HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der Dax steigt und steigt. Auch die durch das hin- und her manövrieren des ägyptischen Diktators Husni Mubarak neu aufkeimende Sorge über die Zukunft des Landes und der Region konnte die Dax-Kurve am Freitag nur kurzzeitig auf Talfahrt schicken. Nach Bekanntwerden des Mubarak-Rücktritts am späten Freitagnachmittag notierte der Leitindex nach Börsenschluss auf einem neuen Drei-Jahres-Hoch bei 7 371 Punkten.
Bisher hat die auf Hochtouren laufende Berichtssaison die nach wie vor bestehenden Marktrisiken in den Hintergrund gedrängt. Trotz Schuldenkrise in den europäischen Peripheriestaaten, steigender Inflation im Euro-Raum und der Angst vor einem Ende des chinesischen Aufschwungs hat der Dax in den zurückliegenden Monaten eine beeindruckende Rally hinter sich gebracht. Ohne nennenswerte Atempause legte der Leitindex seit Anfang September mehr als 20 Prozent zu. Dass es so geradlinig weitergeht wie in den vergangenen Monaten halten nicht nur die Analysten der Landesbank Berlin für wenig wahrscheinlich.
"Seit September hat der Dax etwa 1 400 Punkte zugelegt, da ist er durchaus anfällig für eine Korrektur. Ägypten könnte dafür ein Auslöser sein", so die Prognose von Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Doch in dem Land am Nil überschlagen sich minütlich die Ereignisse. Nachdem Präsident Husni Mubarak entgegen seiner am Vorabend geäußerten Absicht am späten Freitagnachmittag nun doch seinen Rücktritt erklärte und die Amtsgeschäfte auf einen Militärrat übertrug, könnte sich die Situation im Land entspannen. Immerhin hat die Armeeführung am Freitag bekanntgegeben, den Weg zu freien und fairen Wahlen zu sichern – und den seit Jahrzehnten geltenden Ausnahmezustand in Bälde aufzuheben. Doch es bleibt abzuwarten, ob die von vielen Experten befürchtete Eskalation, die Angst vor einem Dominoeffekt in der gesamten Region, tatsächlich ausbleiben, oder sich der grenzenlose Jubel des Volkes als voreilig erweisen wird.
Neben der weiterhin angespannten Lage in Ägypten bleibt Analysten zufolge der wichtigste Belastungsfaktor die nach wie vor ungelöste Schuldenkrise. Vor allem der bislang fehlende Durchbruch bei den Verhandlungen um eine Reform des bis 2013 befristeten EU-Rettungsschirms sorgt für Nervosität an den Märkten. Auch der Wackelkandidat für den Rettungsfonds, Portugal, steht nach wie vor im Fokus. In einem von hohem Optimismus geprägten Umfeld scheinen Kursschwankungen sowie Verschnaufpausen des Marktes jederzeit möglich.
Übernahmen als Triebfeder für den Aktienmarkt
Dass der Dax seine Rekordjagd auf längere Sicht beendet, erwarten Experten allerdings nicht. Denn Bilanzen und Konjunkturdaten sollten weiter bestätigen, dass sich die Wirtschaft nachhaltig erholt. Kapitalmarktanalyst Stefan Scheurer von Allianz Global Investors verweist zudem auf eine zunehmende Übernahme- und Fusionslust der Unternehmen. Diese treibe die Kurse nach oben: "Gerade nach Krisen steigt die Übernahme-Euphorie bei den Unternehmen auf der Suche nach weiterem Wachstum", so Scheurer.




