Marktberichte

_

Aktien fallen, Yen steigt: Die Geldschwemme in Japan kommt

Die japanische Notenbank dreht den Geldhahn weit auf. Und die Regierung findet das hervorragend. Auf die Entscheidung der Währungshüter reagieren die Akteure mit Gewinnmitnahmen. Der Yen legt überraschend zu.

Die Börse in Tokio. Quelle: AFP
Die Börse in Tokio. Quelle: AFP

TokioJapan will den stotternden Wachstumsmotor mit einer wahren Geldschwemme wieder auf Tour bringen. Im Kampf gegen die Konjunkturflaute und anhaltende Deflation drehte die Notenbank des hoch verschuldeten Landes am Dienstag den Geldhahn bis zum Anschlag auf.

Anzeige

Die japanische Regierung flankiert dies mit einer aggressiven Rhetorik. Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte nach der Entscheidung der Notenbank an, sein Land werde einen "Regimewechsel" in seiner makroökonomischen Strategie vollziehen. Durch eine entschlossene Lockerung der Geldpolitik müsse Japan die Deflation besiegen und den starken Yen-Anstieg korrigieren. Damit kündigte er offenen einen Abwertungswettlauf an.

Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?

  • Gradmesser

    Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.

  • Kurs

    Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.

  • Neue Regierung

    Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.

  • Fiskalpolitik

    Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.

  • Geldpolitik

    Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.

  • Wirtschaft schrumpft

    Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.

  • Die Wende

    Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.

  • Währungsverfall

    Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.

  • Yen-Prognosen

    Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.

  • Wo Banken den Yen sehen

    Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.

  • Welchen Yen-Kurs die Exporteure wünschen

    Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.

  • Treiber für Export-Aktien

    Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.

  • Rekorde an der Börse

    Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.

     

Die Währungshüter in Japan unterstützen diese Strategie mit unbefristeten Anleihekäufen. Das überraschte Marktteilnehmer, die eine schrittweise Ausweitung des Anleihenkaufprogramms erwartet hatten. Zugleich verdoppelte die Bank von Japan ihr Inflationsziel auf zwei Prozent.

Der Yen fiel zunächst wie erwartet und tendierte zum Dollar nahe des tiefsten Stands seit zweieinhalb Jahren. Der Dollar kletterte auf 90,18 Yen. Dann jedoch erfolgte abrupt eine Kehrtwende: Der Yen fiel deutlich auf fast 89 Yen. Dennoch gehen Experten davon aus, dass der Währungskrieg weiter gehen wird. Viele Staaten wünschen sich eine schwache Währung, um ihre Exportwirtschaft zu stärken.

Der Schwächste gewinnt Währung als Waffe

Weltweit setzen Regierungen und Notenbanken alles daran, ihre Währung zu schwächen.

An der Börse legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index zunächst zu, nachdem die Währungshüter ihre Entscheidung verkündet hatten. Dann jedoch rutschte der Index nach wenigen Minuten 0,5 Prozent auf 10.688 Punkte ins Minus. So war der das Marktbarometer auch in den Tag gestartet. Bis zum Börsenschluss verlor der Nikkei-Index 37,81 Punkte oder 0,35 Prozent auf 10.709,93 Punkte. Der breit gefasste Topix büßte 4,01 Punkte oder 0,44 Prozent auf den Stand von 901,15 Zählern ein.

Die Regierung in Tokio hatte zuletzt den Druck auf die Notenbank enorm erhöht, das Ziel für die Inflation anzuheben und ihr Mandat auch auf die Förderung des Arbeitsmarktes auszudehnen. Sie ist auf die Hilfe der Notenbank angewiesen, um die Konjunkturflaute zu überwinden.

Inflation und Staatsbankrott Wenn das Geld nichts mehr wert ist

Staatskrisen und politischer Wille

Der Tausch einer Währung kann viele Gründe haben. In Deutschland waren es politische, wie bei der Einführung des Euro. Aber auch Inflation wie bei der Einführung der Rentenmark mit drohendem Staatsbankrott könne Gründe für einen Währungswechsel sein. Auch nach Kriegen werden die Geldsorten gewechselt, in Deutschland etwa im Jahre 1948. 

Foto: Peter Hintze, ehemaliger CDU-Bundesgeschaeftsführer, stellt ein Plakat zur Euroeinführung vor.

Bild: ap

Denn angesichts einer Staatsverschuldung von etwa 235 Prozent der Wirtschaftsleistung hat die Regierung kaum noch Spielraum für weitere Konjunkturpakete. Japan befindet sich nunmehr zum vierten Mal seit der Jahrtausendwende in einer Rezession. Zudem leidet das Land unter einer hartnäckigen Deflation - also einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkender Investitionsbereitschaft.

  • 22.01.2013, 12:54 UhrWolfgangPress

    Nein, die waren auch vor dem Tsunami so hoch. Äpfel, Tomaten, Reis u.ä. bauen die Japaner selber an. Der Reispreis liegt aber ganz erheblich über dem Weltmarktpreis. Japan hat bisher immer seine Bauern schützen wollen und wird das auch weiterhin tun. Die Tokugawa-Zeit ist noch nicht überwunden.
    Übrigens, weis weiss es, dass die Äpfel in Japan in einem Styropornetz verkauft werden sodass die ja keine Druckstellen bekommen.

  • 22.01.2013, 11:37 Uhrtheaterkritik

    soviele japanische Artikel gibt es gar nicht mehr. Die meisten japanischen Firmen lassen bereits im Ausland produzieren und Japan selbst ist genau so voll mit China- Müll wie der Rest der Welt.
    Vielleicht wird aber der Reis billiger ...

  • 22.01.2013, 11:35 UhrPlebs

    Das ist halt der bittere Lauf der Dinge: Wer einmal den Neokeynesianern auf den Leim gegangen ist, der muss immer mehr, immer öfter und in immer höheren Konzentrationen die Droge nachspritzen.
    Japan ist von all den Notenpressenjunkies der mit der längsten Drogenkarriere.
    Dennoch sollte man sich davor hüten zu glauben, dass das Spiel seinem baldigen Ende entgegen sieht. Das kann noch Jahre so weiter gehen.
    Bislang können ja nur Primebanken Geld umsonst und in unbegrenzter Menge ordern. Die nächste Stufe wäre z.B. direkte, offene Staatsfinanzierung (Staat bezieht seine Einnahmen offen aus der Notenpresse statt aus Steuern).
    Wenn das nicht hilft, könnte die Notenbank z.B. auch Aktien aufkaufen und so deren Preise (anfangs) in schwindelnde Höhen jagen.
    Aber am Ende wird irgendwann das immer gleiche schnöde Finale kommen: Geld wird dann für Jedermann ohne Vor- und Gegenleistung geschöpft, gedruckt und verschenkt, womit Geld natürlich kein Geld mehr ist sondern wertloser Müll: Hyperinflation !
    Japan wäre dann aber ein nach wie vor eine High-Tech Industrienation aber nun mit den billigsten Facharbeitern der Welt...sehr schlecht für China, D, USA (u.v.a.m.).
    Deren Antwort wäre dann (natürlich): Kompetitive Hyperinflationierung.

Ratgeber Geldanlage

Die beste Strategie für das eigene Vermögen: Der Ratgeber von Handelsblatt Online erklärt Grundlagen, Chancen und Risiken von Investments in Aktien, Fonds, Anleihen, Zertifikaten und Zinskonten. Anleger erfahren, wie sie die passenden Produkte auswählen und unkalkulierbare Risiken vermeiden. Mehr…

  • Depot-Contest
  • ANZEIGE
Depot-Contest : Wer am meisten aus Geld macht

Wer am meisten aus Geld macht

Welcher Vermögensverwalter ist der beste? Finden Sie es heraus: Wir lassen 21 Profis beim DAB-Depot-Contest gegeneinander antreten.

ANZEIGE
  • Tagesgeld-Vergleich

    Top-Kondtionen für Tagesgeld, inklusive Gebühren, Einlagensicherung und Abgeltungsteuer.

  • Festgeld-Vergleich

    Der Rechner sucht die höchsten Zinsen für Festgeld für jede Laufzeit und Höhe des Anlagebetrages.

  • Girokonten-Rechner

    Kosten für das Konto ermitteln, inklusive Entgelte für Kreditkarten sowie Dispo- und Guthabenzinsen.

  • Rendite-Rechner

    Der Zins entspricht nicht immer der Rendite. Welche Erträge Anlagen tatsächlich bringen.

  • Ratenkredit-Vergleich

    Die besten Angebote für Ratenkredite vergleichen. Für verschiedenen Bonitätsstufen.

  • Ratgeber Geldanlage

    Die beste Strategie für Ihr Vermögen: Grundlagen, Chancen und Risiken verschiedener Investments.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Depot

    Erstellen Sie ein virtuelles Depot, mit dem Sie Ihre Strategie testen und Kursentwicklungen verfolgen.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen