Marktberichte

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Börse Tokio: Italien wirft erneut Schatten auf den Nikkei

Die Anleger in Japan hoffen zwar auf eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik, fürchten aber Probleme aus Italien. Die Entwicklung der Aktienmärkte hängt stark an der Währung.

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio. Quelle: AFP
Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio. Quelle: AFP

TokioNach dem Schock der Italien-Wahl hat US-Notenbankchef Ben Bernanke am Mittwoch an den Aktienmärkten in Fernost die Wogen wieder etwas geglättet. Bernanke verteidigte vor dem Kongress in Washington die Anleihe-Käufe der Federal Reserve und besänftigte damit Sorgen, die Geldpolitiker könnten angesichts der aufgerissenen Geldschleusen doch kalte Füße bekommen.

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Auch unerwartet gute US-Konjunkturdaten hellten die Stimmung auf und ließen den MSCI-Index für Aktienmärkte außerhalb Japans wieder um 0,5 Prozent steigen. Die Börse in Tokio gab dagegen erneut nach.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

  • Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

    Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
    Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

  • Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

    Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

  • Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

    EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

  • Wer profitiert von einem starken Euro?

    Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

  • Wem schadet ein starker Euro?

    Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

  • Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

    Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index verlor 1,27 Prozent auf 11.254 Punkte. Das Patt nach der Wahl in Italien hatte bereits am Vortag an den Börsen Furcht vor einem Wiederaufflammen der europäischen Schuldenkrise ausgelöst und den Nikkei-Index 2,26 Prozent nach unten rauschen lassen.

"Der japanische Markt hat seit Jahresbeginn besser abgeschnitten als andere Börsen weltweit. Auch wenn ein schwächerer Yen bei japanischen Aktien für Rückenwind gesorgt hat, wurden wir in dieser Woche daran erinnert, dass die Währung Yen immer noch als sicherer Hafen gekauft werden kann, wenn Ängste vor europäischen Schuldenproblemen auftauchen", sagte ein Stratege bei einer europäischen Vermögensverwaltungsfirma. Besonders Exportwerte mussten am Mittwoch daher Federn lassen. Die Anteilscheine von Canon büßten 2,7 Prozent ein, Toyota -Papiere verloren mehr als zwei Prozent.

Hintergrund zum Währungskrieg

  • Währungskrieg

    In volkswirtschaftlichen Lehrbüchern steht der Begriff nicht, der angeblich 2010 vom brasilianischen Finanzminister Guido Mantega geprägt wurde. Gemeint ist damit, dass mehrere Länder eine Art Wettlauf starten, wer seine Währung am stärksten abwerten kann. Davon versprechen sie sich Vorteile bei der Wettbewerbsfähigkeit: Ist die eigene Währung schwach, profitieren davon Unternehmen, die ins Ausland exportieren - ihre Produkte werden billiger. Nachweisen ließ sich ein Währungskrieg bisher nicht.

  • Wechselkurs

    Der Wert einer Währung lässt sich am besten im Verhältnis zu einer anderen Währung bemessen - das nennt man Wechselkurs. In Deutschland am geläufigsten ist der Euro-Dollar-Wechselkurs, er liegt derzeit bei etwa 1,33 Dollar. Fällt dieser dauerhaft, kann man sagen, der Euro habe gegenüber dem Dollar abgewertet. Oder umgekehrt: Der Dollar hat gegenüber dem Euro aufgewertet. Es kommt immer auf die Perspektive an.

  • Zentralbanken

    Wechselkurse ergeben sich - wie die meisten Preise in einer Marktwirtschaft - in der Regel aus Angebot und Nachfrage. Eine wichtige Rolle dabei spielen die Zentralbanken, denn sie können große Mengen der einheimischen Währung (oder einer fremden) kaufen oder verkaufen und nehmen damit Einfluss auf die Wechselkurse. Ein Beispiel: Die Schweizer Notenbank hatte 2011 beschlossen, den Franken vor einer weiteren Aufwertung zum Euro im Zuge der Schuldenkrise zu bewahren beziehungsweise den Wechselkurs nicht unter 1,20 Franken fallen zu lassen. Dafür kauft die Zentralbank laufend Euro und andere Fremdwährungen.

  • Japan

    Die starke Abwertung des Yen in den vergangenen Monaten ist der Auslöser für die jüngste Diskussion über einen „Währungskrieg“. Die im Vergleich zu Dollar oder Euro günstiger gewordene japanische Währung hilft der exportorientierten japanischen Wirtschaft. Dies ist politisch - von der neuen Regierung und der Zentralbank - erwünscht, denn das Land steckt seit Jahrzehnten in der Stagnation. Mit dem Anwerfen der Notenpresse - dem „Drucken“ von Geld - hilft die Zentralbank dabei, dass der Yen an Wert verliert.

  • Teuerung

    Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Stärke beziehungsweise Schwäche einer Währung und der Teuerungsrate. Stark vereinfacht gesehen verschärft eine Abwertung die Inflation, bei einer Aufwertung schwächt sich die Preissteigerung hingegen ab. Geht diese gegen null oder fallen die Preise, spricht man von Deflation. Dies ist für eine Volkswirtschaft viel gefährlicher als eine moderate Inflation. Einflussmöglichkeiten haben wiederum die Notenbanken, die ja in erster Linie über die Preisstabilität wachen. In der Eurozone spricht man von stabilen Preisen, wenn die Teuerung mittelfristig bei knapp unter zwei Prozent liegt.

Für positive Impulse sorgte indes die Aussicht auf eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik in Japan. Kreisen zufolge soll der Präsident der Asiatischen Entwicklungsbank, Haruito Kuroda, neuer Chef der japanischen Notenbank werden. Er ist ein Befürworter von Konjunkturspritzen für die schwächelnde Wirtschaft.

Die unklaren Machtverhältnisse nach der Parlamentswahl in Italien setzten auch dem Euro im fernöstlichen Handel weiter zu. Die Gemeinschaftswährung tendierte bei 1,3060 Dollar in der Nähe eines Sieben-Wochen-Tiefs bei 1,3018, das sie nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse markiert hatte. Ein Euro kostete 120,18 Yen. Der Dollar wurde bei 91,99 Yen gehandelt.

Euro, Dollar und Co. Devisen-Rechner

Mit dem Devisen-Rechner können Sie mit einer interaktiven karte die aktuellen Kurse zwischen allen Ländern der Welt berechnen.

  • 27.02.2013, 05:35 Uhr

    talien-Chaos ist das Ergebnis des deutsch-französischer Diktates.
    Wir wollen hoffen dass dies als Warnschuss an die deutsch-französische Achse verstanden wird und dass die Zeit wo Deutschland und Frankreich eine für sie günstige Entscheidung im voraus vereinbarten und erst dann den anderen EU-Mitgliedern einfach zum Unterschreiben diktiert haben, endlich und für immer vorbei ist.
    Dieses Verhalten ist auch der Hauptgrund für die heutige Krise, weil durch die getroffene Entscheidungen die schwächere Wirtschaften der EU ungeschützt gegenüber der Stärkeren Wirtschaften waren, was zum Kannibalismus innerhalb der EU geführt hat. Die Industrieproduktion Italiens ist um mehr als 25% seit 2007 gesunken. Daher Leistungsbilanzdefizite, Haushaltsdefizite, Jugendarbeitslosigkeit, Auswanderung und leider auch Selbstmorde in den schwächeren EU-Ländern. Wir erleben, über den permanenten deutscher Leistungsbilanzüberschuss, eine legale Kapitalflucht vom Euroraum ins Nichteuroausland. Dies überwiegend zum Nachteil der kleineren und schwächeren Euro-Wirtschaften.
    Weil die Gewinne die deutsche Konzerne im Euroraum erwirtschaften meistens ins Nichteuroausland reinvestiert werden.

  • 27.02.2013, 06:50 Uhr

    Der Hauptgrund ist, dass sich die dümmsten Schweine ihren Metzger selber aussuchen.
    Spardiktat. Blödsinn. Jeder weiß, dass man nur soviel Geld ausgeben kann, wie man hat. Alles andere führt zu einer Überschuldung, die in einer Insolvenz ändert. Aber heute will ja jeder alles, weil es auch der andere hat.

  • 27.02.2013, 07:51 Uhr

    Die verklausulierten Vorwürfe bringen das morbide Monstrum auch nicht die Beine. Diese dpa-Renitenz erinnert an die Karikatur des schwitzenden Dickwansts, der vom Sofa seine Mannschaft anfeuert: Nun lauft doch, ihr faulen Säcke! Der Esel war überladen und ist totgeritten, verehrter Protagonist.

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