Marktberichte

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Börse Frankfurt: US-Haushaltsstreit lässt Dax-Anleger zittern

Ein gemächlicher Weihnachtshandel sieht anders aus. Der US-Haushaltsstreit scheint festgefahren und die Gefahr einer Enttäuschung wächst mit jedem Tag. Der Dax fiel bis unter die 7.600-Punkte-Marke.

Händler an der Frankfurter Börse. Der US-Haushaltsstreit bescherte Sorgenfalten. Quelle: dpa
Händler an der Frankfurter Börse. Der US-Haushaltsstreit bescherte Sorgenfalten. Quelle: dpa

FrankfurtAm letzten Wochenhandelstag ist es beim deutschen Leitindex abwärts gegangen. Die Angst vor einer Konjunkturabkühlung in den USA belastete die Stimmung Anleger in Europa. Der Dax schloss am „Hexensabbat“ 0,47 Prozent tiefer bei 7.636 Punkten. Sein Tagestief lag bei 7.596 Punkten. Auf Wochensicht hat der Leitindex allerdings wieder ein moderates Plus von 0,6 Prozent geschafft - zum fünften Mal in Folge.

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Grund für die Verunsicherung der Investoren am Freitag war der Widerstand republikanischer Kongress-Abgeordneter gegen das Kompromiss-Angebot ihres eigenen Verhandlungsführers John Boehner. Dieser hatte Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre vorgeschlagen. US-Präsident Barack Obama will die Schwelle bei 400.000 Dollar ansetzen.

So beeinflussen die US-Etatverhandlungen die Börsen

  • Szenario I: Einigung

    Demokraten und Republikaner verständigen sich auf einen Haushalt, der einen Mix aus Steuererhöhungen für Wohlhabende und Ausgabenkürzungen beinhaltet.

    "Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung liegt bei 50 Prozent, denn wir befinden uns nicht mehr im Wahlkampf", sagt Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Dollar und die Aktienmärkte werden von einer Einigung profitieren." Wegen der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft könne beim Dax mit einem überdurchschnittlichen Plus gerechnet werden.

    Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, betont dagegen, eine große Erleichterungsrally sei nicht zu erwarten. Schließlich werde allseits mit einer Einigung gerechnet. Auch Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz äußert sich skeptisch. Angesichts der kräftigen Kursgewinne in den vergangenen Wochen sei das Enttäuschungspotenzial gewachsen.

  • Szenario II: Hängepartie

    US-Präsident und Parlament einigen sich auf einen Minimal-Kompromiss, der vor allem die Anhebung der Schuldenobergrenze vorsieht. Damit verschaffen sie sich Luft für weitergehende Verhandlungen.

    Dieses Ergebnis und eine umfassende Einigung machten für Anleger keinen großen Unterschied, sagt Otmar Lang, Chef-Anlagestratege der Targobank. "Dass es bei den Verhandlungen Reibungsverluste gibt, ist klar. Man wird zu einer Lösung kommen, die den USA nicht schadet. Und was den USA nicht schadet, schadet auch den Märkten nicht."

  • Szenario III: Keine Einigung

    Die US-Politik kann sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Steuererleichterungen laufen aus und die automatischen Ausgabenkürzungen greifen. Das Land stürzt über die "Fiskalklippe" in eine Rezession.

    Dies würde die chinesische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen und damit auch eine Gefahr für das weltweite Wachstum, warnt Analyst Ruland. "Der Dollar wird voraussichtlich nicht allzu tief fallen, denn schließlich hat die Euro-Zone ebenfalls Probleme. Denkbar wäre eine Aufwertung des chinesischen Yuan."

    Lang & Schwarz-Experte Amato malt ein weniger schwarzes Bild. "Wir haben einige Fallschirme im Gepäck." Die Notenbanken - allen voran die Federal Reserve Bank der USA - würden mit frischen Geldspritzen sicher alles daran setzen, einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern.

Die Gefahr eines Scheiterns der Verhandlungen habe zugenommen, warnte Steen Jakobsen, Chef-Volkswirt der Saxo Bank. Aber selbst von einer kurzfristigen Einigung dürfe man sich nicht zu viel erhoffen. „Ein derartiger Deal wird kaum strukturelle Reformen bringen.“

Wenn sich die beiden großen US-Parteien nicht auf einen neuen Haushalt einigen können, drohen zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen. Gleichzeitig laufen Steuererleichterungen aus. Experten befürchten, dass die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte „Fiskalklippe“ in eine Rezession stürzt.

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Nervosität nahm deutlich zu

Der Euro-Stoxx gab ebenfalls nach. Im Gegenzug legte der Bund-Future 28 Ticks auf 144,60 Zähler zu. Gold stieg um bis zu 0,3 Prozent auf 1651,50 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Am Terminmarkt war die Verunsicherung ebenfalls zu spüren. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, schossen in der Spitze um 8,6 beziehungsweise 14 Prozent in die Höhe. Die Wall Street eröffnete zudem ebenfalls mit deutlichen Verlusten.

„Hexensabbat“ an der Börse

Gleichzeitig sorgte der große Verfall an den Terminmärkten - der "Hexensabbat" - für regen Handel. So wechselten bis zum frühen Nachmittag Dax-Aktien im Volumen von 2,9 Milliarden Euro den Besitzer. Dies ist mehr als drei Mal so viel wie zur gleichen Zeit des Vortages.

Hintergrund: Hexensabbat an der Börse

  • Wann ist der Börsen-Hexensabbat?

    Alle drei Monate ist an den Börsen „Hexensabbat“. Jeweils der dritte Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember ist großer Verfallstag. Bei vielen Anlegern sind diese vier Tage im Jahr gefürchtet. Denn dann können die Börsen ohne ersichtlichen Grund verrückt spielen, starke Kursausschläge sind möglich.

  • Was passiert am Hexensabbat?

    Am „Hexensabbat“ verfallen an den Terminbörsen gleich mehrere Arten von Termingeschäften, also Wetten auf den künftigen Verlauf von Indizes oder Aktien. Konkret laufen Optionen und Futures auf Einzelaktien und Indizes ab.

  • Was ist eine Option?

    Option bedeutet, dass der Käufer das Recht hat und der Verkäufer die Pflicht, bis zum Verfallsdatum den zugrundeliegenden Basiswert zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen.

  • Was ist ein Future?

    Bei Futures handelt es sich um eine beiderseitige Verpflichtung, also einen Börsenvertrag (Terminkontrakt), im Gegensatz zur Option, bei der sich nur der Verkäufer verpflichtet.

  • Warum springen die Kurse am Hexensabbat?

    Hinter den Kurssprüngen stehen Spekulanten, deren Frist zur Verwirklichung ihrer Derivategeschäfte abläuft: Sie versuchen, die Kurse auf jene Preise zu treiben, zu denen sie an der Terminbörse engagiert sind. Dann werden binnen Minuten große Mengen der entsprechenden Papiere gehandelt, was die Kursschwankungen verursacht.

  • Wie entstand der Begriff "Hexensabbat"?

    Wegen der mitunter wilden Zuckungen an den Märkten wurde der Begriff „Hexensabbat“ geprägt. Kleinanleger können bei diesem „Hexentreiben“ kaum kursbewegend eingreifen.

Am Mittag liefen Optionen und Futures auf Indizes aus, zum Xetra-Schluss sind Optionen auf einzelne Aktien an der Reihe. Ohne nachhaltigen Einfluss auf die Kursentwicklung blieben die US-Daten zu den Konsumausgaben und den Auftragseingängen langlebiger Güter.

  • 23.12.2012, 10:35 Uhrhagadi

    "US-Haushaltsstreit lässt Dax-Anleger zittern"

    Eigentlich sollte die europäische Milliardenschuldenmach-Politik zur EURO-Rettung die Anleger zittern lassen.

  • 22.12.2012, 19:02 Uhrdig@central.banktunnel.eu

    *Beitrag von der Redaktion gelöscht. Unverständlich/Spam.*

  • 22.12.2012, 18:53 Uhrdig@central.banktunnel.eu

    *Beitrag von der Redaktion gelöscht. Unverständlich/Spam.*

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