
TokioDie Aktienmärkte in Fernost haben nach der jüngsten Rally am Donnerstag eine Verschnaufpause eingelegt. Während die Tokioter Börse nochmals leicht zulegte und der Leitindex Nikkei den besten Januar seit 15 Jahren erlebte, kam es an anderen Handelsplätzen wie in Australien und Hongkong zu Gewinnmitnahmen.
Die US-Notenbank sorgte mit ihrer Entscheidung, weiter an ihrer lockeren Geldpolitik festzuhalten, für eine positive Grundstimmung. Hinzu kam das Wissen, dass die japanische Zentralbank weiter Geld in die Wirtschaft pumpt.
"Das Jahr 2013 ist mit viel Optimismus gestartet", fasste CommSec-Stratege Craig James zum Monatswechsel die Stimmung am Markt zusammen. US-Politiker hätten gezeigt, dass sie sich den Problemen stellten, aus Europa kämen keine weitere Horrormeldungen und die chinesische Wirtschaft entwickle sich ebenfalls wieder besser.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 11.138 Punkte und damit erneut über der psychologisch wichtigen Marke von 11.000 Stellen. Der breiter gefasste Topix-Index legte 0,6 Prozent auf 940 Zähler zu.
Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.
Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.
Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.
Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.
Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.
Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.
Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.
Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.
Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.
Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.
Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.
Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.
Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index hatte zum Ende des Vormittagshandels 0,61 Prozent auf 11.046 Punkte verloren. Am Vortag hatte der Nikkei erstmals seit 33 Monaten wieder über der Marke von 11.000 Punkten geschlossen.
Auch die Börsen in Taiwan und Shanghai lagen im Plus. In Südkorea, Australien, Hongkong und Singapur verbuchten die Märkte dagegen leichte Verluste. Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verlor 0,4 Prozent. An den vergangenen beiden Tagen war der Index um 1,3 Prozent und damit in die Nähe eines 18-Monatshochs gestiegen.
In Tokio stachen vor allem die Finanztitel hervor. Nach den guten Zahlen der Sumitomo Mitsui Financial Group setzten Analysten auf gute Ergebnisse der anderen beiden großen japanischen Geldhäuser Mitsubishi UFJ Financial Group und Mizuho Financial Group.
Die SMFG-Aktie stieg 5,2 Prozent. Das Institut hat allein mit seinem Ergebnis in neun Monaten seine Prognose fürs Gesamtjahr übertroffen. Das Mitsubishi-Papier gewann 3,6 Prozent, die Mizuho-Aktie verteuerte sich um 2,8 Prozent.
Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Exportweltmeisters. Die 27 Ländern kauften 2010 chinesische Waren im Wert von 282 Milliarden Euro - 18,9 Prozent mehr als 2009. Die Volksrepublik hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden.
China hat einen Großteil seiner gigantischen Devisenreserven von gut drei Billionen Dollar in Euro-Wertpapiere wie Staatsanleihen gesteckt, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Peking veröffentlicht zwar keine Daten. Experten schätzen aber, dass inzwischen ein Viertel der Devisenreserven auf Euro lautet. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren - und damit auch Chinas Euro-Investitionen.
Ja. China seit Ausbruch der Krise immer wieder sein Vertrauen in die Währungsunion betont. „China ist ein langfristig orientierter Investor“, betonte Ministerpräsident Wen Jiabao und machte damit klar, Europa in der Krise nicht fallen zu lassen. Bei Worten hat es Peking nicht belassen. Die Volksrepublik hat für viele Milliarden Euro Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern gekauft, während sich private Investoren aus Sorge vor einem Zahlungsausfall entweder zurückhalten oder exorbitante Zinsen verlangen.
Nein, China sichert seine Interessen auf ganz unterschiedliche Weise. Griechischen Reedern wurde ein Kredit über zehn Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Hintergrund: Ein Großteil der internationalen Handelsflotte fährt unter griechischer Flagge, viele der Tanker und Schiffe werden in China gebaut. Auch in Ungarn - das zwar nicht zur Euro-Zone gehört, aber ebenfalls mit einer Schuldenkrise kämpft - engagieren sich die Chinesen. Der Technologiekonzern Huawei baut dort sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des südeuropäischen Landes modernisieren soll.
Amnesty International befürchtet, dass Menschenrechtsfragen in den Hintergrund gedrückt werden. „Es ist zu befürchten, dass Kritik an den Menschenrechten in Zukunft noch leiser geübt wird“, sagt deren China-Experte Dirk Pleiter. „Geraten einzelne EU-Länder in Abhängigkeit von China, wird es schwerer, innerhalb der EU eine einheitliche Linie gegenüber der Volksrepublik zu formulieren, Probleme klar anzusprechen und auch Konflikte auszutragen.“
Zu den Verlierern gehörten Aktien des Chipausrüsters Advantest, die 1,8 Prozent einbüßten. Das Unternehmen legte Zahlen vor, die schwächer als erwartet waren. Für das Gesamtjahr rechnet Advantest mit einem niedrigeren Betriebsgewinn als bislang angenommen. Nintendo-Papiere gaben mit fünf Prozent nach. Der Videospiele-Hersteller kündigte für das zweite Jahr in Folge einen Betriebsverlust an.
Der Euro behauptete in Fernost seine jüngsten Gewinne zum Dollar und zum japanischen Yen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,3577 Dollar bewertet, nach 1,3566 Dollar im späten US-Handel. Zum Dollar notierte der Euro um das 14-Monatshoch und zum Yen mit 123,48 Yen in der Nähe eines Zweieinhalb-Jahreshochs.

Staatskrisen und politischer Wille
Der Tausch einer Währung kann viele Gründe haben. In Deutschland waren es politische, wie beim der Einführung des Euro. Aber auch Inflation wie bei der Einführung der Rentenmark mit drohendem Staatsbankrott könne Gründe für einen Währungswechsel sein. Auch nach Kriegen werden die Geldsorten gewechselt, in Deutschland etwa im Jahre 1948.
Foto: Peter Hintze, ehemaliger CDU-Bundesgeschaeftsführer, stellt ein Plakat zur Euroeinführung vor.

Staatliche Wechselstube
Die Auswirkungen sind enorm und Währungswechsel kommen sehr häufig vor. So erlebte etwa ein Deutscher, der im Jahr 1921 in Leipzig geboren wurde, sechs Währungen. Im Durchschnitt wechselte bei ihm die Währung alle 15 Jahre. Handelsblatt Online zeigt auf den nächsten Seiten die wichtigsten Währungsreformen in Deutschland.

1871 bis 1873
Nach der Gründung des deutschen Reichs aus zahlreichen souveränen Einzelstaaten sollte auch eine einheitliche Währung her. Im Laufe der Jahre tauschten die Deutschen ihre Taler, Gulden und Kreuzer in Mark. Als letztes Land führte Bayern die Mark ein.

1923 bis 1925
Die Hyperinflation in der Weimarer Republik besiegelte das Schicksal der Mark. Wegen des Weltkrieges hatte die Währung bereits mehr als die Hälfte an Kaufkraft verloren. In den Folgejahren verlor die Währung- auch wegen Kriegskosten und Reparationsleistungen drastisch an Wert.

Reichsmark
In der Folge wurde die Mark auf die Renten- und später Reichsmark umgestellt. Der Wechselkurs betrug eine Billion Mark zu einer Reichsmark. Auch wenn die Reichsmark als Goldkernwährung keinen Goldstandard hatte, bewirkte sie eine Entspannung bei der Inflation. Der Währungskurs pendelte sich zum US-Dollar auf den Stand vor 1914 ein. Nach der Machtübernahe der Nazis und im folgenden Krieg stieg das Geldvolumen wieder stark an.

1948 (BRD)
Nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges wurde in den alten Bundesländern die Deutsche Mark eingeführt. Die Reichsmark hatte keinen Wert mehr, die Deutschen schlugen sich mit Tauschgeschäften durch oder rechneten mit Zigaretten ab.

D-Mark
Die Deutschen konnten ihre neue D-Mark an den Ausgabestellen für Lebensmittelmarken abholen: 40 DM sofort und weitere 20 DM zwei Monate später. Nach der Einführung folgte ein enormer Wirtschaftsaufschwung.
Bild: Am 20. Juni 1948, dem Stichtag der Wahrungsreform in den westlichen Besatzungszonen, drängen sich die Bürger in einer Hamburger Umtauschstelle, um sich die neue Währung auszahlen zu lassen.

Deutsche Mark
Der Bank deutscher Länder folgte die Bundesbank. Als von der Politik unabhängiges Institut sollte sie die Stabilität der Währung sichern. Bis zur Einführung des Euro im Jahr 1999 verlor die Mark rund 25 Prozent an Kaufkraft. Die Inflationsrate betrug durchschnittlich drei Prozent.

1948 -1990 (DDR)
Auch in der sowjetischen Besatzungszone gab es nach dem Zweiten Weltkrieg eine Währungsreform. Die Einwohner der DDR zahlten mit der „Deutsche Mark der Deutschen Notenbank“ (1948 bis 1964), der „Mark der Deutschen Notenbank“ (1964 bis 1967) und der „Mark der Deutschen Demokratischen Republik“ (1968 bis 1990).

„Aktion Blitz“
Die Schwäche der Währung sorgte im Oktober des Jahres 1957 zu einem Austausch der Währung. Um den Bargeldüberhang zu reduzierten gab die Regierung neue Banknoten mit anderen Farben und Wasserzeichen heraus. Die Bürger mussten Beträge über 300 Mark anmelden und auf Sonderkonten einzahlen.
Bild: Walter Ulbricht, damaliger Parteichef der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, hält eine Wahlrede im Fernsehen.
Staatskrisen und politischer Wille
Der Tausch einer Währung kann viele Gründe haben. In Deutschland waren es politische, wie beim der Einführung des Euro. Aber auch Inflation wie bei der Einführung der Rentenmark mit drohendem Staatsbankrott könne Gründe für einen Währungswechsel sein. Auch nach Kriegen werden die Geldsorten gewechselt, in Deutschland etwa im Jahre 1948.
Foto: Peter Hintze, ehemaliger CDU-Bundesgeschaeftsführer, stellt ein Plakat zur Euroeinführung vor.





