Marktberichte

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Börse Frankfurt: Dax-Anleger fassen neuen Mut

Nachdem den deutlichen Verlusten gestern schafft es der Dax heute wieder in die Gewinnzone. Die Unsicherheit über die Umschuldung in Griechenland könnte aber bald für weitere Rückschläge sorgen.

FrankfurtDer Schuldenschnitt Griechenlands ist noch nicht in trockenen Tüchern. Anleger wollen heute kein Risiko eingehen und halten sich mit großen Käufen zurück. Außerdem drückten schwache deutsche Konjunkturdaten auf die Stimmung. Gestern spielten die Märkte schon mal die Pleite durch. Der Dax verlor am Dienstag mehr als drei Prozent. Vom schwersten Kurssturz des Jahres kann der Dax kaum erholen. Der Leitindex schwankt im Tagesverlauf zwischen Minus und Plus und liegt im späten Nachmittagshandel 0,6 Prozent höher bei 6.671 Punkten.

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Bis Donnerstagabend müssen die privaten Geldgeber Griechenland sagen, ob sie bei dem geplanten Schuldenerlass mitmachen. Noch ist unklar, ob die nötige Zahl an Gläubigern bereit ist, große Verluste durch den Schnitt zu akzeptieren. Bei einem Scheitern könnte es zu einer ungeordneten Pleite des Euro-Staates kommen.

Die anhaltende Nervosität der Investoren ließ sich auch an den Volatilitätsindizes ablesen. VDax und VStoxx bauten ihr rund 20-prozentiges Vortagesplus aus und lagen damit auf dem Niveau vom Jahresbeginn. Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten auf eine wenig veränderte Eröffnung der Wall Street hin. „Es steht viel auf dem Spiel“, sagte Aktienstratege Peter Garnry von der Saxo Bank. Er gehe zwar davon aus, dass der geplante Anleihe-Tausch durchgehen werde. Bis dahin müsse aber mit größeren Kursschwankungen gerechnet werden.

Wie der Schuldenschnitt funktioniert

  • Werden sich die Gläubiger freiwillig am Schuldenschnitt beteiligen?

    Dass alle dies tun, ist sehr unwahrscheinlich. Jedenfalls stellen sich die internationalen Finanzkontrolleure von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ auf einen erzwungenen Umtausch von griechischen Staatsanleihen ein. Entsprechende nachträgliche Klauseln (Collective Action Clauses/CAC), mit denen ein Verzicht privater Gläubiger erzwungen werden kann, hatte das griechische Parlament im Februar beschlossen.

  • Warum ist dieser Schritt denn umstritten?

    Mit der Aktivierung der Zwangsklauseln würde aus der freiwilligen eine unfreiwillige Umschuldung, durch die auch Kreditausfallversicherungen fällig werden könnten. Diese sogenannten Credit Default Swaps (CDS) waren einer der Gründe, warum die Finanzkrise des Jahres 2008 so dramatische Ausmaße angenommen hatte.

  • Wovon hängt die Aktivierung der Umschuldungsklauseln ab?

    Grundsätzlich kann Griechenland den angestrebten freiwilligen Schuldenschnitt auf alle Gläubiger ausweiten, soweit zwei Drittel der Investoren den Umschuldungsklauseln zustimmen. Voraussetzung ist aber ein Quorum, wonach mindestens die Hälfte aller Anleihegläubiger auf das Umschuldungsangebot reagieren müssen, also überhaupt antworten. Grundsätzlich stimmt jeder Gläubiger, der auf das Umschuldungsangebot Athens eingeht, auch den Umschuldungsklauseln zu. Es gibt allerdings die Möglichkeit, das Umschuldungsangebot nicht zu akzeptieren, aber der Aktivierung der Zwangsklauseln zuzustimmen. Von dieser Möglichkeit dürften insbesondere Gläubiger Gebrauch machen, die auf die Auszahlung ihrer Kreditausfallversicherungen spekulieren.

  • Wie hoch sind die Erfolgsaussichten für die angepeilte Umschuldung?

    Im Grunde recht gut, wobei Erfolg oder Misserfolg von bestimmten Quoten abhängt, die Griechenland gesetzt hat. Demnach scheitert der Schuldenschnitt, falls mehr als 25 Prozent der Anleihebesitzer das Umschuldungsangebot Athens und zugleich die CAC-Aktivierung ablehnen. Stimmen hingegen mehr als 75 Prozent der Gläubiger dem Angebot zu, wird es komplizierter: Liegt die Zustimmung unter 90 Prozent, kommt es darauf an, ob sich Griechenland und seine öffentlichen Geldgeber mit der Entlastung durch den Schuldenschnitt zufriedengeben. Stimmen hingegen mehr als 90 Prozent der Gläubiger dem Angebot zu, soll der Schuldenschnitt auf jeden Fall durchgeführt werden.

  • Welche freiwillige Beteiligung wird erwartet?

    Die von Griechenland und seinen öffentlichen Geldgebern anvisierte Zustimmung von mindestens 90 Prozent gilt als sehr hohe Zielmarke, die vermutlich nicht erreicht werden wird. Realistischer ist eine Zustimmung zwischen 75 und 90 Prozent sowohl zum Umschuldungsprogramm als auch zu den CACs. Dann würde die Entscheidung, ob die Umschuldung erfolgt und über die CACs auf alle Gläubiger ausgeweitet wird, letztlich bei Athen und seinen Partner-Staaten liegen. Was passiert, wenn mehr als ein Viertel der Gläubiger ablehnen? In diesem Fall soll die anvisierte geordnete Umschuldung nicht weiter verfolgt werden. Griechenland bliebe die Möglichkeit eines „harten“, ungeordneten Schuldenschnitts. Die Konsequenzen sind aber kaum vorhersehbar, sowohl für Athen als auch für seine Gläubiger. Deshalb gilt dieser Fall unter Experten als unwahrscheinlich.

  • Welche Entlastung ergibt sich für Athens Schuldenstand?

    Liegt die Zustimmung der Investoren über 75 Prozent, geht die italienische Großbank UniCredit von einer Schuldenreduzierung um bis zu 110 Milliarden Euro aus. Dieser Maximalwert wird aber nur dann erreicht, falls Athen die Zwangsklauseln aktiviert und den Schuldenschnitt auf alle privaten Gläubiger ausweitet. Sollten die CACs nicht gezogen werden und es zu einem rein freiwilligen Schuldenerlass kommen, hängt die Schuldenreduktion vom Ausmaß der Beteiligung ab.

Bis zum Donnerstag müssen sich die privaten Gläubiger Griechenlands entscheiden, ob sie sich an einem Schuldenschnitt für Griechenland beteiligen und auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten.

Während die deutsche Förderbank KFW und die französische Großbank BNP Paribas an einem Erfolg der Umschuldung zweifelten, betonten mehrere Unternehmen wie die Allianz oder Münchener Rück, Griechenland einen Teil seiner Schulden zu erlassen. Auch zahlreiche deutsche Sparkassen und Landesbanken wollen nach Aussagen des Branchenverbandes DSGV einen Sanierungsbeitrag leisten.

Der Tag an den Märkten (Stand: 13:00 Uhr)

Von den Dax-Werten hat heute Adidas seine Bilanz mit einem Rekordergebnis veröffentlicht. Die Erlöse seien um 11,3 Prozent auf 13,34 Milliarden Euro geklettert, der Nettogewinn um 18,2 Prozent auf 671 Millionen Euro, teilte der zweitgrößte Sportartikel-Hersteller nach Nike am Mittwoch in Herzogenaurach mit. Damit lag der Konzern leicht über den Markterwartungen. Die Dividende soll nun um 25 Prozent auf 1,00 Euro je Aktie erhöht werden.

Allerdings sind Anleger von den Gewinnzielen des Sportartikelherstellers enttäuscht. „Der Ausblick ist im Hinblick auf die Olympischen Spiele und die Fußball-Europameisterschaft nicht gut“, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. „Die Ziele für den Reingewinn und die operative Marge liegen unter den Erwartungen.“ Die Aktien verlieren drei Prozent auf 56 Euro und sind schwächster Wert im Dax.

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Der Dax hat eine rasante Rally hingelegt. Treiber Nummer eins: das billige Geld der Notenbanken. Doch das birgt Gefahren. Bei welchen Aktien Anleger dabeibleiben, welche Papiere sie verkaufen sollten.

Ein Rückgang der deutschen Industrieauftragseingänge hat heute den europäischen Aktienmärkten einen Dämpfer verpasst. „Die Zahlen sind zwar etwas enttäuschend, es ist aber noch zu früh, um die wirtschaftliche Stabilisierung schon ad acta zu legen“, sagte Lothar Heßler, Volkswirt bei HSBC Trinkaus. Es sei durchaus noch möglich, dass die Wirtschaftskraft im laufenden Quartal nicht schrumpfe.

Nach einer Kaufempfehlung der Citigroup schaffen es Sky Deutschland die Tabellenführung im MDax zu übernehmen. Die Papiere des PayTV-Senders verteuern sich um 6,9 Prozent auf 2,02 Euro. Auch wenn vieles von dem Ergebnis der Bundesliga-Rechteauktion abhänge, zeigten sich die Analysten mit Blick auf Gewinnentwicklung des Unternehmens langfristig wieder optimistischer. Sie stuften die Aktien hoch auf „Buy“ von „Neutral“, das Kursziel erhöhten sie auf 2,80 von 1,85 Euro.

Börsenchronik Sky - einmal Hölle und zurück

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Im TecDax setzen die Solarwerte ihre Talfahrt ungebremst fort. Die Aktien der Mitte des Monats aus dem Index fliegenden Q-Cells rutschten nochmals 4,4 Prozent ab, nachdem sie am Vortag bereits zwölf Prozent verloren hatten. Das Rekordhoch vom Sommer 2007 lag bei mehr als 83 Euro, jetzt liegt sie bei 24 Cent.

Solarunternehmen Der beispiellose Absturz der Q-Cells-Aktie

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Der Kurzfristausblick von Klöckner & Co erfreut die Anleger. Die Aktien legen um ein Prozent auf 10,51 Euro zu und gehörten damit zu den größten MDax -Gewinnern. Nach dem Gewinneinbruch 2011 peilt der Stahlhändler im ersten Quartal ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 40 bis 50 Millionen Euro an. Im zweiten Quartal will Vorstandschef Gisbert Rühl das operative Ergebnis gegenüber dem ersten weiter verbessern.

Neuaufträge für Singulus werden von Aktienanleger mit Käufen belohnt. Die Papiere des Spezialmaschinenbauers setzen sich mit einem Plus von mehr als 2,53 Prozent an die TecDax -Spitze. „Bei Singulus läuft es derzeit richtig gut“, sagte ein Händler. Der Konzern verzeichnet nach eigenen Angaben im Geschäftsbereich Halbleiter in diesem Jahr bereits einen Auftragseingang von mehr als 13 Millionen Euro.

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  • 07.03.2012, 19:23 Uhrdeltaone

    Na also: FDax gute 60 Punkte höher als gestern 22:00 h. Ordentlich.

  • 07.03.2012, 16:42 UhrCrash

    Der DAX wird seine Schwindsucht behalten .

    Gold wird zum Risiko - ich verkaufe .

  • 07.03.2012, 14:25 Uhrtrady

    warum sollten wir heut wieder so einknicken?
    lt. deiner prognose wären das ca. 130 pkt!

    ami-futures sind im grünen bereich (sogar mehr als wir), der euro hält sich stabil,...

    wenn du der meinung bist, kauf dir halt einen put und geh short damit. aber ich wüsste nicht, warum wir wieder so tief fallen sollten (außer es kommt eine hiobsbotschaft)...

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