
DÜSSELDORF. Dramatische Kursverluste wechseln sich in rascher Folge mit ebenso kräftigen Erholungen ab. Wer die Börsen in einer Talfahrt wähnt, wird tags darauf eines Besseren belehrt. Genau solch ein Wechselbad der Gefühle ist für Achim Matzke von der Commerzbank ein typisches Anzeichen jeder zähen und nervenaufreibenden Seitwärtsbewegung. Was eine klare Richtungsentscheidung angeht, macht der technische Analyst wenig Hoffnung: "Solch ein quälendes Auf und Ab kann sich viele Monate hinziehen."
Die Ausgangslage: Nach der dramatischen Baisse erlebten Anleger zwischen März und Oktober vergangenen Jahres eine schwungvolle Rally. Sie trieb den Dax von 3590 auf 5888 Punkte, also um 65 Prozent in nur sieben Monaten. Üblicherweise halten Börsen solch eine steile Rally nicht lange durch. Folglich mündete auch diese erste kräftige Erholung in eine sehr viel moderatere Hausse. Sie führte den Dax in diesem Jahr bis auf 6342 Punkte. "Formal betrachtet hat der Dax diese moderate Aufwärtsbewegung nicht verlassen", sagt Matzke. Doch "formal" klingt in diesem Zusammenhang wie ein "ja, aber". Und genau das ist auch gemeint. Denn beim Blick ins Ausland zeigt sich, dass der Dax nahezu allein so gut dasteht.
Der weltweit wichtigste Index, der amerikanische S&P 500, hat die anfangs steile und anschließend moderate Aufwärtsbewegung zur Seite hin verlassen. Neue Hochs gibt es schon lange nicht mehr. Noch einen Tick düsterer schaut der wichtigste europäische Index aus. Der Euro Stoxx 50 hat ebenfalls die moderate Aufwärtsbewegung zugunsten einer Seitwärtsbewegung verlassen, allerdings mit Tendenz nach unten. Die Aktien der hoch verschuldeten südeuropäischen Länder setzen dem Index stark zu.
Daraus folgt: Rein technisch und isoliert betrachtet fahren Anleger mit einem Engagement in Dax-Aktien gut, weil der Index unverändert in seinem moderaten Hausse-Trend verweilt. Der schwache Euro stützt die vielen konjunktursensiblen Aktien wie BASF und Siemens. Die wenigen Bank-Aktien - Deutsche Bank und Commerzbank - sorgen dafür, dass der Index jedes Mal unterproportional fällt, wenn mit weltweiten Abwärtsbewegungen wieder einmal Finanztitel ganz besonders unter Druck geraten.
Seltsam: Als der DAX seinen glorreichen Aufstieg von 3888 auf über 6000 begann, wurde monatelang vor einer starken Korrektur gewarnt. Die meisten Anleger hielten sich mit dem Einstieg zurück und verpassten so den schönsten Teil der Rally. Gut wer nicht auf die Chart-Analysten hörte und trotzdem kaufte. Wer wagt, der gewinnt ...
... und auch im Sägezahnmarkt lassen sich für kurzfristig und sehr langfristig orientierte Anleger gute Geschäfte machen ...
Die Markttechnik könnte besser sein als ihr Ruf, wenn die Matzkes dieser Welt nicht so selbstherrlich gekünstelt, naturgesetzlich, aber ohne Gesetzmässigkeit argumentierten. So ergäbe sich tatsächlich die Chance, die so genannte Markttechnik auf wissenschaftliche beine zu stellen, indem man die Entität "information" in ihren Mittelpunkt stellt. Man kann nämlich zeigen, dass sich alles, was im Finanzmarkt passiert, auf das "bit" zurückführen lässt. Dazu müssten die Matzkes von ihrem hohen Ross heruntersteigen oder gar aussterben, vorher tut sich da nichts.





2 Kommentare
Alle Kommentare lesen