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Verschwiegene Risiken: Wann kommt der Beipackzettel für Bundesanleihen?

Der Bund trommelt für seine Wertpapiere und verharmlost die Anlagerisiken von Staatsanleihen. Eigentlich wäre das ein Fall für Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner.

Günther Schild wirbt für Bundeswertpapiere. Quelle: Andreas Reeg für Handelsblatt
Günther Schild wirbt für Bundeswertpapiere. Quelle: Andreas Reeg für Handelsblatt

FrankfurtIst es nicht hübsch anzuschauen? Günther Schild heißt das Krabbeltierchen. Es ist eine computeranimierte Schildkröte. Überaus gemächlich bewegt sie sich durch die Werbespots der Finanzagentur. Die Agentur soll deutsche Staatstitel vermarkten.
Auch in Informationsblättern wirbt der schildkrötige Finanzexperte. Es wimmelt nur so von Lockrufen für Bundeswertpapiere. Eine wirklich nur kleine Auswahl: "Die entspannendste Geldanlage Deutschlands. Ein Stück Sicherheit in Ihrem Portfolio. Sie haben eine krisenfeste Rendite. Eine Angebotsvielfalt, die für jeden das Passende bereithält."

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Kann da wirklich nichts passieren? Nein, jedenfalls nicht laut Finanzagentur. Das Thema Risiko wird praktisch ausgeklammert. In einer 16-seitigen Infobroschüre findet man nur wenige dürre Sätze: "Hohe Kursverluste, wie sie bei Aktien möglich sind, waren in der Vergangenheit auch bei vorzeitigem Verkauf von Bundesobligationen in ungünstigen Marktphasen nicht zu verzeichnen." Und später: "Jeder braucht ein Stück Sicherheit in seinem Portfolio. Diese Funktion erfüllen Bundeswertpapiere aufgrund ihrer herausragenden Sicherheit optimal."

Der Bund will Geld aufnehmen und verharmlost deshalb Anlagerisiken.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Der Kursverfall seit vergangenem Herbst zeigt überdeutlich, was "herausragende Sicherheit" im ungünstigen Fall tatsächlich heißt. Wer damals eine zehnjährige Bundesanleihe zu Kursen um 100 Prozent gekauft hat, sieht heute den Kurs auf 94 Prozent abgeschmolzen. Bei einer 30-jährigen Laufzeit rutschte die Notierung von 145 Prozent auf jetzt 118 Prozent. Risikolos sieht anders aus.

Das alles passiert in einer Zeit, in der die Politiker Exzesse in der Finanzbranche eindämmen und die Position des Anlegers stärken wollen. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mischt ganz vorne mit. Sie fordert sogenannte Beipackzettel von den Finanzinstituten für deren Anlageprodukte. In kurzer und klarer Sprache soll den Verbrauchern erklärt werden, welche Produkte sie kaufen und wo hier die Risiken stecken.

Natürlich denkt man zuerst an Zertifikate, Aktien und Fonds. Doch die Kurse von Staatsanleihen können ebenfalls stark fallen. Das ist gerade in den Zeiten der Finanzkrise klargeworden. Von Bonitätsrisiken ganz zu schweigen. Deutsche Staatsanleihen sind hier keine Ausnahme. Die Werbebriefchen der Finanzagentur sind realitätsfern und können den neuen, selbst gestellten Anforderungen nicht standhalten - auch wenn der Bund um Geld buhlen muss, um seine Schulden zu finanzieren. Frau Aigner, wann kommt der Beipackzettel für Bundesanleihen?
Kontakt zum Autor: narat@handelsblatt.com

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