
HB FRANKFURT. Zum Handelsende reicht es doch für ein kleines Plus. Die europäischen Börsen haben am Donnerstag mit anziehenden Kursen auf den sich abzeichnenden Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak reagiert. Im Schlussgeschäft kletterte der Dax um 0,3 Prozent auf 7340 Punkte und schloss damit so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. "Man ist erleichtert, dass es in Ägypten nicht zu einer gewaltsamen Eskalation zu kommen scheint", sagte ein Händler. Allerdings sollte man die Kursentwicklung auch nicht überbewerten, da die Lage weiter ungeklärt sei.
Auch an den meisten europäischen Börsen zogen die Kurse im Zug der Meldungen aus Ägypten leicht an, erreichten aber nicht überall die Plus-Zone. So drückte die Enttäuschung der Anleger über die Bilanzen einiger europäischer Großkonzerne den Stoxx50 und den EuroStoxx50 je 0,2 Prozent ins Minus.
Die sich abzeichnende Mega-Fusion der Deutschen Börse mit der Nyse Euronext trieb die Aktien der Deutschen Börse 6,3 Prozent auf 61,10 Euro in die Höhe, die der Nyse Euronext in Paris um gut zwei Prozent auf 27,58 Euro. In Frankfurt war die Nachfrage nach den Aktien der Deutschen Börse gigantisch, nachdem die Titel am Vortag vom Handel ausgesetzt worden waren: auf Xetra wurden über zehn Millionen Stück gehandelt, womit die sonst eher vernachlässigten Papiere zu den Umsatzspitzenreitern zählten. Analysten zeigten sich allerdings auch skeptisch. Viele wiesen auf wettbewerbsrechtliche Hürden und gescheiterte frühere Fusionsversuche der Deutschen Börse hin.
Weiter im Fokus stand die Zukunft von Bundesbank-Chef Axel Weber. Hartnäckig hielten sich Spekulationen, der Notenbanker wolle zur Deutschen Bank wechseln. "Da scheint durchaus was dran zu sein", vermutete ein Händler. Sollte Weber zur Deutschen Bank gehen, wäre das angesichts der vielen Verbindungen Webers in der Finanzwirtschaft positiv für die Frankfurter. Weber will die Öffentlichkeit erst nach einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel informieren.
Die Aktien der Deutschen Bank zeigten sich unbeeindruckt und schlossen mit 46,01 Euro 1,8 Prozent im Minus. Allerdings waren die Investoren insgesamt nicht gut auf Bankenwerte zu sprechen, nachdem die Credit Suisse einen unerwartet hohen Gewinnrückgang gemeldet und ihre Renditeziele zurückgenommen hatte. Die Aktien brachen in Zürich um 5,8 Prozent ein.
Im Dax waren die Lufthansa-Aktien mit einem Abschlag von 2,5 Prozent das Schlusslicht. Eine Gewinnwarnung der französisch-niederländischen Gesellschaft Air France-KLM löste Verkäufe in dem Sektor aus: Air France fielen in Paris um 7,7 Prozent, die Aktien der aus British Airways und Iberia fusionierten Fluggesellschaft International Consolidated Airlines Group verloren in London über drei Prozent.
Mit Käufen honorierten die Anleger die Bilanz von HeidelbergCement, die mit einem Plus von 1,3 Prozent einer der größten Dax-Gewinner waren. Enttäuscht reagierten die Anleger dagegen auf die Geschäftszahlen des weltgrößten Spirituosen-Konzerns Diageo: die Aktien fielen in London um 4,6 Prozent.




