TokioDie Furcht vor einem neuen Aufflammen der Euro-Krise hat am Dienstag zahlreiche asiatische Anleger zu Gewinnmitnahmen veranlasst. In Japan mussten die wichtigsten Börsenbarometer nach fünf aufeinanderfolgenden Tagen mit Kursgewinnen deshalb kräftig Federn lassen.
Anlass für die Skepsis waren politische Turbulenzen in Spanien und Italien, die am Montag bereits den europäischen Börsen heftige Verluste eingebrockt hatten. Auch der Euro setzte deshalb seine jüngste Talfahrt fort und kostete mit 1,3484 Dollar weniger als am Vorabend in New York. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,9 Prozent tiefer bei 11.046 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index rutschte 1,7 Prozent auf 939,7 Zähler ab.
Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?
Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.
Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.
Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.
Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.
Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.
Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.
Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.
Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.
Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.
Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.
Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.
Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.
Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.
Die Anleger fürchteten, dass der Reformeifer in Spanien und Italien zum Erliegen kommt. Dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy wird vorgeworfen, jahrelang Zahlungen aus Schmiergeldkassen erhalten zu haben. Die Opposition verlangt den Rücktritt des Regierungschefs, der sich um eine Sanierung der Staatsfinanzen bemüht.
Anleger fürchten zudem, dass in Italien die Affäre um die Traditionsbank Monte Paschi dem vom ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi geführten Mitte-Rechts-Bündnis Auftrieb gibt. Auch der Verlauf der bisherigen Bilanz-Saison in Japan lieferte den Investoren bislang wenig Grund für Optimismus: Zwei Drittel der Firmen, die bis jetzt ihre Ergebnisse präsentiert habe, lagen unter den Erwartungen der Analysten.´
Die Aktien von Toyota schlossen unmittelbar vor der Vorlage von Bilanzzahlen 1,2 Prozent schwächer. Nach Börsenschluss erhöhte der Autobauer seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Die Konzerngruppe wird nach eigener Einschätzung vom Dienstag im laufenden Geschäftsjahr 2012/2013 unter dem Strich 860 Milliarden Yen (6,9 Milliarden Euro) verdienen. Bislang hatte der Autobauer 780 Milliarden Yen angepeilt.
Im dritten Quartal belief sich das Nettoergebnis auf knapp 100 Milliarden Yen - gegenüber dem Vorjahr ein Plus von fast einem Viertel. Operativ dagegen verbuchte Toyota einen Gewinnrückgang um knapp 17 Prozent. Im Rennen um die Spitzenposition als weltgrößter Autobauer zog Toyota im vergangenen Jahr an seinen Dauerrivalen General Motors und Volkswagen vorbei. Mit einem Absatzplus von 23 Prozent fuhr der japanische Konzern von Platz 3 auf Platz 1 vor.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen auch die Werte von Hitachi mit einem Minus von 6,4 Prozent. Anleger zeigten sich erschrocken darüber, dass der Maschinenbauer seine Gewinnprognose für dieses Jahr kappte - vor allem wegen der schwachen Nachfrage in Europa.
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Dagegen waren die Aktien von Panasonic sehr begehrt und gewannen knapp vier Prozent, nachdem der Elektronik-Konzern in die Gewinnzone zurückgekehrt war. Auch die Anteilsscheine von Japan Airlines gehörten mit einem Plus von fünf Prozent zu den Gewinnern, weil das Konzern seine Geschäftsprognosen erhöhte.
Der breit gefasste MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans gab 0,9 Prozent nach. Unter den wichtigsten Börsen konnte allein der Handelsplatz in Shanghai leicht zulegen. Die Wall Street hatte am Montag ebenfalls unter dem Eindruck der neuen Probleme in der Euro-Zone gelitten und Federn gelassen.
Die größten Unternehmen der Welt
General Electric
Marktkapitalisierung: 233.63 Milliarden Dollar
Branche: Mischkonzern
Johnson & Johnson
Marktkapitalisierung: 231,38 Milliarden Dollar
Branche: Pharma
PetroChina
Marktkapitalisierung: 231,76 Milliarden Dollar
Branche: Energie
Chevron
Marktkapitalisierung: 232,52 Milliarden Dollar
Branche: Energie
Walmart
Marktkapitalisierung: 261,44 Milliarden Dollar
Branche: Einzelhandel
Microsoft
Marktkapitalisierung: 263,64 Milliarden Dollar
Branche: Technologie
Berkshire Hathaway
Marktkapitalisierung: 264,99 Milliarden Dollar
Branche: Beteiligungsgesellschaft
Google
Marktkapitalisierung: 265,89 Milliarden Dollar
Branche: Technologie
Apple
Marktkapitalisierung: 388,44 Milliarden Dollar
Branche: Technologie
Exxon Mobil
Marktkapitalisierung: 393,61 Milliarden Dollar
Branche: Energie
Der Börsenwert eines Unternehmens (Marktkapitalisierung) wird ermittelt indem man die Gesamtzahl der börsennotierten Aktien mit dem aktuellen Kurs der Aktie multipliziert. Aktien, die sich nicht im Streubesitz befinden werden dabei nicht berücksichtigt.
Am Beispiel von Apple heißt dies: 939.058.000 Aktien sind im Umlauf, der Kurs der Aktie betrug zum Stichtag der Analyse 413 Dollar. Ergebnis: Ein Börsenwert von rund 388 Milliarden Dollar.