
HB NEW YORK. Enttäuschende Daten vom Arbeitsmarkt und neu entflammte Sorgen über die Schuldenkrise in Europa haben die US-Börsen am Freitag auf Talfahrt geschickt.
Die Zahl der Beschäftigten in den USA stieg zwar im Mai so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dies war allerdings zum größten Teil auf Neueinstellungen für des Staates eine Volkszählung zurückzuführen. Zudem schürte ein unerwartet großes Haushaltsloch in Ungarn Ängste vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Osteuropa.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 3,2 Prozent tiefer auf 9931 Punkten und damit unter der psychologisch wichtigen Marke von 10 000 Zählern. Im Handelsverlauf pendelte er zwischen 9889 und 10 249 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 büßte 3,4 Prozent auf 1065 Zähler ein. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 3,6 Prozent auf 2219 Stellen ab. Im Wochenvergleich der fiel der Dow um zwei Prozent, der S&P um 2,3 Prozent und der Nasdaq um 1,7 Prozent. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss in Frankfurt mit einem Minus von 1,9 Prozent auf 5938 Punkten.
Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums stieg die Zahl der Beschäftigten im Mai um 431 000, allerdings wurden 411 000 von ihnen allein wegen einer Volkszählung angestellt. „Dies zeigt, dass die Wirtschaft viel schwächer ist, als die meisten Leute gedacht haben“, sagte Gary Shilling, Präsident einer Anlageforschungsfirma in Springfield. Analysten hatten mit 513 000 neuen Beschäftigten gerechnet.
Die Stimmung dämpften zudem Äußerungen aus der Regierung Ungarns, wonach es wegen des großen Haushaltslochs des Landes nur noch eine geringe Chance gebe, eine ähnliche Krise wie in Griechenland zu vermeiden. Diese Aussage strapazierte Händlern zufolge die Nerven der Anleger, die wegen der Schuldenprobleme in Südeuropa ohnehin schon angegriffen sind.
Wie in Europa gerieten auch an der Wall Street Titel aus der Finanzbranche unter Druck. Auslöser waren Spekulationen über Probleme im Derivate-Geschäft bei der französischen Societe Generale. So verloren etwa die Papiere der Citigroup 4,3 Prozent, die von JP Morgan Chase 3,5 Prozent und die von Wells Fargo 3,6 Prozent.
Die in New York gehandelten BP-Aktien brachen 5,3 Prozent ein. Der wegen der Ölpest im Golf von Mexiko unter Druck stehende Energiekonzern hatte zuvor die Entscheidung über die nächste Quartalsdividende vertagt. Ob Geld an die Aktionäre ausgeschüttet wird, soll das Board unter Berücksichtigung der aktuellen Umstände entscheiden.
Gegen den Markttrend legten Aktien des Internetanbieters AOL um 1,3 Prozent zu. Händler begründeten dies mit Marktgerüchten, wonach der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft für AOL ein Gebot vorlegen könnte.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,63 Mrd. Aktien den Besitzer. 287 Werte legten zu, 2794 gaben nach und 74 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,3 Mrd. Aktien 300 im Plus, 2372 im Minus und 81 unverändert.
An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 1-13/32 auf 102-16/32. Sie rentierten mit 3,204 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 2-14/32 auf 104-6/32 und hatten eine Rendite von 4,131 Prozent.




