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Börse New York: Angst vor „Fiskalklippe“ schickt US-Börsen auf Talfahrt

Der US.Haushaltsstreit hat die New Yorker Börse belastet - zum Wochenschluss herrschte trübe Stimmung. Die Aktienkurse trudelten ins Minus. Besonders Bankenwerte hatten zu leiden. Ein Lichtblick war Nike.

Händler an der New York Stock Exchange. Quelle: dapd
Händler an der New York Stock Exchange. Quelle: dapd

New YorkDie Zuspitzung des US-Haushaltsstreits hat die Wall Street zum Wochenschluss deutlich belastet. "Es gibt derzeit nur wenig Aussicht darauf, dass vor Ende des Jahres noch etwas passiert", sagte Marktstratege Robert Pavlik von Banyan Partners.

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Sollten sich die Demokraten um Präsident Barack Obama und die Republikaner bis dahin nicht einigen, treten Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen der öffentlichen Hand im Volumen von mehr als 600 Milliarden Dollar in Kraft - was die USA in die Rezession stürzen könnte. Daher sackten die Kurse am Freitag trotz positiver Konjunkturdaten ab.

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsende mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 13.190 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte das Marktbarometer zwischen 13.122 und 13.309 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1430 Punkten, ein Abschlag von ebenfalls 0,9 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte knapp ein Prozent ein und ging mit 3021 Punkten aus dem Handel. Auf Wochensicht legten alle Indizes zu: Der Dow um 0,4 Prozent, der S&P um 1,2 Prozent, die Nasdaq um 1,7 Prozent. In Frankfurt verabschiedete sich der Dax mit einem Minus von 0,5 Prozent auf 7636 Punkten ins Wochenende.

Wenige Tage vor Ablauf der Einigungsfrist im US-Haushaltsstreit brachten Lagerkämpfe der Republikaner die Verhandlungen aus der Spur. Ihr Verhandlungsführer John Boehner scheiterte am Widerstand in den eigenen Reihen, als er mit einem Vorschlag zur Besteuerung der Spitzenverdiener die Demokraten zum Einlenken drängen wollte.

So beeinflussen die US-Etatverhandlungen die Börsen

  • Szenario I: Einigung

    Demokraten und Republikaner verständigen sich auf einen Haushalt, der einen Mix aus Steuererhöhungen für Wohlhabende und Ausgabenkürzungen beinhaltet.

    "Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung liegt bei 50 Prozent, denn wir befinden uns nicht mehr im Wahlkampf", sagt Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Dollar und die Aktienmärkte werden von einer Einigung profitieren." Wegen der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft könne beim Dax mit einem überdurchschnittlichen Plus gerechnet werden.

    Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, betont dagegen, eine große Erleichterungsrally sei nicht zu erwarten. Schließlich werde allseits mit einer Einigung gerechnet. Auch Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz äußert sich skeptisch. Angesichts der kräftigen Kursgewinne in den vergangenen Wochen sei das Enttäuschungspotenzial gewachsen.

  • Szenario II: Hängepartie

    US-Präsident und Parlament einigen sich auf einen Minimal-Kompromiss, der vor allem die Anhebung der Schuldenobergrenze vorsieht. Damit verschaffen sie sich Luft für weitergehende Verhandlungen.

    Dieses Ergebnis und eine umfassende Einigung machten für Anleger keinen großen Unterschied, sagt Otmar Lang, Chef-Anlagestratege der Targobank. "Dass es bei den Verhandlungen Reibungsverluste gibt, ist klar. Man wird zu einer Lösung kommen, die den USA nicht schadet. Und was den USA nicht schadet, schadet auch den Märkten nicht."

  • Szenario III: Keine Einigung

    Die US-Politik kann sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Steuererleichterungen laufen aus und die automatischen Ausgabenkürzungen greifen. Das Land stürzt über die "Fiskalklippe" in eine Rezession.

    Dies würde die chinesische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen und damit auch eine Gefahr für das weltweite Wachstum, warnt Analyst Ruland. "Der Dollar wird voraussichtlich nicht allzu tief fallen, denn schließlich hat die Euro-Zone ebenfalls Probleme. Denkbar wäre eine Aufwertung des chinesischen Yuan."

    Lang & Schwarz-Experte Amato malt ein weniger schwarzes Bild. "Wir haben einige Fallschirme im Gepäck." Die Notenbanken - allen voran die Federal Reserve Bank der USA - würden mit frischen Geldspritzen sicher alles daran setzen, einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern.

Das Etat-Chaos belastete vor allem die Bankenwerte. So ließen Citigroup-Anteilsscheine 1,7 Prozent Federn. Die Dividendenpapiere von Bank of America verbilligten sich um rund zwei Prozent.

Nike-Papiere stiegen mehr als sechs Prozent. Der Sportartikel-Hersteller stimmte Anleger mit einer kräftigen Steigerung von Umsatz und Gewinn zuversichtlich. Dagegen brachen Papiere des Blackberry-Herstellers RIM brachen um mehr als 20 Prozent ein. Der kanadische Konzern hatte zwar positive Quartalszahlen vorgelegt, jedoch erstmals einen Kunden-Rückgang hinnehmen müssen.

US-Sportartikelhersteller Nike übertrifft Erwartungen

Die Nike-Aktie stieg im nachbörslichen Handel um mehr als vier Prozent.

Eine schwächere Nachfrage nach Computern macht dem US-Chipkonzern Micron immer mehr zu schaffen. Der Umsatz brach im abgelaufenen Quartal überraschend deutlich ein, auch der Verlust war überraschend hoch. Micron-Aktien verloren fast sieben Prozent.

Positive Konjunkturdaten konnten die Stimmung auf dem Parkett nicht wenden. Die Konsumausgaben der Amerikaner stiegen im November so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Mit 0,6 Prozent legten sie so deutlich zu wie seit August 2009 nicht mehr. Ökonomen hatten ein Minus von 0,3 Prozent erwartet. "Die Hinweise für eine Konjunkturbelebung mehren sich", sagte Analyst Wayne Kaufman von Jon Thomas Financial in New York.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,9 Milliarden Aktien den Besitzer. 984 Werte legten zu, 2015 gaben nach und 118 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,77 Milliarden Aktien 818 im Plus, 1666 im Minus und 107 unverändert.

 

  • 22.12.2012, 00:59 UhrRonny

    Dieses Fiskallcliff betrifft ja Steuern, die im Niedrigsteuerland Amerika jahrzehntelang als gut und richtig angesehen wurden. Die Senkung dieser, an sich richtigen Steuern wurde daher zeitlich limitiert.

    Obama täte gut daran, dieses Cliff im Zweifelsfall nicht zurückzunehmen, denn es ist lediglich eine Normalisierung.

    Gut, der Zeitpunkt ist nicht der Beste, doch z.Zt. sind die USA strukturell unterfinaziert und die Verringerung der Schulden hätte wiederum andere positive Wirkungen, wenngleich verzögert. Also sollte er einer Verlängerung dieser Ausnahme nur Zustimmen, wenn gleichzeitig Schräglagen wie z.B. Großverdiener, wie Romney vormals mit Bain Capital, nicht weniger Steuern zahlen müssen, als ein einfacher, aber gut verdienender Facharbeiter.
    Wer 20 Millionen oder mehr durch bestimmte Fond-Einkünfte schaufelt, muß z.Z. nur 25 % zahlen, aber dies verringert sich dann noch deutlich dadurch, dass bestimmte Unternehmensbereiche eines Konglemarats in Niedrigsteuerländer verlegt werden.
    Das ist so ein Wahnsinn und fürhrt zu einer Umschichtung von Mittelklasse und Arm zu Reich.

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