Marktberichte

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Börse Tokio: Anleger in Japan lassen kräftig Federn

Nach den jüngsten Gewinnen schlägt die Stimmung in Japan um. Die Anleger schauen auf den etwas stärkeren Yen und die schlechte Konjunktur. Gewinnmitnahmen bestimmen den Handel - und eine erneute Dreamliner-Panne.

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio. Quelle: Reuters
Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio. Quelle: Reuters

TokioGewinnmitnahmen und ein nach unten geschraubter Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung haben am Mittwoch an den Börsen in Fernost für Verluste gesorgt.

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Die Weltbank rechnet für dieses Jahr nur noch mit einem Plus der weltweiten Wirtschaftsleistung von 2,4 Prozent; im Juni waren noch drei Prozent in Aussicht gestellt worden.

Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?

  • Gradmesser

    Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.

  • Kurs

    Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.

  • Neue Regierung

    Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.

  • Fiskalpolitik

    Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.

  • Geldpolitik

    Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.

  • Wirtschaft schrumpft

    Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.

  • Die Wende

    Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.

  • Währungsverfall

    Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.

  • Yen-Prognosen

    Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.

  • Wo Banken den Yen sehen

    Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.

  • Welchen Yen-Kurs die Exporteure wünschen

    Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.

  • Treiber für Export-Aktien

    Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.

  • Rekorde an der Börse

    Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.

     

Grund für die revidierte Prognose sei die schwächelnde Konjunkturerholung in den meisten Industrienationen. Angesichts der eingetrübten Aussichten hielten sich die Anleger zurück: Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gab rund 0,4 Prozent nach.

In Tokio sorgten nach der Rally in den Tagen zuvor Gewinnmitnahmen für Verluste. Der Leitindex Nikkei der 225 führenden Werte brach um knapp 2,6 Prozent auf 10.600 Punkte ein. Vor allem eine Erholung des Yen verursachte diesen höchsten Verlust an einem Tag in den vergangenen acht Monaten.

Nikkei-Index: Eisenbahn-Aktien legen zu

Japans Wirtschaftsminister Akira Amari hatte vor einer zu großen Yen-Schwäche gewarnt und damit den Erholungskurs der Landeswährung eingeleitet. Am Tag zuvor war der Nikkei noch auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren geklettert.

Auf den Verkaufszetteln standen am Mittwoch insbesondere Exportwerte. "Es ist eine Korrektur. Die jüngsten Gewinne einiger Exportwerte waren berechtigt, andere nicht. Deswegen verkaufe ich jetzt Exporteure, die zuletzt zugelegt haben, aber deren Fundamentaldaten weiterhin schlecht sind wie beispielsweise Panasonic", sagte der Chef von Myojo Asset Management, Makoto Kikuchi. Auf der Verliererliste fanden sich unter anderem Toyota mit einem Minus von 2,6 Prozent und Canon mit Abschlägen von mehr als vier Prozent.

Nach Notlandung Zwei Dutzend Dreamliner bleiben am Boden

Neuer Zwischenfall: Ein Dreamliner von Boeing musste in Japan notlanden.

Nach Notlandung: Zwei Dutzend Dreamliner bleiben am Boden

Ebenfalls unter Druck befanden sich die Zulieferer von Boeing. Nachdem ein Dreamliner in Japan zu einer Notlandung gezwungen wurde, entschied sich die Fluggesellschaft All Nippon Airways, zunächst alle 17 Maschinen am Boden zu behalten. Die Aktien von Fuji Heavy Industries gaben 2,9 Prozent nach. Für GS Yuasa und Mitsubishi Heavy ging es ebenfalls nach unten.

Deutliche Verluste verbuchten auch die Börsen in China. Anleger realisierten Gewinne und hielten sich mit Käufen vor der Veröffentlichung weiterer Wirtschaftsdaten Ende der Woche zurück. In Shanghai büßte der Aktienmarkt mehr als ein Prozent ein, in Hongkong rund 0,5 Prozent. Nur die Börse in Australien lag wegen gefragter Bank-Titel deutlich im Plus.

China - Retter des Euro?

  • Warum investiert China Milliarden in Europa?

    Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Exportweltmeisters. Die 27 Ländern kauften 2010 chinesische Waren im Wert von 282 Milliarden Euro - 18,9 Prozent mehr als 2009. Die Volksrepublik hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden.

  • Welche Rolle spielen Chinas riesige Devisenreserve?

    China hat einen Großteil seiner gigantischen Devisenreserven von gut drei Billionen Dollar in Euro-Wertpapiere wie Staatsanleihen gesteckt, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Peking veröffentlicht zwar keine Daten. Experten schätzen aber, dass inzwischen ein Viertel der Devisenreserven auf Euro lautet. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren - und damit auch Chinas Euro-Investitionen.

  • Steht China trotz der Krise zu den Investitionen in Europa?

    Ja. China seit Ausbruch der Krise immer wieder sein Vertrauen in die Währungsunion betont. „China ist ein langfristig orientierter Investor“, betonte Ministerpräsident Wen Jiabao und machte damit klar, Europa in der Krise nicht fallen zu lassen. Bei Worten hat es Peking nicht belassen. Die Volksrepublik hat für viele Milliarden Euro Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern gekauft, während sich private Investoren aus Sorge vor einem Zahlungsausfall entweder zurückhalten oder exorbitante Zinsen verlangen.

  • Kauft China nur Wertpapiere auf?

    Nein, China sichert seine Interessen auf ganz unterschiedliche Weise. Griechischen Reedern wurde ein Kredit über zehn Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Hintergrund: Ein Großteil der internationalen Handelsflotte fährt unter griechischer Flagge, viele der Tanker und Schiffe werden in China gebaut. Auch in Ungarn - das zwar nicht zur Euro-Zone gehört, aber ebenfalls mit einer Schuldenkrise kämpft - engagieren sich die Chinesen. Der Technologiekonzern Huawei baut dort sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des südeuropäischen Landes modernisieren soll.

  • Gibt es Kritik an der Shoppingtour Chinas?

    Amnesty International befürchtet, dass Menschenrechtsfragen in den Hintergrund gedrückt werden. „Es ist zu befürchten, dass Kritik an den Menschenrechten in Zukunft noch leiser geübt wird“, sagt deren China-Experte Dirk Pleiter. „Geraten einzelne EU-Länder in Abhängigkeit von China, wird es schwerer, innerhalb der EU eine einheitliche Linie gegenüber der Volksrepublik zu formulieren, Probleme klar anzusprechen und auch Konflikte auszutragen.“

Der Währungskrieg zwischen Fernost und Europa geht weiter. Der scheidende Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat der Gemeinschaftswährung zuletzt einen Schlag versetzt. Juncker bezeichnete die Einheitswährung als deutlich überbewertet und sagte: "Der Wechselkurs des Euro ist gefährlich hoch."

Daraufhin gab der Euro im fernöstlichen Handel nach und fiel auf 1,3285 Dollar nach 1,3304 Dollar im späten New Yorker Handel. Zum Yen stand die Einheitswährung bei 117,30 und damit deutlich unter dem 20-Monatshoch von 120,13.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

  • 1. Januar 1999

    Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt1,95583 DM je Euro.

  • Dezember 1999

    Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

  • Frühherbst 2000

    Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

  • Januar 2002

    Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

  • März 2003

    Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

  • September 2003

    Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

  • September 2007

    Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

  • Juli 2008

    Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch.

  • Oktober 2008

    Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

  • Oktober 2009

    Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

  • Dezember 2009, Januar 2010

    Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

  • Frühjahr und Sommer 2011

    EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

  • Ende Februar 2012

    Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

  • Juni 2012

    Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

  • Juli 2012

    Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde "alles nötige tun, um den Euro zu erhalten." Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

  • Februar bis März 2013

    Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

Zum Dollar notierte der Yen bei 88,28 Yen, am Montag hatte die Währung noch ein Zweieinhalb-Jahreshoch von 89,67 markiert. Japans Wirtschaftsminister Akira Amari warnte am Dienstag vor einer zu großen Yen-Schwäche und lenkte damit die Landeswährung ebenfalls auf Erholungskurs ein.

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