FrankfurtHeute standen die Börsen ganz unter dem Zeichen von Mario Montis angekündigtem Rücktritt und Silvio Berlusconis geplanter Kandidatur. Der Schock über die Meldung hielt den Dax bis zum Nachmittag im Minus. Nach und nach konnte das deutsche Branchenbarometer sich dann erholen. Am Ende reichte es für ein kleines Plus in Höhe von 0,2 Prozent auf 7.531 Punkte.
In der zweiten Reihe sah es nicht ganz so gut aus. Der MDax schloss unverändert auf 11.873 Punkte und der TecDax gab 0,5 Prozent nach auf 832 Zähler.
Der Name Silvio Berlusconi stieß heute vielen Anlegern übel auf. Vor etwas mehr als einem Jahr hinterließ der "Bunga-Bunga-Präsident" eine finanzielle Baustelle. Renditen von über sieben Prozent auf Staatsanleihen, kaum Wirtschaftswachstum und mangelnder Reformeifer sind vielen Börsianern noch in bester Erinnerung.
Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.
Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.
Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.
Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.
Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.
Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.
Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!
Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.
Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.
Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.
"Der angekündigte Rückzug von Italiens Ministerpräsident Mario Monti und das geplante Comeback von Silvio Berlusconi könnte die Furcht vor einem Wiederaufflammen der Schuldenkrise in Europa erneut anfachen", erklärte LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht. "Monti hatte für eine gewisse Stabilität in Rom gesorgt, mit Berlusconi könnte die Lage wieder fragiler werden", fügte ein Händler hinzu.
Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt. "Italien darf jetzt auf zwei Drittel des Reformprozesses nicht stehen bleiben", sagte Westerwelle "Spiegel Online" am Montag. "Das würde nicht nur Italien, sondern auch Europa neue Turbulenzen bringen", warnte der FDP-Politiker.
Italiens Ministerpräsident Mario Monti meldete sich auch zu Wort und verteidigte seine Entscheidung. Er sei überzeugt, das Richtige getan zu haben, sagte er in einem Interview der Zeitung "La Repubblica". Wie seine eigene Zukunft aussehe, wisse er nicht, doch seine Sorge gelte vor allem der Zukunft des Landes. Seine Ankündigung habe er am Wochenende gemacht, um den Märkten Zeit zu geben, sich von dem Schock zu erholen, sagte Monti weiter.
In Italien gingen die Kurse auf Talfahrt. Der Mailänder Leitindex verlor am Montag rund 2,5 Prozent. Im restlichen Europa konnten sich die Indizes, ähnlich wie der Dax, zum Nachmittag hin etwas beruhigen. Der Pariser CAC 40 und der Londoner FTSE knüpften an ihren Schlusskursen vom Freitag an.
Thyssen-Krupp: Paukenschlag lässt Aktie steigen
Zu den Titeln, die diese Woche positiv auffallen, zählen die Thyssen-Krupp-Papiere – trotz der zuletzt schlechten Nachrichten aus dem Stahlkonzern über Bestechungs- und Korruptionsvorwürfe und Probleme beim angestrebten Verkauf der amerikanischen Stahlwerke. Dennoch legte die Aktie am Mittwoch fast drei Prozent zu. Und am Donnerstag sorgte ein Paukenschlag für weitere Zuwächse – ebenfalls fast drei Prozent: Die Hälfte des Vorstands muss den Hut nehmen. Anleger hoffen nun auf baldige Fortschritte bei der Lösung der Probleme.
BASF: Neue Chance in Boom-Markt
Da war es schon klarer, warum die BASF-Aktie am Mittwoch und Donnerstag zulegte – zumindest leicht. Gute Nachrichten kamen aus Oslo. Die dortige Börse genehmigte das am 21. November unterbreitete Übernahmeangebot des Chemiekonzerns zum Erwerb des norwegischen Pharmakonzerns Pronova BioPharma. Das Unternehmen ist einer der führenden Hersteller von Omega-3-Fettsäuren. Michael Heinz, Mitglied des Vorstands der BASF SE, sieht nun verbesserte Chancen im „schnell wachsenden und hochprofitablen“ Markt für Omega-3-Fettsäuren.
Lufthansa: Investoren honorieren Sparprogramm
Zu den Ausreißern der Woche gehört auch die Lufthansa-Aktie. Am Dienstag Abend stand sie mit einem Plus von 3,5 Prozent ganz oben im Dax. Die Airline erweitert ihr laufendes Sparprogramm auf den profitablen Langstreckenbereich. Mit dem Programm will der Konzern Rückschläge durch den hohen Kerosinpreis und die Konkurrenz von Billigfliegern ausgleichen. So soll der Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden.
Beiersdorf: Management und Anleger optimistisch
Das hört man gern an der Börse: Der Nivea-Produzent Beiersdorf hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr angehoben – zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Die Aktien legten daraufhin am Donnerstag kräftig zu; zum Börsenschluss gab es immer noch ein Plus von fast zwei Prozent. Analyst Thomas Maul von der DZ Bank zeigte sich positiv überrascht. Offenbar habe Beiersdorf im laufenden Quartal in allen Regionen der Pflegesparte ein starkes Wachstum verbucht.
Henkel: Anleger nehmen Gewinne mit
Andere Titel sind in diesem Jahr bereits so gut gelaufen, dass Beobachter nun einfach keine Luft mehr für eine weitere Rally sehen. Seit Jahresbeginn haben die Aktien des Düsseldorfer Konsumgüterherstellers Henkel knapp 45 Prozent zugelegt – fast doppelt so stark wie der Dax. Nun sehen die Analysten der Credit Suisse kein weiteres Steigerungspotenzial mehr. Sie senkten ihre Einstufung der Aktie auf "underperform" von "neutral". Daraufhin gingen die Titel am Dienstag in die Knie; sie verbilligten sich am Vormittag um 1,8 Prozent und bildeten damit das Schlusslicht im Dax.
Infineon: Analysten bremsen Euphorie
Ähnliches passierte der Infineon-Aktie. Die Analysten von Goldman Sachs haben das Papier von ihrer "Pan-Europe Conviction Buy List" genommen. Die Papiere des Technologiekonzerns hätten sich seit Anfang Oktober deutlich besser entwickelt als die von Goldman Sachs insgesamt beobachteten europäischen Papiere und Technologie-Aktien. Die Marktbeobachter sehen das Potenzial für eine überdurchschnittliche Kursentwicklung nun ausgeschöpft. Erst wenn sich der breite Markt für die Auto-Industrie und ihre Zulieferer deutlich verbessere, sei eine derartige Entwicklung wieder absehbar.
SAP: Konkurrent löst Gewinnmitnahmen aus
Bei SAP waren es Marktnachrichten, die die Aktie des Softwarekonzerns kurzfristig ausbremsten. Der Konkurrent Tibco hat mit einem schwachen Ausblick am Mittwoch Gewinnmitnahmen bei SAP ausgelöst. Die Papiere verbilligten sich am Mittag um 1,2 Prozent und bildeten damit das Schlusslicht im Dax. SAP gehörte aber in den vergangenen Wochen zu den Top-Werten des deutschen Leitindex. Seit Ende Oktober legte die Aktie um rund 14 Prozent zu, während der Dax lediglich um knapp vier Prozent stieg. Und Donnerstag ging es denn auch schon wieder aufwärts.
Telekom: Dividende fällt mager aus
Das begeistert die durch Dividenden verwöhnten Anleger nicht: Die Deutsche Telekom will die Ausschüttungen deutlicher kürzen, als erwartet worden war. In den kommenden zwei Jahren will das Unternehmen nur noch eine Dividende von 50 Cent zahlen. Analysten hatten im Schnitt mit 60 Cent für 2013 und 58 Cent für 2014 gerechnet. Diese Nachricht vom Donnerstag Abend belastete den Aktienkurs.
K+S: Börse wird vorsichtig
Wenn sich Unternehmen zurückhaltend äußern, dann fliehen die Anleger schnell. So hat der Konzernchef des Düngemittel- und Salzspezialisten K + S mit seinen Prognosen zur Zukunft der Kalibranche die Aktien seines Unternehmens ins Minus gedrückt. Am Dienstagnachmittag verloren sie 1,3 Prozent, während sie am Mittag noch 0,9 Prozent im Plus gelegen hatte. K+S-Vorstandschef Norbert Steiner hatte der Agentur Reuters im Interview gesagt, er sehe keine grundlegende Aufhellung des Branchenumfelds im Kaligeschäft. Die Lage habe sich seit dem Ende des dritten Quartals nicht geändert.
EADS: Investoren hoffen auf Klarheit
Die zuletzt heruntergeprügelte EADS-Aktie entwickelte sich diese Woche hingegen erstaunlich stark. Anleger hoffen offenbar auf baldige Klarheit über die Macht- und Beteiligungsverhältnisse in dem Luft- und Raumfahrtkonzern. Bereits am Dienstag kletterten die Titel um drei Prozent und damit an die MDax-Spitze. Am Donnerstag legten sie sogar um fast acht Prozent zu, nachdem Deutschland, Frankreich, Spanien und der Konzern am Mittwoch ein neues Eigentümermodell vereinbart hatten.
Thyssen-Krupp: Paukenschlag lässt Aktie steigen
Zu den Titeln, die diese Woche positiv auffallen, zählen die Thyssen-Krupp-Papiere – trotz der zuletzt schlechten Nachrichten aus dem Stahlkonzern über Bestechungs- und Korruptionsvorwürfe und Probleme beim angestrebten Verkauf der amerikanischen Stahlwerke. Dennoch legte die Aktie am Mittwoch fast drei Prozent zu. Und am Donnerstag sorgte ein Paukenschlag für weitere Zuwächse – ebenfalls fast drei Prozent: Die Hälfte des Vorstands muss den Hut nehmen. Anleger hoffen nun auf baldige Fortschritte bei der Lösung der Probleme.
Die US-Börsen überwanden ebenfalls ihre schwache Anfangsphase. Der Dow Jones notierte nach europäischem Börsenschluss 0,2 Prozent fester, der S&P 500 verzeichnete einen Aufschlag in Höhe von 0,3 Prozent und der Nasdaq lag 0,6 Prozent im Plus.
Viele Finanzexperten waren heute ohnehin davon ausgegangen, dass der Schock über Montis Rücktritt nur eine Momentaufnahme sein werde. Für den Rest des Jahres sehen sie für die Kurse noch Potenzial nach oben. An den Börsen fällt oft das Stichwort "Window Dressing". Gemeint ist damit die Verschönerung der Unternehmenszahlen zum Jahresabschluss. Angesichts der leichten Verluste heute dürfte diese Bilanzkosmetik spätestens in der zweiten Monatshälfte ihre Wirkung auf die Kurse entfalten.
Folker Hellmeyer, Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank, bezeichnete die Aufregung im Fernseh-Sender n-tv als "Sturm im Wasserglas". Für viele Anleger sei die Entwicklung in Rom nur eine Ausrede, um Kasse zu machen. Er rechne damit, dass der Dax dieses Jahr die 7600er-Marke noch knacken könne, betonte Hellmeyer. Der Dax hat in den vergangenen drei Wochen etwa 600 Punkte zugelegt und steuert mit einem Plus von knapp 30 Prozent seit Anfang Januar auf seine beste Jahresbilanz seit 2003 zu.

Die sind so gier-krank im Kopf.
Laß Atombomben die Erde vernichten ... die Börse würd's feiern ... man könnte ja wieder was aufbauen ...

Btw, mit " 100.000 € " als Startkapital kommt man an der Börse aber nicht weit, wenn man selbständig auf eigene Rechnung erfolgreich arbeiten will. Als vernünftige Größe würde ich 500.000 € nennen.

@stockpicker1: Zum handeln und sein Geld verdienen an der Börse gehört eine gültige Händlerlizenz, wie zum Autofahren der Führerschein - ist also quasi Grundvoraussetzung.






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