
Frankfurt/DüsseldorfDie Analysten der US-Bank Goldman Sachs haben am Freitag den Anlegern geraten, auf fallende Kurse deutscher Unternehmen zu spekulieren. Die Euro-Zone bewege sich auf eine Rezession zu und der Dax stehe ebenfalls vor einer Talfahrt. Das könnten sich die Anleger zunutze machen, empfahlen die Analysten.
„Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass sich die Euro-Zone auf eine Rezession zubewegt und die Politik keine maßgebliche Lösung für die aktuelle Finanzkrise bietet“, hieß es. Auf dem EU-Gipfel hätten sich die Politiker auf die zukünftige Teilung der Risiken und die Grundlagen der notwendigen Reformen konzentriert. Allerdings habe es keine Antwort auf die Frage gegeben, wie Griechenland, Italien oder das europäische Bankensystem unmittelbar entlastet werden könnten.
„Es wäre schön gewesen, wenn sich Großbritannien den Reformen nicht verweigert hätte. Die positive Nachricht ist aber, dass Europa auch ohne Großbritannien voranschreiten kann. Es bleibt abzuwarten, ob die Renditen bald zurückgehen.
Mittelfristig dürften die Beschlüsse die Stabilität der Staatsfinanzen und das Vertrauen in die Staatsanleihen wiederherstellen. Ab Mitte 2012 könnte ein Umdenken einsetzen.“
„Europa befindet sich unbeirrt auf dem Stabilitätspfad. Hier wird Strukturpolitik gemacht. Hier werden Geschäftsmodelle geändert. Hier entsteht Zukunftsfähigkeit. Der Unterschied zu den USA ist grotesk groß. Die von den Finanzplätzen New York und London dominierten Finanzmärkte goutieren die Politik Europas bisher nicht. Sie blenden die Reformerfolge erfolgreich aus. Sie fokussieren sich auf einige wenige Reformverfehlungen. Für den Finanzmarkt zählt nur das Motto der USA. Schnelle Lösungen kosmetischer Art sind gefragt. Werden diese Maßnahmen nicht geliefert, werden die betreffenden Märkte abgestraft. Damit wird die Krise verschärft.“
„Der Gipfel ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die ohnehin nicht allzu hoch waren. Die Vereinbarung von nationalen Schuldenbremsen überzeugt mich nicht. Ob es funktioniert, ist zweifelhaft. So etwas geht nicht von heute auf morgen. Es kommt noch ein weiteres hinzu: Wenn alle eine restriktive Finanzpolitik betreiben ist klar, dass sich die abzeichnende Rezession in der Euro-Zone noch vertiefen wird.
Ich bin sehr skeptisch, dass es gelingen wird, den Euro auf dieser Basis zu retten. Es sei denn, die EZB springt ein. Eine Ankündigung der EZB, ihre Anleihekäufe bei Bedarf massiv auszuweiten würde genügen, die Märkte zu beeindrucken. Ohne die EZB als Retter in der Not wird es für die Problemländer immer schwieriger: Die Renditen steigen dann weiter, und der Bedarf an Hilfen wächst.“
„Hoffnungen der Börsianer auf verfrühte Weihnachtsgeschenke erfüllte die EZB auf ihrer gestrigen Sitzung nicht. Zwar senkte sie den Leitzins wie erwartet um 0,25 Prozent auf nun 1,00 Prozent und stützte den Finanzsektor mit zusätzlicher Liquidität. Einer von vielen Marktteilnehmern erhofften Ausweitung von Anleihenkäufen trug die EZB aber nicht Rechnung. (...) Ob die Ergebnisse aus Brüssel dem entgegen wirken können, erscheint eher fraglich. Positiv zu beurteilen ist, dass die Staaten der Euro-Zone auf dem Weg zu einer Fiskalunion ein gutes Stück vorangekommen sind. (...) Insgesamt hatten sich die Börsianer vom gestrigen Donnerstag mehr erhofft, so dass der Aktienmarkt heute wohl eher weiter zur Schwäche neigen wird.“
„Der EU Gipfel brachte keine Lösung hinsichtlich eines Schutzschirms für Italien und Spanien. Auch EZB-Präsident Mario Draghi hat gestern auf der EZB-Pressekonferenz klargestellt, dass die EZB zur Finanzierung nicht in die Bresche springen wird. Momentan ist dabei für den Markt völlig irrelevant, welche ordnungspolitischen Beschlüsse darüber hinaus auf dem Gipfel beschlossen wurden. Schuldenbremsen sind langfristig gut, helfen Italien und Spanien in der aktuellen Situation aber nicht. Für die Euro-Wechselkurse kann das nur bedeuten: Die Gemeinschaftswährung bleibt weiter unter Druck. Das Risiko eines Absturzes des Euros ist durch den Gipfel nicht geringer geworden.“
„Die gute Nachricht: Man hat sich frühzeitig geeinigt. Die schlechte Nachricht: Es gibt keine positiven Überraschungen. Wenn die EZB nicht mehr macht als bisher angekündigt, dann ist das Risiko sehr groß, dass das Gipfelergebnis nicht ausreicht, um die Krise zu beenden. Die Politiker haben alles gemacht, was sie ohne EZB tun können. Nun sind die Währungshüter am Zug. Wenn sie sich verweigern, könnte die Konjunktur Anfang 2012 richtig in die Knie gehen. Sie muss ankündigen, ab einem gewissen Risikoaufschlag - beispielsweise 5,5 Prozentpunke - notfalls unbegrenzt Anleihen von Staaten zu kaufen, die ihre Haushaltsauflagen erfüllt haben. Sie muss im äußersten Notfall eingreifen.“
„Sich allein auf eine verstärkte Haushaltsdisziplin zu einigen, sorgt an den Märkten nicht für die große Erleichterung. Die Stimmung wird erst dann besser, wenn die EZB bereit ist, als ultimativer Retter in das Geschehen einzugreifen.“
„Es sieht nach etwas mehr Substanz aus. Es wird einen Vertrag geben und er wird von der gesamten Eurozone unterzeichnet werden. Und es sieht so aus, als gebe es mehr Geld für den IWF. Es bleiben viele Fragen, vor allem bleibt das Risiko der Umsetzung.“
„Es scheint immer noch schwierig, in ganz Europa einen Konsens zu erreichen, um die Strukturprobleme des Finanzsystems zu lösen. Die Diskussion zwischen Großbritannien und den Eurozonen-Staaten hat gezeigt, wo die Gemeinsamkeiten enden. Es war indes keine Überraschung, dass Großbritannien eine andere Meinung zur nötigen Regulierung der Kapitalmärkte hat, aber das Signal an die Märkte blieb negativ. (...) Jetzt hoffen die Anleger, dass der zweite Verhandlungstag bessere Ergebnisse bringen wird.“
„Grundsätzlich halten wir eine Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes und verbindlichere Regeln bei der Haushaltsdisziplin ebenso für erforderlich wie eine ordnungspolitisch orientierte Wirtschaftsregierung mit ausreichenden Überwachungskompetenzen. (...) Ob eine „17+6-Lösung“ jedoch zu einer Beruhigung an den Finanzmärkten - auch über den kurzen Zeithorizont hinaus - führt, bleibt zumindest fraglich. So dürften die Details der ausgehandelten Lösung in den kommenden Wochen ebenso kritisch von den Finanzmarktteilnehmern begleitet werden wie die praktische Umsetzung der Beschlüsse.
„Ich bin nicht gerade positiv überrascht von den Gipfelergebnissen. Was dabei herausgekommen ist, sind Absichtserklärungen. Es soll zwar einen verbindlichen Pakt geben, der binnen drei bis vier Monaten ratifiziert werden könnte. Bis dahin kann aber noch einiges schiefgehen. Das Gipfelergebnis ist ein Signal, mehr aber auch nicht. Übrigens auch ein Signal, dass es mit Großbritannien noch große Uneinigkeit gibt.“
Wir wissen nicht, wie die Hebelung des EFSF funktionieren wird. Und ob all diese Finanzmittel auch gebraucht werden. Dennoch wurden auf dem Gipfel Beschlüsse zur Aufstockung der Rettungshilfen über den IWF gefasst. Wir haben jetzt eine Lage, in der Regeln für mehr Stabilität in der Fiskalunion angestrebt werden, aber keineswegs in trockenen Tüchern sind. Zugleich wurden die Ressourcen deutlich erhöht. Auch die EZB ist bei den Maßnahmen zur Milderung der Krise in Vorleistung gegangen, ohne etwas Festes in der Hand zu haben.“
„Es ging darum, die Stabilitäts- und Fiskalunion zu beginnen (...) Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. (...) Jeder in der Welt wird sehen, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben“.
„Wenn wir keine Schutzklauseln bekommen, ist es besser, draußen zu bleiben“
Vor diesem Hintergrund mutet die Einschätzung der Goldman-Sachs-Analysten für die europäische Finanzbranche geradezu widersprüchlich an: Sie stuften den Sektor auf „Neutral“ von „Underweight“ hoch. Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderen Notenbanken zur Verfügung gestellte zusätzliche Liquidität könne die Belastungen des wirtschaftlichen Abschwungs ausgleichen.
Es stellt sich die Frage, warum die Analysten von einer bevorstehenden Rezession in der Euro-Zone und gleichzeitig von besseren Aussichten für die europäische Finanzbranche ausgehen. Immerhin stehe nach dem jüngsten EU-Gipfel weiterhin die Frage im Raum, wie das europäische Bankensystem entlastet werden könne. Langfristig gilt zudem bei einer Verschärfung der Krise ein Vertrauensverlust unter den Banken und eine damit einhergehende Kreditklemme als wahrscheinlich.
Es ist möglich, dass die Analysten von Goldman Sachs nur auf Grund von kurzfristigen Interventionen seitens der EZB und anderen Notenbanken von verbesserten Aussichten für den europäischen Finanzsektor ausgehen. Diese können sich aber langfristig im Falle einer Rezession genauso schnell wieder eintrüben.
Guter Joke! Die Goldmänner raten "Anleger" auf Rot zu setzen, raten den echten "Buddies" auf Schwarz zu setzen, kassieren risikofreie "Brokerage-Fees" und zahlen Gottes Hilfsarbeitern Ihren gerechten Bonus. Auf den umfallenden Sack Reis in China zu hören ist zweifellos besser als auf einen Rat von GS zu hören. Don´t trust the cheaters!
@Bubble: Schön, wenn ich zu Ihrer Erheiterung beitragen konnte. Gut, wenn Sie andere Anlageformen nutzen. Dr. Doom hat schon was. Wenn langfristig investieren für Sie Aktien bedeutet, war 2011 wohl nicht so fein für Sie. Egal, viel Erfolg dabei.
Delta, danke für den Lacher. Selten einen so dämlichen Kommentar gelesen. Ich setze weder auf Sparbuch noch auf sonst was. Ich investiere Langzeit, nicht auf 'qick fix'. Die EZB (Draghi ist auch Ex-GS MA) wird Sparpläne auch zunichte machen. Monti in Italien ist auch einer der GS Gang. Griechenland hat PaPG wie in Insider Kreisen genannt wird. Man braucht nicht von 'Verschwörung' zu schwofeln, man muss nur seine eigenen Recherchen machen. Schon mal was von Marc Faber gehört? Der Mann spricht Klartext ohne Schnörkel und ohne lange Umschreibungen. Aber da sind Sie sich wohl zu gut für. Never mind.





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