nur, dass sie deswegen kaum Widerhall finden, weil die Berichtsaison für das zweite Quartal in den USA gerade anläuft, wo es wieder einmal weniger um die Vergangenheit, sondern mehr um den Ausblick geht. Der wiederum ist – wie nach zwei Jahren Krise nicht anders zu erwarten – mit vielen Fragezeichen behaftet. Hinzu kommen plötzlich wieder die geopolitischen Gefahrenherde im Iran und in Nordkorea, deren Einfluss auf die Börsen zwar latent vorhanden ist, im Moment nur eben wieder etwas mehr als sonst.
Es ist natürlich nicht so, das kein Experte das Potenzial all der jüngsten Erfolgsmeldungen erkannt hätte. Die Analysten von JP Morgan gingen am Donnerstag – für eine US-Bank eher untypisch – mit einer Studie an den Markt, in der sie Aktien aus dem Euroraum bevorzugt vor US- und britischen Titeln empfehlen. Und ganz besonders gut kommen dabei die deutschen Aktien weg.
Börse ist nunmal so, dass sich nicht jede Meldung gleich unmittelbar in den Kursen niederschlägt. Manchmal dauert es etwas länger. Gut für die, die jetzt noch überlegen.




