Marktberichte

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Börse New York: Schwaches Weihnachtsgeschäft belastet Wall Street

Im Vorfeld der US-Etatverhandlungen reagieren die Märkte ohnehin schon hochsensibel. Zusätzlich schlugen erste Daten aus dem Einzelhandel Anlegern auf die Stimmung. Sie deuten auf ein schlechtes Weihnachtsgeschäft hin.

Händler an der New Yorker Börse. Quelle: Reuters
Händler an der New Yorker Börse. Quelle: Reuters

New YorkZurückhaltende Verbraucher haben den US-Anlegern kurz nach dem Weihnachtsfest die Stimmung verdorben. Zusätzlich zu den Sorgen um den US-Haushaltsstreit kamen am Mittwoch noch schwache Einzelhandelsdaten. Diese deuteten auf das geringste Umsatzplus seit der jüngsten Rezession im Jahr 2008 hin.

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Einige Investoren vermuteten, dass die Angst vor der Fiskalklippe die US-Bürger davon abhielt, im Weihnachtsgeschäft kräftig zuzuschlagen. Auch kurz vor Ablauf der Einigungsfrist zum Jahresende ist eine Lösung in dem Etat-Streit in weiter Ferne. Um in Washington die Verhandlungen voranzutreiben, will Präsident Barack Obama bereits am Donnerstag aus seinem Familienurlaub zurückkehren.

So beeinflussen die US-Etatverhandlungen die Börsen

  • Szenario I: Einigung

    Demokraten und Republikaner verständigen sich auf einen Haushalt, der einen Mix aus Steuererhöhungen für Wohlhabende und Ausgabenkürzungen beinhaltet.

    "Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung liegt bei 50 Prozent, denn wir befinden uns nicht mehr im Wahlkampf", sagt Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Dollar und die Aktienmärkte werden von einer Einigung profitieren." Wegen der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft könne beim Dax mit einem überdurchschnittlichen Plus gerechnet werden.

    Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, betont dagegen, eine große Erleichterungsrally sei nicht zu erwarten. Schließlich werde allseits mit einer Einigung gerechnet. Auch Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz äußert sich skeptisch. Angesichts der kräftigen Kursgewinne in den vergangenen Wochen sei das Enttäuschungspotenzial gewachsen.

  • Szenario II: Hängepartie

    US-Präsident und Parlament einigen sich auf einen Minimal-Kompromiss, der vor allem die Anhebung der Schuldenobergrenze vorsieht. Damit verschaffen sie sich Luft für weitergehende Verhandlungen.

    Dieses Ergebnis und eine umfassende Einigung machten für Anleger keinen großen Unterschied, sagt Otmar Lang, Chef-Anlagestratege der Targobank. "Dass es bei den Verhandlungen Reibungsverluste gibt, ist klar. Man wird zu einer Lösung kommen, die den USA nicht schadet. Und was den USA nicht schadet, schadet auch den Märkten nicht."

  • Szenario III: Keine Einigung

    Die US-Politik kann sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Steuererleichterungen laufen aus und die automatischen Ausgabenkürzungen greifen. Das Land stürzt über die "Fiskalklippe" in eine Rezession.

    Dies würde die chinesische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen und damit auch eine Gefahr für das weltweite Wachstum, warnt Analyst Ruland. "Der Dollar wird voraussichtlich nicht allzu tief fallen, denn schließlich hat die Euro-Zone ebenfalls Probleme. Denkbar wäre eine Aufwertung des chinesischen Yuan."

    Lang & Schwarz-Experte Amato malt ein weniger schwarzes Bild. "Wir haben einige Fallschirme im Gepäck." Die Notenbanken - allen voran die Federal Reserve Bank der USA - würden mit frischen Geldspritzen sicher alles daran setzen, einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer bei 13.114 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte der Leitindex zwischen 13.076 und 13.174 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,5 Prozent auf 1419 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 0,7 Prozent ein auf 2990 Stellen. In Deutschland blieben die Börsen wegen des zweiten Weihnachtsfeiertages geschlossen.

Laut Marktexperten verfolgen Börsianer mittlerweile kleinste Schritte in dem erbittert geführten Streit zwischen US-Präsident Barack Obama und den Republikanern. Wie Obama dürften auch die Abgeordneten und Senatoren am Donnerstag in die Hauptstadt zurückkehren. Sollte Obama bis zum Jahreswechsel keine Einigung mit dem Kongress gelingen, treten automatisch massive Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Kraft. Diese sogenannte Fiskalklippe schreckt die Finanzmärkte, weil sie die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnte.

US-Hauhaltsstreit Obama bricht Weihnachtsurlaub ab

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"Es dreht sich alles um die Fiskalklippe", sagte Analystin Kim Forrest von Fort Pitt Capital Group. "So weit ist es schon: Der Präsident könnte heute ins Flugzeug steigen - und bereits darauf reagiert der Markt."

Bei den Einzelwerten standen die Einzelhändler auf der Verkaufsliste. Die Aktie des Lederwarenhändlers Coach büßte 5,9 Prozent ein. Ralph Lauren verlor 3,3 Prozent und die Papiere des Online-Händlers fielen um 3,9 Prozent. Ebenso verzeichneten die Anteilsscheine der Kleidungsketten Urban Outfitters und Abercrombie & Fitch Abschläge. Sie gaben 2,7 beziehungsweise 3,5 Prozent nach. "Mit der Fiskalklippe, die über den Köpfen der Konsumenten schwebt, ist es schwierig, die Menschen davon zu überzeugen, shoppen zu gehen", sagte Rick Fier von Conifer Securities.

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Gute Nachrichten kamen vom US-Häusermarkt. Der Case-Shiller-Index für Immobilienpreise fiel über den Erwartungen aus. Die Preise für Einfamilienhäuser stiegen im Oktober erneut und bestätigten damit den Eindruck, dass sich der Immobilienmarkt in den USA weiter erholt.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 470 Millionen Aktien den Besitzer. 1039 Werte legten zu, 1948 gaben nach und 133 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,06 Milliarden Aktien 891 im Plus, 1567 im Minus und 108 unverändert.

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Die asiatischen Börsen haben mit Kursaufschlägen auf die Wahl von LDP-Chef Shinzo Abe zum neuen Ministerpräsidenten Japans reagiert. Der Yen geriet unter Druck. Vor allem exportorientierte Werte waren gefragt.

Die Angst vor den Auswirkungen der Fiskalklippe indes die Preise von US-Staatsanleihen in die Höhe getrieben. Anleger suchten im dünnen Weihnachtshandel die als sicherer Hafen bekannten Bonds. Experten rechnen in den kommenden Tagen vor dem Jahreswechsel mit einer zunehmenden Volatilität. Je unwahrscheinlicher eine Einigung werde, desto größer würden die Schwankungen ausfallen, kündigte BNP-Paribas-Ökonom Bricklin Dwyer an.

Das zehnjährige Papier erhöhte sich um 5/32 auf 98-27/32 aus dem Handel. Die Rendite lag bei 1,758 Prozent. Die dreißigjährige Anleihe stieg um 8/32 auf 96-16/32 und rentierte mit 2,929 Prozent. Am Dienstag waren die US-Märkte wegen des Weihnachtsfestes geschlossen.

 

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