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Chartgespräch: Aktien zeigen erstaunliche Parallelen zu 1907

Die Finanzkrisen und die Kurscharts von 1907 und 2009 ähneln sich frappierend, meint Felix Pieplow, Geschäftsführer bei Staedel Hanseatic, Riga. Beide entstanden in Folge einer vorangehenden Finanzmarktblase. Ein Blick zurück könnte also lehrreich sein.

Frappierend Ähnlich: Vergleich des Dow-Jones-Index von 1907 und 2009. Quelle: Pressebild
Frappierend Ähnlich: Vergleich des Dow-Jones-Index von 1907 und 2009. Quelle: Pressebild

DÜSSELDORF. November 1907 und März 2009: Dem Kursverfall schließt sich eine atemberaubende Rally an. Noch mehr als die Charts ähneln sich die Finanzkrisen 1907 und 2009. Beides waren Liquiditäts- und Kreditkrisen in Folge einer vorangegangenen Finanzmarktblase. Beide wurden durch noch mehr Liquidität entschärft. Deshalb lohnt ein kurzer Ausflug in die Geschichte und ein Blick auf die zwei Kurscharts des amerikanischen Dow Jones.

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Voller Technikgläubigkeit bejubeln Europäer und Amerikaner das neue 19. Jahrhundert. Der gerade ins Leben gerufene Dow-Jones-Index legt eine galoppierende Hausse hin. Zu den größten Gewinnern zählen Eisenbahnwerte wie Reading, die plötzlich für mehr als 100 Dollar gehandelt werden. Entfacht wird das Kursfeuerwerk durch Kredite, die Makler ihren Kunden geben. Im Oktober 1907 platzt die Blase, weil die Banken den Anlegern kein Geld mehr leihen, so dass diese die Einschussforderungen ihrer Makler nicht mehr befriedigen können. Der Börse geht das Geld aus, das Ende der Wall Street naht. Erst als John Pierpont Morgan, Chef der gleichnamigen Bank, kraft seiner Autorität bei allen Größen in New York erfolgreich Kredite organisiert, endet die Panik. Der Markt startet durch.

1907 gibt es zwar noch keine Zentralbank, die wie 2008 und 2009 jederzeit genug Geld einschießt, um so den Markt am Laufen zu halten. Dennoch sind die Parallelen unverkennbar, urteilt Felix Pieplow, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Staedel Hanseatic im lettischen Riga: "JP Morgan übernahm faktisch die Rolle des lender of last resort" - also des Kreditgebers der letzten Zuflucht. Dieser steht immer dann mit genügend Liquidität bereit, wenn der Markt keinen Ausweg mehr zu finden scheint. So wie in der jüngsten Finanzkrise, aber auch schon nach dem 11. September 2001 und im Herbst 1998, auf dem Höhepunkt der Krise um den Hedge-Fonds LTCM.

Clearing-Stellen, die 1907 den Handel an der Börse abwickeln, drucken Zertifikate als Bargeldersatz. Nur so funktioniert in der Panik der Handel. Das damalige Vorgehen ist vergleichbar mit dem TARP-Programm der US-Notenbank. Mit ihm kauft die Fed Anleihen auf, vor allem faule Hypothekenanleihen.

Krise endet beide Male abrupt

"Beide Mal endet die Krise an den Aktienmärkten abrupt, weil es durch Kredite zu einer heftigen Blasebalgfunktion kommt", resümiert der in Charttechnik und Börsengeschichte gleichermaßen versierte Pieplow. Eine enorme Liquiditätsrally - ausgelöst 1907 durch JPMorgan und 2009 durch die Fed - hievt die Börsen nach oben. "Solch eine Liquiditätsrally kann durchaus eineinhalb Jahre dauern, dürfte aber nach einem Jahr zumindest unterbrochen werden", meint Pieplow. Noch bis Frühjahr 2010 billigt er den Börsen Potenzial von gut fünf Prozent zu, ehe der Markt erst einmal korrigieren dürfte.

Doch damit enden die Parallelen mit 1907. Damals schloss sich der enormen Liquiditätsrally eine Hausse an. Sie speiste sich aus einem kräftigen Aufschwung der Realwirtschaft. "Dieser ist bislang nicht in Sicht. Notfalls wird die Notenbank deshalb gezwungen sein, ihre Politik des billigen Geldes noch für eine lange Zeit fortzusetzen", sagt Pieplow. Doch wie die Aktienmärkte auf solch eine ausgedehnte Niedrig- oder gar Nullzinspolitik reagieren, darüber fehlen historische Vergleiche.

  • 07.01.2010, 16:27 UhrAnonymer Benutzer: T.Setzer

    Erstaunlich genug, dass es beim Handelsblatt astrologieähnliche Unterhaltungsrubriken gibt, werden sie wie bei diesem Artikel mit einen pseudowissenschaftlichen Anstrich versehen. Es hätte mich verwundert, wenn man beim blick auf die vergangenen 102 Jahre nicht "erstaunliche Parallelen" gefunden hätte.

    Glosengerecht noch eine empirisch belegte Wahrheit:
    Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.

  • 24.12.2009, 15:10 UhrAnonymer Benutzer: max.webmax

    Hallo Herr Huller (9),
    "die USA waren damals gerade im begriff, England als die politische und wirtschaftliche Führungsmacht zu verdrängen..." ist häufige Formulierung, aber leider sehr irreführend. Real haben die Geldaristokraten nur das (viel größere) Spielfeld nach Wall Street verlegt!
    Und das wird ihnen erneut (heute nach China?) nicht gelingen, wie man aktuell sieht.

  • 23.12.2009, 14:52 UhrAnonymer Benutzer: Klaus Huller

    Die Autoren haben einen wichtigen Aspekt übersehen: die USA waren damals gerade im begriff, England als die politische und wirtschaftliche Führungsmacht zu verdrängen. Wer also heute die damaligen Erfolge mit US-investitionen wiederholen will, sollte sich besser nach China orientieren. Die USA von heute sollte man besser mit dem damaligen Großbritannien vergleichen. Wie ging es eigentlich Pfund-investoren nach 1907?

    Disclaimer: ich übernehme keine Haftung dafür, daß China wirklich in die Fußstapfen der USA tritt.

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