
FrankfurtTagelang hatten die Anleger an den Finanzmärkten auf ein stärkeres Eingreifen der EZB in der Euro-Krise spekuliert. Doch als EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag ankündigte, sich mit dem Kauf von Anleihen klammer Euro-Staaten zunächst zurückzuhalten, war die Enttäuschung groß. Der Dax beendete den Handel 2,2 Prozent im Minus bei 6606 Punkten. Auch der Euro ging auf Talfahrt, während die Renditen für zehnjährige spanische Anleihen wieder die kritische Sieben-Prozent-Marke übersprangen. "Die erhoffte Schützenhilfe der EZB ist ausgeblieben, statt dessen hat Draghi den Schwarzen Peter zurück an die Politik gegeben", sagte Ioan Smith, Stratege bei Knight Capital.
Draghi kündigte zwar weitere Maßnahmen der Notenbank zur Krisenbekämpfung an. Mit Anleihekäufen wolle die EZB Krisenstaaten aber erst dann unter die Arme greifen, wenn die Euro-Rettungsschirme am Bondmarkt aktiv werden, signalisierte der EZB-Chef. Seit Draghis Bekenntnis zur Währungsunion in der vergangenen Woche hatten die Anleger darauf gehofft, dass die EZB ihr Programm zum Ankauf von am Markt gehandelten Staatsanleihen sofort reaktivieren würde, um so die extrem hohen Zinskosten von Krisenstaaten wie Italien und Spanien zu drücken.
„Ich kann die Vorbehalte der Bundesbank gegen neue Anleihenkäufe nicht nachvollziehen. Die Bundesbank hat das selbst vorexerziert. Während der Rezession 1975 hat sie für Milliarden deutsche Staatsanleihen gekauft mit dem Ziel, die langfristigen Zinsen zu senken. Auch die amerikanische Fed und die Bank of England zeigen, dass man Staatsanleihen in großem Stil kaufen und so niedrige Zinsen schaffen kann. Die EZB ist derzeit die einzige handlungsfähige Institution in der Euro-Zone.
Die EZB sollte ihren Leitzins bis auf 0,25 Prozent absenken. Das wäre ein Beitrag zur Stabilisierung schwächelnder Banken, die der EZB nichts kosten würde. Angesichts der Rekordarbeitslosigkeit wird es auf absehbare Zeit keine Inflation geben.“
„Was enttäuscht, ist die mangelnde Konkretheit von EZB-Chef Mario Draghi. Die Märkte haben auf präzise Angaben gehofft, was die EZB nun künftig tun wird. Doch die hat die Zentralbank nicht geliefert.“
„Anders als von vielen an den Märkten erwartet, hat die EZB heute nicht bereits beschlossen, wieder mit Anleihenkäufen zu beginnen, sondern sie wird das nur dann tun, wenn auch die Regierungen an den Anleihenmärkten intervenieren. Und das geht nur, wenn zum Beispiel Spanien einen Hilfsantrag stellt und sich auf Bedingungen einlässt. Dann kann der EFSF erst Anleihen am Sekundärmarkt kaufen, und dann erst wird die EZB das machen. Das heißt: das wird kommen. Sie wird am Ende ihr Kaufprogramm wieder aufnehmen. Aber sie wird das eben nicht tun, bevor die Politik gehandelt hat. Etwas anderes blieb der EZB aus Gründen des Selbstschutzes auch gar nicht übrig.“
„Es verwundert mich nicht, wie es gekommen ist, nämlich dass Draghi nicht Staatsanleihekäufe der EZB als solche angekündigt hat. Die EZB würde sich sozusagen an die Rettungsschirme dranhängen, wenn diese Staatsanleihekäufe am Primärmarkt tätigen. Die Staaten, Spanien an erster Stelle, müssen sich an den EFSF wenden, Staatsanleihekäufe anfordern und Bedingungen akzeptieren. Das passt zu allem, was Draghi vorher gesagt hat. Konditionalität war ihm immer wichtig. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass er Staatsanleihe-Ankäufe mal so ankündigt.“
„Die Enttäuschung ist groß, dass die EZB nun doch nicht direkt mit Staatsanleihen-Käufen in den Markt eingreift. Das heißt aber nicht, dass die EZB in der Euro-Krise keine aktivere Rolle einnehmen will. Voraussetzung für Draghi ist allerdings, dass auch die Politik ihren Teil dazu beiträgt. Und auch wenn das die Anleger kurzfristig enttäuscht, könnte sich ein solcher Fahrplan langfristig doch als sinnvoll im Kampf gegen die Euro-Krise erweisen.“
„Das ist ein starkes Signal. Das bedeutet eine ernsthafte Intervention der EZB. Das ist vielleicht sogar eine sehr ernsthafte Intervention der EZB. Das ist insofern etwas stärker als vielleicht erwartet wurde. Die EZB sagt, dass sie mit den adäquaten Summen direkt in den Anleihenmärkten der betroffenen Staaten interveniert. Allerdings: die EZB wird wohl nur intervenieren, wenn ein Land ein ESM-Programm hat. Der ESM muss zunächst einmal um Hilfe gebeten werden. Das heißt, dass Bedingungen zu erfüllen sind von Ländern wie Italien und Spanien. Und das heißt auch, Deutschland, die Niederlanden oder Finnland werden möglicherweise ein Vetorecht haben. Ohne ESM-Programm wird die EZB offenbar nicht intervenieren.“
Christian Schulz, Analyst bei der Berenberg Bank, wertete die Äußerungen der Zentralbank dennoch als positiv: "Das ist ein starkes Signal. Das bedeutet eine ernsthafte Intervention der EZB." Sie werde allerdings wohl nur eingreifen, wenn ein Land ein ESM-Programm habe und der ESM müsse zunächst einmal um Hilfe gebeten werden. "Das heißt, dass Bedingungen zu erfüllen sind von Ländern wie Italien und Spanien. Und das heißt auch, Deutschland, die Niederlanden oder Finnland werden möglicherweise ein Vetorecht haben."
Am Markt überwog aber die Enttäuschung: Der Euro fiel in der Spitze auf 1,2132 Dollar zurück, nachdem er zuvor zeitweise auf einem Vier-Wochen-Hoch von 1,2404 Dollar notiert hatte. Der italienische und spanische Leitindex rutschten um bis zu 4,6 beziehungsweise 5,3 Prozent ab. Auch an den Rohstoffmärkten machte sich Enttäuschung breit.
Kupfer verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 7319 Dollar je Tonne. Öl der US-Sorte WTI kostete mit 87,89 Dollar je Fass gut ein Prozent weniger. Hier sorgte neben der EZB aber auch der Verzicht der Fed auf weitere Geldspritzen für Verkäufe. Nur bei Bedarf will die US-Notenbank zusätzliche Maßnahmen zum Ankurbeln der Wirtschaft ergreifen, wie der Offenmarktausschuss am Mittwoch mitgeteilt hatte. Die Wall Street notierte am Donnerstag zu Handelsschluss in Europa im Minus. "Ähnlich wie in Europa könnte die Fed vermeiden wollen, dass sich die Politik zu sehr auf die Notenbank verlässt", urteilte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz in einem Kommentar.

Hmm...vielleicht wird bei dem ganzen Hin und Her, Auf und Ab vergessen, dass die ganzen "Schrottpapiere" über diese Gesamtstrategie entsorgt werden, um den Markt wieder zu beleben. Was meinen die Experten dazu? Einige Staaten der Zone halten den Kopf für die Irrungen und Spekulationen des Finanzmarktes her. Kontrollaufsichten beseitigen die Spuren und Verstrickungen der Global-Player und alle sind sich am Ende einig - jetzt muss die große Betrügerei verdeckt werden, bevor z.B. der "Normalanleger" mit Panik reagiert und sein bedrucktes Papier gänzlich aus dem Markt abzieht...großes Kino. Mein Tipp: Zukunftsmärkte antizipieren, Risiko streuen und immer in tauschbare, in reale & zukunftsweisende werthaltige Unternehmen investieren und vordergründig den eigenen Lebensbereich bedienen oder durch Investitionen schützen.

http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10000872396390444320704577562552049064324.html
Weidmanns Vorgänger Axel Weber und Jürgen Stark, der damalige Chefvolkswirt der EZB, hatten ihre Posten nach früheren Eingriffen der EZB protestierend niedergelegt.
Weidmann steht mit seiner einen Stimme im 23-köpfigen Rat der EZB ziemlich allein...und wie wir jetzt wissen,ist es
auch so gekommen..Selbst Merkel hat ihn ganz offen im
Regen stehen lassen..Deutschland allein im Euroland.

@Poppkopp
Sie sind zwar nicht auf der Höhe des Sachgegenstandes, macht aber nichts, auf Leute wie Sie kann man in der Diskussion verzichten.






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