
FrankfurtDie Freude von Investoren über die Ergebnisse des EU-Gipfels wird wohl schnell verpuffen. Stattdessen dürften angesichts der näher rückenden Bilanzsaison die Sorgen über die konjunkturellen Perspektiven verstärkt in den Fokus rücken, sagen Aktienstrategen. Von daher sei in den kommenden Tagen mit wieder sinkenden Kursen an der Börse zu rechnen.
„Viele Anleger bejubeln die überraschende Aktivität der Regierungschefs. Schließlich war nicht viel erwartet worden“, schrieb Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar. „Nur muss man sich auch klarmachen, dass die Beschlüsse mittel- bis langfristig problematisch sind.“ So könne etwa die direkte Banken-Rekapitalisierung zu einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden durch die Hintertür verkommen, erklärte der Experte. „Banken- und Fiskalrisiken sind in der Peripherie eng verwoben. In solchen Ländern, in denen die Geschäftsbanken im großen Umfang Staatsanleihen kaufen, können die fiskalischen Probleme so auf den Bankensektor abgewälzt werden, der dann, ohne dass der Fiskus involviert wird, Kapital vom ESM erhält - womöglich ohne makroökonomische Auflagen.“
„Nach der Feierlaune wird wohl Katerstimmung einziehen“, sagt Marktstratege Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. „Für Italien und Spanien sind die Beschlüsse vom EU-Gipfel zwar ein großer Schritt. Deren Banken haben jetzt eine viel größere Sicherheit, und die ganz große Panik konnte damit vermieden werden. Allerdings dürften sich die Anleger nun auf die verbleibenden Probleme konzentrieren und da rücken vor allem die konjunkturellen Sorgen in den Vordergrund.“
Börsianer mahnten zudem zur Vorsicht, da die Gipfelbeschlüsse noch den parlamentarischen Prozess in den Mitgliedsländern durchlaufen müssen. Die Haushälter der SPD und der Linken stellten bereits infrage, ob noch am Freitag im Bundestag über den dauerhaften Rettungsschirm ESM abgestimmt werden kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte nach Abschluss des EU-Gipfels, durch die Beschlüsse der Eurogruppe zum ESM ergäben sich inhaltlich keine Änderungen für die Gesetze, die im Bundestag zur Abstimmung stünden.
„Die Banken können sich nun leichter in der Krise rekapitalisieren als das bisher der Fall war. Bislang waren ja hauptsächlich die Nationalstaaten dafür verantwortlich. Diese Last ist den Staaten nun von den Schultern genommen, und damit wird zum Beispiel der Staatshaushalt von Spanien wesentlich entspannter.
Auch die nordeuropäischen Staaten werden dadurch entlastet, weil die Zinsen auf italienische oder spanische Staatsanleihen deutlich sinken dürften, und das ist gut für die gesamten Geschäftsbeziehungen.“
„Die Kursentwicklung geht über das hinaus, was gerechtfertigt ist. Erstens bedarf es Klarheit darüber, wie und in welchen Fällen Regierungen den ESM in Anspruch nehmen können. Wenn es nur zur Rekapitalisierung von Banken ist, wäre es nicht weitgehend genug, um die zugrundeliegenden Belastungen zu lindern. Zweitens bleiben beträchtliche Umsetzungsrisiken.
Die Regierungen müssen der EZB für ihre neuen Aufsichtsaufgaben Rechte übertragen. Dies könnte sich als umstrittener herausstellen als es die unmittelbare Marktreaktion vermuten lässt. Nach derartigen Ankündigungen ist der anfängliche Optimismus verpufft, sobald sich die Politiker an die Details machen. Wir würden uns nicht wundern, wenn sich dieses Muster wiederholt.“
„In einer turbulenten Nachtsitzung haben sich die Regierungschefs überraschend grundsätzlich darauf geeinigt, den Banken der hochverschuldeten Krisenländern künftig direkt Hilfen zu gewähren und damit deren Staatshaushalte zu entlasten. (...)
Gemeinsame Anleihen tauchen nach Merkels klarem Nein nicht im Kommuniqué des Gipfels auf. Wir bleiben allerdings bei unserer Prognose, dass Deutschland solchen Anleihen am Ende zustimmen dürfte, wenn die Existenz der Währungsunion gefährdet wäre.“
„Der Markt ist ein bisschen überrascht, dass etwas substanzielles bei dem Gipfel herausgekommen ist. Die Details zum Zeitrahmen der Umsetzung dieses Plan wird darüber entscheiden, ob die aktuellen Kursgewinne nachhaltig sind.“
„Um den Markt zu beeindrucken, sind Eingriffe der EZB notwendig - etwa Interventionen am Anleihenmarkt oder erhebliche Liquiditätsspritzen für die Banken. Ohne EZB geht es nicht.“
In der vergangenen Börsenwoche gewann der Leitindex 2,4 Prozent auf 6.416 Zähler an Wert, allerdings hauptsächlich getragen von einem 4,3-prozentigen Plus am Freitag. Der europäische Stoxx50 schaffte im Wochenverlauf einen Anstieg um knapp drei Prozent auf 2.264 Stellen.
Die Teilnehmer des EU-Gipfels hatten sich in der Nacht auf Freitag darauf geeinigt, spar- und reformwilligen Ländern Hilfe ohne ein zusätzliches Anpassungsprogramm zu gewähren. Das heißt, dass keine Überwachung von außerhalb - etwa durch die EU oder den IWF - stattfindet. Zudem soll kurzfristig eine europäische Bankenaufsicht aufgebaut werden. Sobald diese steht, können Banken direkt Geld vom europäischen Rettungsfonds ESM erhalten.

Und auf was warten die Märkte dann?
So langsam kann ich das nicht mehr nachvollziehen. Da bekommt die Finanzwirtschaft ein Bonbon nach dem anderen, eine Luftblase nach der anderen platzt, Banken gehen pleite. Nicht weil die Politik das wollte, sondern weil diese mit Luftblasen handeln, und gehandelt haben. Weil diese nicht wirklich gewirtschaftet haben, sondern sich als Glücksspielritter hervor getan haben.
Und nun hoffen diese Märkte auf Zinssenkungen und noch mehr Geld im Kreislauf.
Ich kann nur hoffen, das die Bankenkontrolle in Europa möglichst schnell und effektiv installiert wird.
Das Finanzsystem ist unfähig, wie wäre es mal mit Arbeit? Damit der Wert des Geldes mal wieder den Stellenwert bekommt, den er haben sollte. Und das möglichst "short".

Ihr Kommentar:
Amerikanische Börsen sind (noch) die Börsen die technisch intakt sind. Aber der aufwärtsTrendkanal vom Dax seit 2009 wurde durchbrochen, DAX war unter dem 200er Tage Durchschnitt. Auch als Resultat der extrem schwachen Börsenentwicklungen in Italien, Spanien, Griechenland. DAX Schwergewichte BASF, Siemens sind alle unter 200er Linie plus DAX ist zyklisch. Das im jetzigen europäischen Umfeld - wobei dies natürlich auch schon eingepreist wurde. Aber bullish sieht für mich anders aus. Das der DAX an einem Tag um 4% steigt zeigt, dass viele Handelssysteme auf dem falschen Fuss erwischt wurden mit Ihren Short-Positionen.






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