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Bulle & Bär: Krisenanlagen: Pure Verzweiflung

Die Rohstoffmärkte befinden sich in einer langfristigen Hausse. Auf diese These hatten sich viele Börsianer geeinigt. Doch jetzt erscheint es manchen Anlegern so, als würden ihnen die Profis ein fröhliches „April, April“ zurufen.

INGO NARAT | FRANKFURT

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Die Rohstoffmärkte befinden sich in einer langfristigen Hausse. Auf diese These hatten sich viele Börsianer geeinigt. Doch jetzt erscheint es manchen Anlegern so, als würden ihnen die Profis ein fröhliches "April, April" zurufen. Nach mehrjährigen Preisgewinnen tauchten die Rohstoffe im Juli ab: Der CRB-Index verlor zehn Prozent - es ist der höchste Monatsverlust seit 28 Jahren. Öl rutschte unter 120 Dollar je Fass, Gas kollabierte in diesem Monat um fast ein Drittel. Manche Industriemetalle sind in der jüngeren Zeit regelrecht abgestürzt.

Flink kommen alle bisherigen Überzeugungen auf den Prüfstand. Die große Geschichte vom stetig steigenden und Preis treibenden Bedarf aus China verschwindet erst einmal in den Schubladen. Skeptiker rufen bereits das Ende der Rohstoffhausse aus. Dabei hatten erfahrene Börsenkenner schon vor Monaten prognostiziert, dass die Finanzkrise und die drohende Rezession in den USA alle Vermögenswerte nach unten ziehen würde.

Und dieser Fall ist eingetreten. Nach den Immobilien, den risikoreichen Anleihen und den Aktien erwischt es nun auch den bisher "sicheren Hafen" der Commodities. Die Unsicherheit ist mit Händen zu greifen, abzulesen an breit gespreizten Erwartungen. Bei Öl etwa rechnet Goldman Sachs mit 150 Dollar am Jahresende, während andere Experten ein Comeback zweistelliger Preise ankündigen. Die unvermeidbare Wirtschaftseintrübung muss die konjunktursensiblen Rohstoffe belasten. Energierohstoffe und Industriemetalle stecken daher in einer Preiskorrektur - auf kurze bis mittlere Sicht.

Anders ist die Lage bei Agrargütern und insbesondere bei Edelmetallen. Das dazu passende Szenario sieht so aus: Die Inflation steigt weiter, die globale Finanz- und Verschuldungskrise eskaliert. Auf diesem Nährboden gedeihen klassische Krisenanlagen wie Edelmetalle. Der Goldpreis ist zwar vom Top abgebröckelt, aber seine "Sommerpause" hat Tradition. Und diese Pause neigt sich dem Ende. Der nächste Aufschwung des gelben Metalls könnte von neuen Hiobsbotschaften getrieben sein. Krisensymptome gibt es zuhauf. Es reicht ein Blick auf die katastrophale Lage am US-Immobilienmarkt: Wer ein Haus zu kaufen bereit ist, bekommt in Einzelfällen schon ein zweites gratis. Und eine Pleitewelle bei US-Banken ist realistisch.

Viele Vermögensverwalter erkennen, dass die große Party an den klassischen Aktien- und Anleihemärkten vorüber ist. In den letzten Tagen warnen erfahrene Börsianer aus Nordamerika vor einem Desaster. Eric Sprott von Sprott Asset Management erkennt eine systematische Kernschmelze des Finanzsystems. Der alte Hase Jeremy Grantham, seit vielen Jahrzehnten im Geschäft, erwarb vor zwei Wochen zum ersten Mal in seinem Leben Gold. Er argumentiert mit einem Satz, der in die Liste der Börsenaphorismen eingehen könnte: Ich hasse Gold, und ich würde es nur kaufen, wenn ich verzweifelt wäre.narat@handelsblatt.com

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