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Rohstoffe: Glencore hat das eigene Blatt überreizt

Mit der Hilfe von 23 Banken schaffte der Rohstoffriese Glencore trotz der heftigen Korrektur an den Rohstoffmärkten einen rekordverdächtigen Börsengang. Nun geht ihm die Luft aus.

Rohstoffriese Glencore verliert den anfänglichen Glanz. Quelle: SAP/dpa
Rohstoffriese Glencore verliert den anfänglichen Glanz. Quelle: SAP/dpa

LondonMit der Premiere in Hongkong hat Glencore auch den letzten Schritt seines rekordverdächtigen Börsengangs getan. Vorstandschef Ivan Glasenberg hat einen langen Weg hinter sich, an dessen Ende gleich eine ganze Reihe von Superlativen stehen. Mit der Platzierung in London und Fernost sammelt der weltgrößte Rohstoffhändler elf Milliarden Dollar ein, damit kommt der gesamte Konzern auf einen Wert von 60 Milliarden Dollar. Gleich 23 Banken halfen, das Schweizer Unternehmen an die Börse zu führen.

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Aber selbst die geballte Bankenmacht konnte nicht verhindern, dass Glencore auf der Zielgeraden die Luft ausging. Auch in Hongkong rutschte die Aktie unter den Ausgabepreis. In London notierten die Anteile gestern bei 521 Pence und damit knapp zwei Prozent unter dem Emissionspreis.

Glasenberg wird dennoch zufrieden sein und darauf verweisen, dass der Mammutbörsengang trotz der heftigen Korrektur an den Rohstoffmärkten reibungslos über die Bühne ging. Das ist zwar richtig, allerdings hat der Glencore-Chef selbst dafür gesorgt, dass mit der Platzierung kaum etwas schiefgehen konnte. Für fast ein Drittel der angebotenen Aktien sicherte sich Glencore sogenannte Ankerinvestoren: Großanleger, die bereits vor dem Börsengang ein Engagement fest zusagten. Außerdem sorgte die schiere Größe des Börsengangs dafür, dass die Glencore-Aktie bereits am ersten Handelstag in den Londoner Leitindex FTSE-100 aufrückte. Das bedeutet, dass viele Fonds, die sich mit ihren Investments an dem Kursbarometer orientieren, die Papiere kaufen müssen. Angesichts dieser Ausgangslage hätte es schon einen regelrechten Crash an den Rohstoffmärkten geben müssen, um den Börsengang ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Teurer Rohstoffgigant

Bleibt die Frage, warum die Aktie dann trotz Glasenbergs geschickter Vorbereitung unter den Ausgabepreis sackte. Die Antwort lautet, Glencore ist vielen Fondsmanagern schlicht zu teuer. Die Analysten von Alliance Bernstein erwarten von den Schweizern in diesem Jahr einen operativen Gewinn (Ebitda) von neun Milliarden Dollar. Gemessen an der Summe von Börsenkapitalisierung und Nettoverschuldung ergibt sich damit eine Bewertung von 8,2. Das ist fast doppelt so viel wie der Durchschnitt aller an der Londoner Börse notierten Minenwerte. Firmen wie BHP Billiton oder Rio Tinto werden im Schnitt nur mit dem 4,3-Fachen des operativen Gewinns bewertet. Glencore mag mit seinem Geschäftsmodell, das geschickt den Handel mit der Förderung von Rohstoffen verbindet, in vieler Hinsicht einzigartig sein. Aber die Botschaft der Großanleger ist: So einmalig sind die Schweizer auch wieder nicht.

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