TokioÜberraschend starke Konjunkturdaten aus China haben an den meisten asiatischen Aktienmärkten am Freitag für eine positive Stimmung gesorgt. Der Nikkei-Index verzeichnete dagegen vor einem langen Wochenende deutliche Verluste. Zudem hat der Leitindex wegen der Lockerung der Geldpolitik durch die japanische Notenbank schon seit Wochen deutlich zugelegt.
Die chinesischen Exporte stiegen im Januar so stark wie seit April 2011 nicht mehr. Auch der Einzelhandel, die Produktion und die Investitionen deuteten darauf hin, dass die chinesische Konjunktur im dritten Quartal des vergangenen Jahres ihren Tiefpunkt erreicht habe, sagte der Experte Hirokazu Yuihama von Daiwa Securities in Tokio. Viele Investoren ließen am Freitag aber Vorsicht walten, weil in der kommenden Woche das chinesische Neujahrsfest ansteht. Einige Anleger sichern sich deswegen vor den Ferien noch Gewinne.
Nikkei-Index: Die zehn besten Tage an Japans Aktienmarkt
Vier Prozent an einem Tag - das ist ungewöhnlich viel für den Nikkei-Index, der immerhin 225 Werte umfasst. Doch es gab noch viel bessere Tage. Die Hitliste.
14. Okt. 2008 9.447,57 1.171,14 Punkte 14,15 Prozent
2. Okt. 1990 22.898,41 2.676,55 Punkte 13,24 Prozent
15. Dez. 1949 109,62 11,12 Punkte 11,29 Prozent
30. Okt. 2008 9.029,76 817,86 Punkte 9,96 Prozent
21. Okt. 1987 23.947,40 2.037,32 Punkte 9,30 Prozent
17. Nov. 1997 16.283,32 1.200,80 Punkte 7,96 Prozent
31. Jan. 1994 20.229,12 1.471,24 Punkte 7,84 Prozent
29. Okt. 2008 8.211,90 589,98 Punkte 7,74 Prozent
10. Apr. 1992 17.850,66 1.252,51 Punkte 7,55 Prozent
21. Mär. 2001 13.103,94 912,97 Punkte 7,49 Prozent
Im Tokioter Handel wirkte der gedämpfte Ausblick der Europäischen Zentralbank vom Donnerstag nach. Zu den größten Verlierern zählten zum Wochenausklang Sony-Aktien: Der Elektronikkonzern enttäuschte mit überraschend schwachen Quartalszahlen viele Anleger. Analysten zufolge nutzten Investoren zudem das bevorstehende lange Wochenende, um Gewinne mitzunehmen. Die Aktienmärkte bleiben am Montag wegen eines Feiertages geschlossen. Der Nikkei-Index fiel um 1,8 Prozent auf 11.153 Punkte. Der MSCI-Index für Aktienmärkte außerhalb Japans stieg dagegen um 0,3 Prozent.
Der Euro übersprang in der Nacht die Marke von 1,34 Dollar und notierte am Morgen bei 1,3398 Dollar. EZB-Präsident Mario Draghi hatte sich am Donnerstag über den jüngsten Kursanstieg besorgt gezeigt. Daraufhin fiel die Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,34 Dollar. Die US-Währung tendierte stärker. Der Yen bewegte sich im Vergleich zu Dollar und Euro nahe seinen Tiefständen.
Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?
Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.
Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.
Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.
Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.
Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.
Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.
Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.
Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.
Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.
Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.
Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.
Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.
Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.
Bei den Einzelwerten standen Sony -Papiere im Interesse der Anleger. Die Konzernergebnisse im Herbstquartal enttäuschten viele Investoren. Die Aktie fiel um mehr als zehn Prozent. Auch andere Exportwerte standen auf den Verkaufslisten: Bei Panasonic betrug das Minus 5,4 Prozent und bei Canon 2,3 Prozent.
Gegen den Trend konnte der Elektronikhersteller Fujitsu zulegen: Das Unternehmen will seine Mikrochipsparte umbauen und dafür 5000 Stellen streichen. Die Papiere stiegen um 5,1 Prozent.
Der weltgrößte Aluminium-Konzern United Company Rusal rechnet wegen vieler Infrastruktur-Großprojekte in China mit einem Anziehen der weltweiten Alu-Nachfrage in diesem Jahr. Die Nachfrage werde 2013 voraussichtlich um sechs Prozent auf 50 Millionen Tonnen steigen, kündigte das russische Unternehmen am Freitag an. China werde 2013 der größte Markt für das Material bleiben, teilte Rusal mit.
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