
HB FRANKFURT. Seit Tagen lautet das Motto an den Börsen: „Ganz oder gar nicht.“ Entweder gehen die Investoren voll ins Risiko und die Kurse riskanter Anlagen steigen, oder sie stoßen Risikoanlagen ab, und die Kurse dieser Assets fallen. Dabei verläuft der Handel sehr emotional und hoch volatil, Hoffnungen und Ängste bestimmen das Geschehen mehr als harte Fakten.
Heute war erneut ein schlechter Tag. Die Investoren wollten einfach wieder heraus aus riskanten Anlagen und hinein in den „sicheren Hafen“ erstklassiger Staatsanleihen. Darunter litten insbesondere Aktien und einige Rohstoffe. So standen die europäischen Aktienbörsen unter starkem Druck. Sie setzten ihre bisherige schlechte Wochen-Performance fort.
Deutsches Leerverkaufsverbot schürt die Angst
Gute Unternehmensdaten wie etwa von Fiat gingen in dieser Stimmung unter. Per saldo schlossen die wichtigen europäischen Messlatten klar im Minus, wobei der Dax etwa so viel verlor wie die anderen wichtigen Länder-Messlatten. Am Ende ging der deutsche Standardwerte-Index mit einem Verlust von zwei Prozent aus dem Rennen und schloss bei 5.872 Punkten. Der MDax rutschte um 3,12 Prozent auf 7.774 Punkte ab und der TecDax fiel um 2,9 Prozent auf 723 Punkte. Von den 110 Aktien aus den wichtigsten deutschen Aktienindizes konnten sich nur fünf in positivem Terrain behaupten.
In der letzten Phase der europäischen Handelszeiten machten sich zusätzliche Störfeuer aus den USA bemerkbar. Aktuelle Daten vom Arbeitsmarkt signalisierten eine weiterhin unbefriedigende Beschäftigungssituation. Das kam für einige Analysten unerwartet und führte zu zusätzlichem Druck auf die Aktienkurse.
Die abschüssige Tendenz in Europa war unter anderem mit den Nachwirkungen des deutschen Leerverkaufsverbots zu begründen – ein Alleingang im europäischen Konzert. Händler meinten, der Eindruck von politischen Meinungsverschiedenheiten in der Eurozone über die weitere Strategie auf diesem Feld spiele hier eine wichtige – und marktbelastende – Rolle. Gerade in dieser heiklen Situation und bei diesen entscheidenden Fragen sei Einigkeit unerlässlich.
Unter Investoren verbreitete sich der Eindruck, dass die Verschuldungs- und Euro-Krise noch nicht gelöst ist. Unterschwellig machte sich das Gefühl breit, Investoren wollten nicht noch einmal der Subprime-Illusion erliegen. Die Finanzkrise war vor knapp drei Jahren mit den schlechten Hypotheken (Subprime-Krediten) auf US-Immobilien gestartet. Sie wurde anfangs in ihrer Dimension völlig unterschätzt. „Manche Anleger sagen nun, sie wollen so einen Fehler nicht noch einmal machen – und dieses Mal die Dimension der Staatsschuldenkrise richtig einschätzen“, sagte ein Händler.




