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Finanzmärkte: Liebe Anleger, Ihr macht Euch was vor!

Krise, welche Krise? In der Finanzwelt blenden die Anleger die Probleme Europas aus und kaufen kräftig Aktien. Aber zu glauben, das Schlimmste an den Märkten wäre schon vorbei, ist naiv. Zumindest kurzfristig.

An der Frankfurter Börse scheint die Krise keinen Platz zu haben. Quelle: dapd
An der Frankfurter Börse scheint die Krise keinen Platz zu haben. Quelle: dapd

Frankfurt Die Lage ist ernst – ernster, als manche glauben. Die aktuelle Krise geht ans Eingemachte – das ist nicht zu leugnen. Doch wen interessiert das eigentlich hierzulande? Den Deutschen geht es gut, sie haben ihren Lebensstandard gehalten – trotz Krise. Sie zeigen eine Eigenschaft, die man von ihnen kaum kennt: Optimismus. Das Gerede von der Krise haben sie schlichtweg satt.

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Aber die Krise existiert, das ist Fakt. Viele wollen das nicht sehen, was Politikern gelegen kommt. So bleiben Systemschwächen verdeckt. Banken, Versicherungen und Pensionskassen geraten als „Staatsfinanzierer“ in die Ausweglosigkeit. Das gigantische Schuldenproblem wird auf dem Rücken der Bürger gelöst. Das kann depressiv machen. Genau das aber soll vermieden werden. Kapitalanleger sollen sich nach dem Willen der Politiker weniger mit der Krise beschäftigen. Das wäre gefährlich. Dann könnten Politiker notwendige Entscheidungen nicht mehr ohne Wählermandat umsetzen.

So viel kostet Europa

  • Rettungsfonds EFSM

    Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

  • 1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

    Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

  • Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

    Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

  • IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

    Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

  • Geplanter ESM

    Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

  • Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

    Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Der Ausweg: Menschen werden in gute Stimmung versetzt. Der Krisenlärm wird durch Ablenkungsmanöver und Schalldämpfer gedämpft. Kapitalanlegern und Steuerzahlern bleibt so der Spaß am Leben erhalten; sie sollen das System ja weiter stützen. Kritisches Nachdenken würde nur schaden.

Gute Laune muss also her – gerade in der Finanzwelt. Auch wenn sie künstlich durch Politiker erzeugt wird. Fakt ist: Die Krise hat eine gigantische Liquiditätsschwemme bewirkt, die Aktien in höhere Gefilde katapultiert und wohl auch deshalb weiter stützen wird, weil der Nimbus von Staatsanleihen als sicherste aller Anlagen nicht mehr besteht. Dass die Renditen deutscher und amerikanischer Staatsanleihen von ihren unrealistisch tiefen Ständen zuletzt kräftig nach oben geschossen sind, haben viele Anleger als Warnsignal aufgefasst.

Das aus Bonds abgezogene Geld floss verstärkt in Aktien, weil Investoren der freien Wirtschaft mehr vertrauen als Regierungen. Doch Börsenprognosen allein auf den Faktor Liquidität zu stützen, ist gefährlich. In den aktuellen Kursen ist die Gefahr einer globalen Rezession nicht eingepreist. Mit anderen Worten: Die Krise kann noch für negative Überraschungen sorgen. Heute als Kapitalanleger zu glauben, das Schlimmste sei ausgestanden, ist ein sehr gefährlicher Standpunkt.

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Aber letztlich ist alles nur eine Frage des Zeithorizonts. Aktuell ist die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos. Jede Krise bietet Chancen. Wenn das Centennium-Debakel – sei es schleichend oder durch lauten Knall – beendet ist, wird die Welt eine neue ökonomische Blüte erleben. Das macht gute Laune.

  • 24.08.2012, 09:32 UhrSodener

    Als der Dax zu Beginn der Woche noch Richtung neuem Jahreshoch lief hat man solch eine Überschrift nicht gelesen obgleich sich an der Rahmenbedingungen absolut nichts geändert hat - dies ist typischer Populismus, dies Warnung hätte das HB mal vor einer Woche schreiben müssen -das wäre Größe gewesen!!!

  • 24.08.2012, 10:00 UhrAstrologinPalmer

    Das wußten die Römer schon, wie man das blöde Volk am Nachdenken hindert: Brot und Spiele!
    Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein blödsinniges Sport-Ereignis zum 100 000sten Mal herausfinden will, wer die schnellsten Beine hat oder wer am meisten Tore schießt.
    Die Kosten für diesen Unfug liegen als Werbekosten auf den Produkten, die der Brot- und Spiele- Konsument kauft.
    Die Regierung kauft sich mit Billionen-Aufwand ihre arbeitsscheuen Wähler und füttert sie so mit dem Brot, das die Fleißigen durch ihre Arbeit verdienen.

  • 24.08.2012, 10:31 UhrMIRO

    Die Krise vorbei? Erstaunlich in der Tat wie die Masse der
    Gesellschaft mit den Problemen umgeht.Geändert hat sich ja garnichts.Im Gegenteil, die Verschuldung Europas schreitet mit riesen Schritten voran.Die Wirtschaft stagniert und steuert auf eine Rezession hin. Der Euro bricht zusammen und Europa sowieso. Die Politik ist unfähig zu Lösungsansätzen da jedes Land nur auf die eigenen Vorteile bedacht ist und von lauter eitlen egomanen regiert wird.
    Jeder, der halbwegs seine 5 Sinne beisammen hat, weiss ,dass das Kartenhaus Europa mit seinem Euro bald Geschichte sein wird.Doch was tut die Masse, Hauptsache man kann noch in Urlaub fahren oder sich sein neues Automodell leisten und dies natürlich auch auf Pump!
    Unsere Politiker kennen ihr Volk sehr gut.Das Volk agiert in einer geradezu kollektiven Verdrängung.Es wird ein böses erwachen geben.gez.walter werner.de

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